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Karl
Marx: Das Kapital, Band I, Dritter Abschnitt
Konstantes
Kapital und variables Kapital

Karl
Marx - Friedrich Engels - Werke, Band 23, „Das Kapital“, Bd. I,
Dritter Abschnitt, S. 214 - 225
Dietz Verlag, Berlin/DDR 1968
Konstantes
Kapital und variables Kapital
<214>
Die verschiednen Faktoren des Arbeitsprozesses nehmen verschiednen Anteil
an der Bildung des Produkten-Werts.
Der
Arbeiter setzt dem Arbeitsgegenstand neuen Wert zu durch Zusatz eines
bestimmten Quantums von Arbeit, abgesehn vom bestimmten Inhalt, Zweck und
technischen Charakter seiner Arbeit. Andrerseits finden wir die Werte der
verzehrten Produktionsmittel wieder als Bestandteile des Produkten- Werts,
z.B. die Werte von Baumwolle und Spindel im Garnwert. Der Wert der
Produktionsmittel wird also erhalten durch seine Übertragung auf das
Produkt. Dies Übertragen geschieht während der Verwandlung der
Produktionsmittel in Produkt, im Arbeitsprozeß. Es ist vermittelt durch
die Arbeit. Aber wie?
Der
Arbeiter arbeitet nicht doppelt in derselben Zeit, nicht einmal, um der
Baumwolle durch seine Arbeit einen Wert zuzusetzten, und das andremal, um
ihren alten Wert zu erhalten, oder, was dasselbe, um den Wert der
Baumwolle, die er verarbeitet, und der Spindel, womit er arbeitet, auf das
Produkt, das Garn, zu übertragen. Sondern durch bloßes Zusetzen von
neuem Wert erhält er den alten Wert. Da aber der Zusatz von neuem Wert
zum Arbeitsgegenstand und die Erhaltung der alten Werte im Produkt zwei
ganz verschiedne Resultate sind, die der Arbeiter in derselben Zeit
hervorbringt, obgleich er nur einmal in derselben Zeit arbeitet, kann
diese Doppelseitigkeit des Resultats offenbar nur aus der Doppelseitigkeit
seiner Arbeit selbst erklärt werden. In demselben Zeitpunkt muß sie in
einer Eigenschaft Wert schaffen und in einer andren Eigenschaft Wert
erhalten oder übertragen.
Wie
setzt jeder Arbeiter Arbeitszeit und daher Wert zu? Immer nur in der Form
seiner eigentümlich produktiven Arbeitsweise. Der Spinner setzt nur
Arbeitszeit zu, indem er spinnt, der Weber, indem er webt, der Schmied,
indem er schmiedet. Durch die zweckbestimmte Form aber, <215>
worin sie Arbeit überhaupt zusetzen und daher Neuwert, durch das Spinnen,
Weben, Schmieden werden die Produktionsmittel, Baumwolle und Spindel, Garn
und Webstuhl, Eisen und Amboß, zu Bildungselementen eines Produkts, eines
neuen Gebrauchswerts.(20) Die alte Form
ihres Gebrauchswert vergeht, aber nur um in einer neuen Form von
Gebrauchswert aufzugehn. Bei Betrachtung des Wertbildungsprozesses ergab
sich aber, daß, soweit ein Gebrauchswert zweckgemäß vernutzt wird zur
Produktion eines neuen Gebrauchswerts, die zur Herstellung des vernutzten
Gebrauchswerts notwendige Arbeitszeit einen Teil der zur Herstellung des
neuen Gebrauchswerts notwendigen Arbeitszeit bildet, also Arbeitszeit ist,
die vom vernutzten Produktionsmittel auf das neue Produkt übertragen
wird. Der Arbeiter erhält also die Werte der vernutzten Produktionsmittel
oder überträgt sie als Wertbestandteile auf das Produkt, nicht durch
sein Zusetzen von Arbeit überhaupt, sondern durch den besondren nützlichen
Charakter, durch die spezifisch produktive Form dieser zusätzlichen
Arbeit. Als solche zweckgemäße produktive Tätigkeit, Spinnen, Weben,
Schmieden, erweckt die Arbeit durch ihren bloßen Kontakt die
Produktionsmittel von den Toten, begeistet sie zu Faktoren des
Arbeitsprozesses und verbindet sich mit ihnen zu Produkten.
