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ZUR
STRATEGIE UND TAKTIK DER KPD IN DER WEIMARER
REPUBLIK ZUR ÜBERWINDUNG DER SPALTUNG DER ARBEITERBEWEGUNG
von
Kurt Gossweiler
(auf
K-online am 13. Juli 2009)
(...)
1.
Die Spaltung der
Arbeiterbewegung war das Ergebnis des Verrates der Sozialdemokratie an
den Interessen der Arbeiterklasse im ersten Weltkrieg. Die
Kommunistischen Parteien wurden gegründet als Parteien des Kampfes um
die Wiederherstellung der Einheit der Arbeiterbewegung auf der Grundlage
des unverfälschten revolutionären Marxismus.„Die Parolen und die
Grundsätze der kommunistischen Parteienbilden den einzigen Boden, auf
dem die Arbeiterklasse sich wieder vereinigen kann. 1)
2.
Die Kommunistische Partei
Deutschlands war die einzige, die nicht nur davon sprach, die Einheit
der Arbeiterbewegung zu wollen, sondern deren ganzes Streben und hartnäckiges
Ringen in allen Jahren der Weimarer Republik auf die Erreichung dieses
Zieles gerichtet war.
3.
Der Kampf um die Überwindung
der Spaltung der Arbeiterbewegung war und ist gleichbedeutend mit dem
Kampf um die Überwindung des Einflusses der rechtssozialistischen Führung
in der Arbeiterbewegung und mit der Erziehung der Arbeiterklasse dazu,
den Kampf um ihre Tagesinteressen stets mit dem Kampf um ihre
grundlegenden Klasseninteressen zu verbinden.
4.
Die erfolgreiche Lösung dieser
Aufgabe hängt von zwei Voraussetzungen ab: Erstens von den objektiven
Bedingungen, die allen Arbeitern ihren unüberbrückbaren Gegensatz zur
kapitalistischen Ausbeuterordnung und die Unmöglichkeit, sie auf dem
Wege des Reformismus zu überwinden, einbläuen. Diese objektiven
Bedingungen sind in Deutschland – trotz einiger entgegen wirkender
Momente – mit dem Beginn der allgemeinen Krise des Kapitalismus in
starkem Maße gegeben (Weltkrieg, Inflation, Weltwirtschaftskrise).
Zweitens von der richtigen Strategie und Taktik des Kampfes der
Kommunistischen Partei um die Überwindung der Spaltung, um die Einheit
der Arbeiterbewegung.
5.
Die Geschichte der KPD und überhaupt
der III. Internationale
ist ganz wesentlich die Geschichte der Ausarbeitung der
marxistisch-leninistischen Strategie und Taktik des Kampfes um die
Einheit der Arbeiterbewegung und der Bemühungen um ihre richtige
Anwendung entsprechend den jeweils gegebenen Bedingungen.
6.
Diese Strategie und Taktik ist
in ihren wesentlichen Grundzügen von Lenin ausgearbeitet worden. Es ist
der Kommunistischen Internationale und ihren Sektionen nach Lenins Tod
jedoch nicht immer gelungen, diese Leninsche Strategie und Taktik auf
neue Situationen, insbesondere in der Periode der Weltwirtschaftskrise,
richtig anzuwenden infolge linkssektiererischer Fehler. Dadurch konnten
die objektiv gegebenen Möglichkeiten zur Überwindung der Spaltung
nicht maximal ausgenutzt werden.
7.
Besonders verhängnisvoll waren
die Auswirkungen der Abweichungen von der Leninschen Strategie und
Taktik für den Kampf der KPD um die Herstellung der Einheitsfront gegen
den Faschismus.
8.
Nach der bitteren Lehre des
Sieges des Faschismus in Deutschland begann in der III. Internationale
und den kommunistischen Parteien der Prozess einer intensiven,
selbstkritischen theoretischen und praktischen Überprüfung der
Strategie und Taktik ihres Kampfes in der zurückliegenden Periode und
eine Rückkehr zur richtigen Anwendung der Leninschen Prinzipien
(Einheits- und Volksfrontbewegung in Frankreich,
Versuch
einer kurzen Darstellung der allgemeinen Leitsätze des Leninismus für
die richtige Strategie und Taktik des Kampfes um die Überwindung der
Spaltung der Arbeiterbewegung:
1.
Die Möglichkeit der Überwindung
der Spaltung liegt in der Gleichartigkeit der Grundinteressen aller
Schichten der Arbeiterklasse.
2.
Die Notwendigkeit der Überwindung
der Internationale ist ganz wesentlich die Geschichte Spaltung liegt
darin begründet, dass sie die Voraussetzung für die Befreiung der
Arbeiterklasse, für den Sieg über den Imperialismus und damit für die
Rettung der Arbeiterklasse und der gesamten Menschheit vor dem Untergang
in die Barbarei ist.
3.
Der Weg zur Überwindung der
Spaltung führt über den gemeinsamen Kampf, die gemeinsame Aktion für
die gemeinsamen Interessen, angefangen bei den kleinsten
Tagesinteressen. Nur in der gemeinsamen Aktion können Misstrauen und
Feindseligkeit überwunden werden und das Bewusstsein der Zusammengehörigkeit
wachsen.
