|
Erst
der Jugendverband, jetzt die Partei?
Angriff
auf tschechische Kommunisten verschärft
10.11.2006
Nach dem Verbot des tschechischen
Kommunistischen Jugendverbandes (KSM) steht nun auch die Kommunistische
Partei Böhmens und Mährens (KSCM), eine der stärksten kommunistischen
Parteien Europas, auf der Abschußliste. Das Oberhaus des tschechischen
Parlaments, der Senat, hat die Einberufung einer Untersuchungskommission
beschlossen, die die Verfassungstreue der Partei prüfen soll. Auf
Initiative von Jaromir Stetina, dem Senator der tschechischen »Grünen«,
hatten bereits am 2. November 31 von 46 anwesenden Senatoren dessen
Vorschlag zur Bildung einer diesbezüglichen Kommission gebilligt. Neben
der Überprüfung der Übereinstimmung von Parteizielen und Verfassung
wollen die Senatoren zudem klären, ob die KSCM-Mitglieder nicht gegen das
tschechische Parteienrecht verstoßen.
Die
KSCM ging aus den Parlamentswahlen Anfang Juni dieses Jahres mit 26 von
200 Sitzen als drittstärkste politische Kraft hervor. In einem an die
EU-Parlamentsgruppe der »Vereinigten Europäischen Linken« (GUE/NGL)
gerichteten Schreiben warnte die KSCM nun vor dem Erstarken autoritärer
Tendenzen in Tschechien. Die Versuche, die KSCM zu verbieten, seien nur
der erste Schritt, um eine »Vertiefung der Demokratie in Europa« zu
verhindern. Der jüngste Angriff gegen die tschechische KP sei somit eine
Attacke gegen linke Parteien insgesamt. Deswegen rufe die KSCM die
Abgeordneten der GUE/NGL zu Solidarität und Unterstützung auf.
Die
tschechischen Kommunisten, die einer Sozialdemokratisierung bislang
erfolgreich widerstanden haben, befinden sich seit Monaten unter medialem
und staatlichem Dauerbeschuß. Während des Wahlkampfs hatten die
Massenmedien eine wütende Hetzkampagne gestartet, die letztlich ihre
Wirkung nicht verfehlte: Der KSCM-Stimmanteil sank von 18 auf 13 Prozent.
Gegen Vojtech Filip, den Vorsitzenden der KSCM, wurden in der Presse Vorwürfe
erhoben, er habe mit den Sicherheitsorganen der CSSR zusammengearbeitet.
Unterdessen
ist dem Kommunistischen Jugendverband ein wichtiger erster Erfolg gegen
die Repression gelungen. Seit einigen Tagen ist die Homepage des KSM (www.ksm.cz)
wieder online, nachdem sie seit dem Verbot mit einer kurzen Unterbrechung
abgeschaltet war. Die tschechischen JungkommunistInnen haben die Zeit
offenbar genutzt, denn jetzt bietet die Seite auch Informationen in
englischer Sprache, so die Dokumente eines trotz des Verbots in Prag
abgehaltenen europaweiten Treffens kommunistischer Jugendverbände.
In
Deutschland und anderen europäischen Ländern reissen derweil die
Proteste gegen das Verbot des KSM nicht ab. So ist für den Samstag
kommender Woche, 18. November, ab 12 Uhr eine Demonstration gegen das
KSM-Verbot angesetzt, zu der u.a. die SDAJ Nürnberg/Fürth aufruft. Der
Demonstrationszug startet am K4, Königstrasse.
Quellen:
junge
Welt, KSM,
gegen-ksm-verbot.de,
RedGlobe
|