Wäre
die spezifische produktive Arbeit des Arbeiters nicht Spinnen, so würde
er die Baumwolle nicht in Garn verwandeln, also auch die Werte von
Baumwolle und Spindel nicht auf das Garn übertragen. Wechselt dagegen
derselbe Arbeiter das Metier und wird Tischler, so wird er nach wie vor
durch einen Arbeitstag seinem Material Wert zusetzen. Er setzt ihn also zu
durch seine Arbeit, nicht soweit sie Spinnarbeit oder Tischlerarbeit,
sondern soweit sie abstrakte, gesellschaftliche Arbeit überhaupt, und er
setzt eine bestimmte Wertgröße zu, nicht weil seine Arbeit einen
besondren nützlichen Inhalt hat, sondern weil sie eine bestimmte Zeit
dauert. In ihrer abstrakten, allgemeinen Eigenschaft also, als
Verausgabung menschlicher Arbeitskraft, setzt die Arbeit des Spinners den
Werten von Baumwolle und Spindel Neuwert zu, und in ihrer konkreten,
besondren, nützlichen Eigenschaft als Spinnprozeß, überträgt sie den
Wert dieser Produktionsmittel auf das Produkt und erhält so ihren Wert im
Produkt. Daher die Doppelseitigkeit ihres Resultats in demselben
Zeitpunkt.
Durch
das bloß quantitative Zusetzen von Arbeit wird neuer Wert zugesetzt,
durch die Qualität der zugesetzten Arbeit werden die alten Werte <216>
der Produktionsmittel im Produkt erhalten. Diese doppelseitige Wirkung
derselben Arbeit infolge ihres doppelseitigen Charakters zeigt sich
handgreiflich an verschiednen Erscheinungen.
Nimm
an, irgendeine Erfindung befähige den Spinner, in 6 Stunden so viel
Baumwolle zu verspinnen wie früher in 36 Stunden. Als zweckmäßig nützliche,
produktive Tätigkeit hat seine Arbeit ihre Kraft versechsfacht. Ihr
Produkt ist ein sechsfaches, 36 statt 6 Pfund Garn. Aber die 36 Pfund
Baumwolle saugen jetzt nur so viel Arbeitszeit ein als früher 6 Pfund.
Sechsmal weniger neue Arbeit wird ihnen zugesetzt als mit der alten
Methode, daher nur noch ein Sechstel des früheren Werts. Andrerseits
existiert jetzt der sechsfache Wert von Baumwolle im Produkt, den 36 Pfund
Garn. In den 6 Spinnstunden wird ein sechsmal größerer Wert von
Rohmaterial erhalten und auf das Produkt übertragen, obgleich demselben
Rohmaterial ein sechsmal kleinerer Neuwert zugesetzt wird. Dies zeigt, wie
die Eigenschaft, worin die Arbeit während desselben unteilbaren Prozesses
Werte erhält, wesentlich unterschieden ist von der Eigenschaft, worin sie
Wert schafft. Je mehr notwendige Arbeitszeit während der Spinnoperation
auf dasselbe Quantum Baumwolle geht, desto größer der Neuwert, der der
Baumwolle zugesetzt wird, aber je mehr Pfunde Baumwolle in derselben
Arbeitszeit versponnen werden, desto größer der alte Wert, der im
Produkt erhalten wird.