4.
Der Kern des Problems der
Herstellung der Einheit, die strategische Zielsetzung dieses Kampfes ist
die Überwindung des Einflusses der Spalter der Arbeiterbewegung, der
rechtssozialistischen Führer auf die Arbeitermassen; ist die Formierung
der Mehrheit der Arbeiterklasse und vor allem ihrer entscheidenden
Schichten unter dem Banner des Kommunismus. „Der Sieg des
revolutionären Proletariats ist unmöglich ... ohne Entlarvung,
Brandmarkung und Vertreibung der opportunistischen, sozialverräterischen
Führer. Das ist denn auch die von der III. Internationale
eingeschlagene Politik.“ 2)
5.
Der Kampf gegen die rechten Führer,
ihre Entlarvung, darf niemals Selbstzweck werden. „Den Kampf gegen die
opportunistischen und sozialchauvinistischen Führer führen wir, um die
Arbeiterklasse für uns zu gewinnen.“ 3)
6.
Die Taktik des Kampfes um die Überwindung
der Spaltung der Arbeiterbewegung muss deshalb darauf gerichtet sein:
a)
mit aller Kraft die Einheit der praktischen Aktion der Arbeiter zu
erreichen; in der Arbeiterklasse das Bewusstsein der Zusammengehörigkeit,
der Interessengemeinsamkeit, der Notwendigkeit der Kampfgemeinschaft
gegen das Kapital zu stärken; sie dazu zu erziehen und selbst dafür
das Beispiel zu geben, dass im Interesse des Kampfes gegen den
gemeinsamen Feind das Trennende hintanzustellen ist.
b)
den Arbeitern zu ermöglichen, sich durch ihre eigene Erfahrung davon zu
überzeugen, dass nur die Kommunisten Vorkämpfer der Arbeitereinheit,
die rechten sozialdemokratischen und Gewerkschaftsführer aber
verantwortlich für die Spaltung und deren Aufrechterhaltung sind. Dabei
liegt die Betonung auf der eigenen Erfahrung der Massen. Das erfordert
eine solche elastische Taktik, dass es auch den raffiniertesten Manövern
der rechten Führer nicht gelingt, die Kommunisten in den Augen der
Massen als Gegner der Arbeitereinheit hinzustellen;
c)
niemals bei den nichtkommunistischen Arbeitern einen Zweifel darüber
aufkommen lassen, dass die Kommunisten ihren Hauptfeind als Hauptfeind
aller Arbeiter und aller Werktätigen im Imperialismus erblicken und
dass ihre ge-samte Politik auf den Sieg über diesen Feind gerichtet
ist. Das erfordert eine solche Haltung gegenüber den rechten Führern,
dass jeder sozialdemokratische Arbeiter begreift, dass unsere Kritik an
ihnen im Interesse des erfolgreichen Kampfes gegen den gemeinsamen Feind
notwendig ist und nicht etwa parteiegoistischen Bestrebungen entspringt;
d)
zu allen Bündnissen und Abkommen mit nichtkommunistischen Parteien und
Organisationen bereit zu sein, hinter denen proletarische Massen stehen,
sofern ein solches Bündnis zu gemeinsamen Aktionen der Arbeiterklasse führt
und die Positionen des Imperialismus schwächt. Lenin: Man muss „Zugeständnisse
an die Elemente machen, die sich dem Proletariat zuwenden. Und zwar
dann, wenn diese sich dem Proletariat zuwenden und insoweit, wie diese
sich dem Proletariat zuwenden, – gleichzeitig aber muss man den Kampf
gegen diejenigen führen, die zur Bourgeoisie abschwenken“. 4)
7.
Von zentraler Bedeutung für den
erfolgreichen Kampf der kommunistischen Parteien um die Überwindung der
Spaltung der Arbeiterbewegung war und ist ihre taktische Einstellung zu
den reaktionären Gewerkschaften, besonders zu den von Reformisten
beherrschten. Auf der Gewerkschaftsebene entbrennt der Kampf um die
Eroberung der Mehrheit der Arbeiterklasse am heftigsten, denn in der
Beherrschung der Gewerkschaften liegt die hauptsächliche Quelle der
Macht und des Einflusses der rechtssozialistischen Führer in der
Arbeiterbewegung, die Eroberung der Gewerkschaften durch die Kommunisten
ist der wichtigste Schritt auf dem Weg zur Überwindung der Spaltung der
Arbeiterbewegung. 5)
1)
Thesen des III. Weltkongresses der K.I. über die Taktik, Abschnitt 4
2)
W. I. Lenin, Der „linke Radikalismus“, die Kinderkrankheit im
Kommunismus, Werke, Bd. 31, Abschnitt V, S. 27
3)
W. I. Lenin, ebenda, S. 37
4)
W. I. Lenin, ebenda, Abschnitt VIII, S. 61
5)
J. W. Stalin, Werke, Bd. 7, S. 90/91
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