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Zivilisierte
Ausbeutung
Die
Manufaktur war historischer Fortschritt und zugleich ein Mittel »raffinierter
Exploitation«
Von
Karl Marx
Die
manufakturmäßige Teilung der Arbeit schafft durch Analyse der
handwerksmäßigen Tätigkeit, Spezifizierung der Arbeitsinstrumente,
Bildung der Teilarbeiter, ihre Gruppierung und Kombination in einem
Gesamtmechanismus, die qualitative Gliederung und quantitative
Proportionalität gesellschaftlicher Produktionsprozesse, also eine
bestimmte Organisation gesellschaftlicher Arbeit und entwickelt damit
zugleich neue, gesellschaftliche Produktivkraft der Arbeit. Als
spezifisch kapitalistische Form des gesellschaftlichen
Produktionsprozesses – und auf den vorgefundnen Grundlagen konnte sie
sich nicht anders als in der kapitalistischen Form entwickeln – ist
sie nur eine besondre Methode, relativen Mehrwert zu erzeugen oder die
Selbstverwertung des Kapitals – was man gesellschaftlichen Reichtum,
»Wealth of Nations« usw. nennt – auf Kosten der Arbeiter zu erhöhn.
Sie entwickelt die gesellschaftliche Produktivkraft der Arbeit nicht nur
für den Kapitalisten, statt für den Arbeiter, sondern durch die Verkrüpplung
des individuellen Arbeiters. Sie produziert neue Bedingungen der
Herrschaft des Kapitals über die Arbeit. Wenn sie daher einerseits als
historischer Fortschritt und notwendiges Entwicklungsmoment im ökonomischen
Bildungsprozeß der Gesellschaft erscheint, so andrerseits als ein
Mittel zivilisierter und raffinierter Exploitation.
Politische
Ökonomie
Die
politische Ökonomie, die als eigne Wissenschaft erst in der
Manufakturperiode aufkommt, betrachtet die gesellschaftliche Teilung der
Arbeit überhaupt nur vom Standpunkt der manufakturmäßigen Teilung der
Arbeit, als Mittel, mit demselben Quantum Arbeit mehr Ware zu
produzieren, daher die Waren zu verwohlfeilern und die Akkumulation des
Kapitals zu beschleunigen. Im strengsten Gegensatz zu dieser
Akzentuierung der Quantität und des Tauschwerts halten sich die
Schriftsteller des klassischen Altertums ausschließlich an Qualität
und Gebrauchswert. Infolge der Scheidung der gesellschaftlichen
Produktionszweige werden die Waren besser gemacht, die verschiednen
Triebe und Talente der Menschen wählen sich entsprechende Wirkungssphären,
und ohne Beschränkung ist nirgendwo Bedeutendes zu leisten. Also
Produkt und Produzent werden verbessert durch die Teilung der Arbeit.
Wird gelegentlich auch das Wachstum der Produktenmasse erwähnt, so nur
mit Bezug auf die größre Fülle des Gebrauchswerts. Es wird mit keiner
Silbe des Tauschwerts, der Verwohlfeilerung der Waren gedacht. Dieser
Standpunkt des Gebrauchswerts herrscht sowohl bei Plato, der die Teilung
der Arbeit als Grundlage der gesellschaftlichen Scheidung der Stände
behandelt, als bei Xenophon, der mit seinem charakteristisch bürgerlichen
Instinkt schon der Teilung der Arbeit innerhalb einer Werkstatt näher rückt.
Platos Republik, soweit in ihr die Teilung der Arbeit als das
gestaltende Prinzip des Staats entwickelt wird, ist nur atheniensische
Idealisierung des ägyptischen Kastenwesens, wie Ägypten als
industrielles Musterland auch andren seiner Zeitgenossen gilt, z. B. dem
Isokrates, und diese Bedeutung selbst noch für die Griechen der römischen
Kaiserzeit behielt. (...)
Eigener
Widerspruch
Zugleich
konnte die Manufaktur die gesellschaftliche Produktion weder in ihrem
ganzen Umfang ergreifen noch in ihrer Tiefe umwälzen. Sie gipfelte als
ökonomisches Kunstwerk auf der breiten Grundlage des städtischen
Handwerks und der ländlich häuslichen Industrie. Ihre eigne enge
technische Basis trat auf einem gewissen Entwicklungsgrad mit den von
ihr selbst geschaffnen Produktionsbedürfnissen in Widerspruch.
Eins
ihrer vollendetsten Gebilde war die Werkstatt zur Produktion der
Arbeitsinstrumente selbst, und namentlich auch der bereits angewandten
komplizierteren mechanischen Apparate. (...)
Dies
Produkt der manufakturmäßigen Teilung der Arbeit produzierte
seinerseits – Maschinen. Sie heben die handwerksmäßige Tätigkeit
als das regelnde Prinzip der gesellschaftlichen Produktion auf. So wird
einerseits der technische Grund der lebenslangen Annexation des
Arbeiters an eine Teilfunktion weggeräumt. Andrerseits fallen die
Schranken, welche dasselbe Prinzip der Herrschaft des Kapitals noch
auferlegt.
Auszug
aus: Karl Marx: Das Kapital. Kritik der Politischen Ökonomie. In: Karl
Marx/Friedrich Engels: Werke Band 23, Berlin 1972, Seite 385–390
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