Nimm
umgekehrt an, die Produktivität der Spinnarbeit bleibe unverändert, der
Spinner brauche also nach wie vor gleich viel Zeit, um ein Pfund Baumwolle
in Garn zu verwandeln. Aber der Tauschwert der Baumwolle selbst wechsle,
ein Pfund Baumwolle steige oder falle um das Sechsfache seines Preises. In
beiden Fällen fährt der Spinner fort, demselben Quantum Baumwolle
dieselbe Arbeitszeit zuzusetzen, also denselben Wert, und in beiden Fällen
produziert er in gleicher Zeit gleich viel Garn. Dennoch ist der Wert, den
er von der Baumwolle auf das Garn, das Produkt, überträgt, das eine Mal
sechsmal kleiner, das andre Mal sechsmal größer als zuvor. Ebenso wenn
die Arbeitsmittel sich verteuern oder verwohlfeilern, aber stets denselben
Dienst im Arbeitsprozeß leisten.
Bleiben
die technischen Bedingungen des Spinnprozesses unverändert und geht
gleichfalls kein Wertwechsel mit seinen Produktionsmitteln vor, so
verbraucht der Spinner nach wie vor in gleichen Arbeitszeiten gleiche
Quanta Rohmaterial und Maschinerie von gleichbleibenden Werten. Der Wert,
den er im Produkt erhält, steht dann in direktem Verhältnis zu dem
Neuwert, den er zusetzt. In zwei Wochen setzt er zweimal mehr Arbeit zu
als in einer Woche, also zweimal mehr Wert, und zugleich vernutzt er <217>
zweimal mehr Material von zweimal mehr Wert, und verschleißt zweimal mehr
Maschinerie von zweimal mehr Wert, erhält also im Produkt von zwei Wochen
zweimal mehr Wert als im Produkt einer Woche. Unter gegebnen
gleichbleibenden Produktionsbedingungen erhält der Arbeiter um so mehr
Wert, je mehr Wert er zusetzt, aber er erhält nicht mehr Wert, weil er
mehr Wert zusetzt, sondern weil er ihn unter gleichbleibenden und von
seiner eignen Arbeit unabhängigen Bedingungen zusetzt.
Allerdings
kann in einem relativen Sinn gesagt werden, daß der Arbeiter stets in
derselben Proportion alte Werte erhält, worin er Neuwert zusetzt. Ob die
Baumwolle von 1 sh. auf 2 sh. steige oder auf 6 d. falle, er erhält in
dem Produkt einer Stunde stets nur halb soviel Baumwollwert, wie der auch
wechsle, als in dem Produkt von zwei Stunden. Wechselt ferner die
Produktivität seiner eignen Arbeit, sie steige oder falle, so wird er
z.B. in einer Arbeitsstunde mehr oder weniger Baumwolle verspinnen als früher,
und dementsprechend mehr oder weniger Baumwollwert im Produkt einer
Arbeitsstunde erhalten. Mit alledem wird er in zwei Arbeitsstunden zweimal
mehr Wert erhalten als in einer Arbeitsstunde.
Wert,
von seiner nur symbolischen Darstellung im Wertzeichen abgesehn, existiert
nur in einem Gebrauchswert, einem Ding. (Der Mensch selbst, als bloßes
Dasein von Arbeitskraft betrachtet, ist ein Naturgegenstand, ein Ding,
wenn auch lebendiges, selbstbewußtes Ding, und die Arbeit selbst ist
dingliche Äußerung jener Kraft.) Geht daher der Gebrauchswert verloren,
so geht auch der Wert verloren. Die Produktionsmittel verlieren mit ihrem
Gebrauchswert nicht zugleich ihren Wert, weil sie durch den Arbeitsprozeß
die ursprüngliche Gestalt ihres Gebrauchswerts in der Tat nur verlieren,
um im Produkt die Gestalt eines andren Gebrauchswerts zu gewinnen. So
wichtig es aber für den Wert ist, in irgendeinem Gebrauchswert zu
existieren, so gleichgültig ist es, in welchem er existiert, wie die
Metamorphose der Waren zeigt. Es folgt hieraus, daß im Arbeitsprozeß
Wert vom Produktionsmittel auf das Produkt nur übergeht, soweit das
Produktionsmittel mit seinem selbständigen Gebrauchswert auch seinen
Tauschwert verliert. Es gibt nur den Wert an das Produkt ab, den es als
Produktionsmittel verliert. Die gegenständlichen Faktoren des
Arbeitsprozesses verhalten sich aber in dieser Hinsicht verschieden.
