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Vom
Abstrakten zum Konkreten
Entnommen
aus Kommunistische
Initiative vom 04.06.2008
Vor 150 Jahren: In seinem Manuskript »Grundrisse der politischen Ökonomie«
legt Karl Marx seine wissenschaftliche Methode dar
Wenn
wir ein gegebnes Land politisch-ökonomisch betrachten, so beginnen wir
mit seiner Bevölkerung, ihrer Verteilung in Klassen, Stadt, Land, See,
den verschiednen Produktionszweigen, Aus- und Einfuhr, jährlicher
Produktion und Konsumtion, Warenpreisen etc.Es scheint das richtige zu
sein, mit dem Realen und Konkreten, der wirklichen Voraussetzung zu
beginnen, also z.B. in der Ökonomie mit der Bevölkerung, die die
Grundlage und das Subjekt des ganzen gesellschaftlichen Produktionsakts
ist. Indes zeigt sich dies bei näherer Betrachtung als falsch. Die Bevölkerung
ist eine Abstraktion, wenn ich z.B. die Klassen, aus denen sie besteht,
weglasse. Diese Klassen sind wieder ein leeres Wort, wenn ich die
Elemente nicht kenne, auf denen sie beruhn. Z.B. Lohnarbeit, Kapital
etc.
Diese unterstellen Austausch, Teilung der Arbeit, Preise etc. Kapital z.
B. ohne Lohnarbeit ist nichts, ohne Wert, Geld, Preis etc. Finge ich
also mit der Bevölkerung an, so wäre das eine chaotische Vorstellung
des Ganzen, und durch nähere Bestimmung würde ich analytisch immer
mehr auf einfachere Begriffe kommen; von dem vorgestellten Konkreten auf
immer dünnere Abstrakta, bis ich bei den einfachsten Bestimmungen
angelangt wäre. Von da wäre nun die Reise wieder rückwärts
anzutreten, bis ich endlich wieder bei der Bevölkerung anlangte,
diesmal aber nicht als bei einer chaotischen Vorstellung eines Ganzen,
sondern als einer reichen Totalität von vielen Bestimmungen und
Beziehungen.
Geistige
Reproduktion
Der
erste Weg ist der, den die Ökonomie in ihrer Entstehung geschichtlich
genommen hat. Die Ökonomen des 17. Jahrhunderts z. B. fangen immer mit
dem lebendigen Ganzen, der Bevölkerung, der Nation, Staat, mehreren
Staaten etc., an; sie enden aber immer damit, daß sie durch Analyse
einige bestimmende abstrakte, allgemeine Beziehungen, wie Teilung der
Arbeit, Geld, Wert etc., herausfinden. Sobald diese einzelnen Momente
mehr oder weniger fixiert und abstrahiert waren, begannen die ökonomischen
Systeme, die von dem Einfachen, wie Arbeit, Teilung der Arbeit, Bedürfnis,
Tauschwert, aufstiegen bis zum Staat, Austausch der Nationen und
Weltmarkt. Das letztre ist offenbar die wissenschaftlich richtige
Methode. Das Konkrete ist konkret, weil es die Zusammenfassung vieler
Bestimmungen ist, also Einheit des Mannigfaltigen. Im Denken erscheint
es daher als Prozeß der Zusammenfassung, als Resultat, nicht als
Ausgangspunkt, obgleich es der wirkliche Ausgangspunkt und daher auch
der Ausgangspunkt der Anschauung und der Vorstellung ist. Im ersten Weg
wurde die volle Vorstellung zu abstrakter Bestimmung verflüchtigt; im
zweiten führen die abstrakten Bestimmungen zur Reproduktion des
Konkreten im Weg des Denkens. Hegel geriet daher auf die Illusion, das
Reale als Resultat des sich in sich zusammenfassenden, in sich
vertiefenden und aus sich selbst sich bewegenden Denkens zu fassen, während
die Methode, vom Abstrakten zum Konkreten aufzusteigen, nur die Art für
das Denken ist, sich das Konkrete anzueignen, es als ein geistig
Konkretes zu reproduzieren. Keineswegs aber der Entstehungsprozeß des
Konkreten selbst. (...) Das Ganze, wie es im Kopfe als Gedankenganzes
erscheint, ist ein Produkt des denkenden Kopfes, der sich die Welt in
der ihm einzig möglichen Weise aneignet, einer Weise, die verschieden
ist von der künstlerisch-, religiös-, praktisch-geistigen Aneignung
dieser Welt. Das reale Subjekt bleibt nach wie vor außerhalb des Kopfes
in seiner Selbständigkeit bestehn; solange sich der Kopf nämlich nur
spekulativ verhält, nur theoretisch. Auch bei der theoretischen Methode
daher muß das Subjekt, die Gesellschaft, als Voraussetzung stets der
Vorstellung vorschweben.
Auszug
aus: Karl Marx: Ökonomische Manuskripte 1857/1858. In: Karl
Marx/Friedrich Engels: Werke Band 42, Berlin 1983, Seite 34 - 36 |