Die
Kohle, womit die Maschine geheizt wird, verschwindet spurlos, ebenso das
Öl, womit man die Achse des Rades schmiert usw. Farbe und andre
Hilfsstoffe verschwinden, zeigen sich aber in den Eigenschaften des
Produkts. Das Rohmaterial bildet die Substanz des Produkts, hat aber seine
Form verändert. Rohmaterial und Hilfsstoffe verlieren also die selbständige
<218> Gestalt, womit sie in den
Arbeitsprozeß als Gebrauchswerte eintraten. Anders mit den eigentlichen
Arbeitsmitteln. Ein Instrument, eine Maschine, ein Fabrikgebäude, ein Gefäß
usw. dienen im Arbeitsprozeß nur, solange sie ihre ursprüngliche Gestalt
bewahren und morgen wieder in ebenderselben Form in den Arbeitsprozeß
eingehn wie gestern. Wie sie während ihres Lebens, des Arbeitsprozesses,
ihre selbständige Gestalt dem Produkt gegenüber bewahren, so auch nach
ihrem Tode. Die Leichen von Maschinen, Werkzeugen, Arbeitsgebäuden usw.
existieren immer noch getrennt von den Produkten, die sie bilden halfen.
Betrachten wir nun die ganze Periode, während deren ein solches
Arbeitsmittel dient, von dem Tag seines Eintritts in die Werkstätte bis
zum Tage seiner Verbannung in die Rumpelkammer, so ist während dieser
Periode sein Gebrauchswert von der Arbeit vollständig verzehrt worden und
sein Tauschwert daher vollständig auf das Produkt übergegangen. Hat eine
Spinnmaschine z.B. in 10 Jahren ausgelebt, so ist während des zehnjährigen
Arbeitsprozesses ihr Gesamtwert auf das zehnjährige Produkt übergegangen.
Die Lebensperiode eines Arbeitsmittels umfängt also eine größere oder
kleinere Anzahl stets von neuem mit ihm wiederholter Arbeitsprozesse. Und
es geht dem Arbeitsmittel wie dem Menschen. Jeder Mensch stirbt täglich
um 24 Stunden ab. Man sieht aber keinem Menschen genau an, wieviel Tage er
bereits verstorben ist. Dies verhindert Lebensversicherungsgesellschaften
jedoch nicht, aus dem Durchschnittsleben der Menschen sehr sichre, und was
noch viel mehr ist, sehr profitliche Schlüsse zu ziehn. So mit dem
Arbeitsmittel. Man weiß aus der Erfahrung, wie lang ein Arbeitsmittel,
z.B. eine Maschine von gewisser Art, durchschnittlich vorhält. Gesetzt,
sein Gebrauchswert im Arbeitsprozeß daure nur 6 Tage. So verliert es im
Durchschnitt jeden Arbeitstag 1/6 seines Gebrauchswerts und
gibt daher 1/6 seines Werts an das tägliche Produkt ab. In
dieser Art wird der Verschleiß aller Arbeitsmittel berechnet, also z.B.
ihr täglicher Verlust an Gebrauchswert und ihr entsprechende tägliche
Wertabgabe an das Produkt.
Es
zeigt sich so schlagend, daß ein Produktionsmittel nie mehr Wert an das
Produkt abgibt, als es im Arbeitsprozeß durch Vernichtung seines eignen
Gebrauchswerts verliert. Hätte es keinen Wert zu verlieren, d.h. wäre es
nicht selbst Produkt menschlicher Arbeit, so würde es keinen Wert an das
Produkt abgeben. Es diente als Bildner von Gebrauchswert, ohne als Bildner
von Tauschwert zu dienen. Dies ist daher der Fall mit allen
Produktionsmitteln, die von Natur, ohne menschliches Zutun, vorhanden
sind, mit Erde, Wind, Wasser, dem Eisen in der Erzader, dem Holze des
Urwaldes usw.
<219>
Ein andres interessantes Phänomen tritt uns hier entgegen. Eine Maschine
sei z.B. 1.000 Pfd.St. wert und schleiße sich in 1.000 Tagen ab. In
diesem Fall geht täglich 1/1.000 des Werts der Maschine von
ihr selbst auf ihr tägliches Produkt über. Zugleich, wenn auch mit
abnehmender Lebenskraft, wirkt stets die Gesamtmaschine im Arbeitsprozeß.
Es zeigt sich also, daß ein Faktor des Arbeitsprozesses, ein
Produktionsmittel, ganz in den Arbeitsprozeß, aber nur zum Teil in den
Verwertungsprozeß eingeht. Der Unterschied von Arbeitsprozeß und
Verwertungsprozeß reflektiert sich hier an ihren gegenständlichen
Faktoren, indem dasselbe Produktionsmittel als Element des
Arbeitsprozesses ganz und als Element der Wertbildung nur stückweis in
demselben Produktionsprozeß zählt.(21)
Andrerseits
kann umgekehrt ein Produktionsmittel ganz in den Verwertungsprozeß
eingehn, obgleich nur stückweis in den Arbeitsprozeß. Nimm an, beim
Verspinnen der Baumwolle fielen täglich auf 115 Pfund 15 Pfund ab, die
kein Garn, sondern nur devil's dust <Baumwollstaub> bilden. Dennoch,
<220> wenn dieser Abfall von 15 Pfund
normal, von der Durchschnittsverarbeitung der Baumwolle unzertrennlich
ist, geht der Wert der 15 Pfund Baumwolle, die kein Element des Garns,
ganz ebensosehr in den Garnwert ein, wie der Wert der 100 Pfund, die seine
Substanz bilden. Der Gebrauchswert von 15 Pfund Baumwolle muß verstauben,
um 100 Pfund Garn zu machen. Der Untergang dieser Baumwolle ist also eine
Produktionsbedingung des Garns. Ebendeswegen gibt sie ihren Wert an das
Garn ab. Dies gilt von allen Exkrementen des Arbeitsprozesses, in dem Grad
wenigstens, worin diese Exkremente nicht wieder neue Produktionsmittel und
daher neue selbständige Gebrauchswerte bilden. So sieht man in den großen
Maschinenfabriken zu Manchester Berge von Eisenabfällen, durch
zyklopische Maschinen gleich Hobelspänen abgeschält, am Abend auf großen
Wagen aus der Fabrik in die Eisengießerei wandern, um den andren Tag
wieder als massives Eisen aus der Eisengießerei in die Fabrik zurückzuwandern.
Nur
soweit Produktionsmittel während des Arbeitsprozesses Wert in der Gestalt
ihrer alten Gebrauchswerte verlieren, übertragen sie Wert auf die neue
Gestalt des Produkts. Das Maximum des Wertverlustes, den sie im
Arbeitsprozeß erleiden können, ist offenbar beschränkt durch die ursprüngliche
Wertgröße, womit sie in den Arbeitsprozeß eintreten, oder durch die zu
ihrer eignen Produktion erheischte Arbeitszeit;. Produktionsmittel können
dem Produkt daher nie mehr Wert zusetzen, als sie unabhängig vom
Arbeitsprozeß, dem sie dienen, besitzen. Wie nützlich auch ein
Arbeitsmaterial, eine Maschine, ein Produktionsmittel: wenn es 150 Pf.
St., sage 500 Arbeitstage, kostet, setzt es dem Gesamtprodukt, zu dessen
Bildung es dient, nie mehr als 150 Pfd.St. zu. Sein Wert ist bestimmt
nicht durch den Arbeitsprozeß, worin es als Produktionsmittel eingeht,
sondern durch den Arbeitsprozeß, woraus es als Produkt herauskommt. In
dem Arbeitsprozeß dient es nur als Gebrauchswert, als Ding mit nützlichen
Eigenschaften, und gäbe daher keinen Wert an das Produkt ab, hätte es
nicht Wert besessen vor seinem Eintritt in den Prozeß.(22)
<221>
Indem die produktive Arbeit Produktionsmittel in Bildungselemente eines
neuen Produkts verwandelt, geht mit deren Wert eine Seelenwandrung vor. Er
geht aus dem verzehrten Leib in den neu gestalteten Leib über. Aber diese
Seelenwandrung ereignet sich gleichsam hinter dem Rücken der wirklichen
Arbeit. Der Arbeiter kann neue Arbeit nicht zusetzen, also nicht neuen
Wert schaffen, ohne alte Werte zu erhalten, denn er muß die Arbeit immer
in bestimmter nützlicher Form zusetzen, und er kann sie nicht in nützlicher
Form zusetzen, ohne Produkte zu Produktionsmitteln eines neuen Produkts zu
machen und dadurch ihren Wert auf das neue Produkt zu übertragen. Es ist
also eine Naturgabe der sich betätigenden Arbeitskraft, der lebendigen
Arbeit, Wert zu erhalten, indem sie Wert zusetzt, eine Naturgabe, die dem
Arbeiter nichts kostet, aber dem Kapitalisten viel einbringt, die
Erhaltung des vorhandnen Kapitalwerts.(22a)
Solange das Geschäft flott geht, ist der Kapitalist zu sehr in die
Plusmacherei vertieft, um diese Gratisgabe der Arbeit zu sehn. Gewaltsame
Unterbrechungen des Arbeitsprozesses, Krisen, machen sie ihm empfindlich
bemerksam.(23)
<222>
Was überhaupt an den Produktionsmitteln verzehrt wird, ist ihr
Gebrauchswert, durch dessen Konsumtion die Arbeit Produkte bildet. Ihr
Wert wird in der Tat nicht konsumiert (24),
kann also auch nicht reproduziert werden. Er wird erhalten, aber nicht
weil eine Operation mit ihm selbst im Arbeitsprozeß vorgeht, sondern weil
der Gebrauchswert, worin er ursprünglich existiert, zwar verschwindet,
aber nur in einem andren Gebrauchswert verschwindet. Der Wert der
Produktionsmittel erscheint daher wieder im Wert des Produkts, aber er
wird, genau gesprochen, nicht reproduziert. Was produziert wird, ist der
neue Gebrauchswert, worin der alte Tauschwert wieder erscheint.(25)
<223>
Anders mit dem subjektiven Faktor des Arbeitsprozesses, der sich betätigenden
Arbeitskraft. Während die Arbeit durch ihre zweckmäßige Form den Wert
der Produktionsmittel auf das Produkt überträgt und erhält, bildet
jedes Moment ihrer Bewegung zusätzlichen Wert, Neuwert. Gesetzt, der
Produktionsprozeß breche ab beim Punkt, wo der Arbeiter ein Äquivalent für
den Wert seiner eignen Arbeitskraft produziert, durch sechsstündige
Arbeit z.B. einen Wert von 3 sh. zugesetzt hat. Dieser Wert bildet den Überschuß
des Produktenwerts über seine dem Wert der Produktionsmittel geschuldeten
Bestandteile. Er ist der einzige Originalwert, der innerhalb dieses
Prozesses entstand, der einzige Wertteil des Produkts, der durch den Prozeß
selbst produziert ist. Allerdings ersetzt er nur das vom Kapitalisten beim
Kauf der Arbeitskraft vorgeschoßne, vom Arbeiter selbst in Lebensmitteln
verausgabte Geld. Mit Bezug auf die verausgabten 3 sh. erscheint der
Neuwert von 3 sh. nur als Reproduktion. Aber er ist wirklich reproduziert,
nicht nur scheinbar, wie der Wert der Produktionsmittel. Der Ersatz eines
Werts durch den andren ist hier vermittelt durch neue Wertschöpfung.
Wir
wissen jedoch bereits, daß der Arbeitsprozeß über den Punkt hinaus
fortdauert, wo ein bloßes Äquivalent für den Wert der Arbeitskraft
reproduziert und dem Arbeitsgegenstand zugesetzt wäre. Statt der 6
Stunden, die hierzu genügen, währt der Prozeß z.B. 12 Stunden. Durch
die Betätigung der Arbeitskraft wird also nicht nur ihr eigner Wert
reproduziert, sondern ein überschüssiger Wert produziert. Dieser
Mehrwert bildet den Überschuß des Produktenwerts über den Wert der
verzehrten Produktbildner, d.h. der Produktionsmittel und der
Arbeitskraft.
Indem
wir die verschiednen Rollen dargestellt, welche die verschiednen Faktoren
des Arbeitsprozesses in der Bildung des Produktenwerts spielen, haben wir
in der Tat die Funktionen der verschiednen Bestandteile des Kapitals in
seinem eignen Verwertungsprozeß charakterisiert. Der Überschuß des
Gesamtwerts des Produkts über die Wertsumme seiner Bildungselemente ist
der Überschuß des verwerteten Kapitals über den ursprünglich vorgeschoßnen
Kapitalwert. Produktionsmittel auf der einen Seite, Arbeitskraft auf der
andren sind nur die verschiednen Existenzformen, die der ursprüngliche
Kapitalwert annahm bei Abstreifung seiner Geldform und seiner Verwandlung
in die Faktoren des Arbeitsprozesses.
Der
Teil des Kapitals also, der sich in Produktionsmittel, d.h. in
Rohmaterial, Hilfsstoffe und Arbeitsmittel umsetzt, verändert seine
Wertgröße nicht im Produktionsprozeß. Ich nenne ihn daher konstanten
Kapitalteil, oder kürzer: konstantes Kapital.
<224>
Der in Arbeitskraft umgesetzte Teil des Kapitals verändert dagegen seinen
Wert im Produktionsprozeß. Er reproduziert sein eignes Äquivalent und
einen Überschuß darüber, Mehrwert, der selbst wechseln, größer oder
kleiner sein kann. Aus einer konstanten Größe verwandelt sich dieser
Teil des Kapitals fortwährend in eine variable. Ich nenne ihn daher
variablen Kapitalteil, oder kürzer: variables Kapital. Dieselben
Kapitalbestandteile, die sich vom Standpunkt des Arbeitsprozesses als
objektive und subjektive Faktoren, als Produktionsmittel und Arbeitskraft
unterscheiden, unterscheiden sich vom Standpunkt des Verwertungsprozesses
als konstantes Kapital und variables Kapital.
Der
Begriff des konstanten Kapitals schließt eine Wertrevolution seiner
Bestandteile in keiner Weise aus. Nimm an, das Pfund Baumwolle koste heute
6 d. und steige morgen, infolge eines Ausfalls der Baumwollernte, auf 1 sh.
Die alte Baumwolle, die fortfährt, verarbeitet zu werden, ist zum Wert
von 6 d. gekauft, fügt aber jetzt dem Produkt einen Wertteil von 1 sh.
zu. Und die bereits versponnene, vielleicht schon als Garn auf dem Markt
zirkulierende Baumwolle fügt dem Produkt ebenfalls das Doppelte ihres
ursprünglichen Werts zu. Man sieht jedoch, daß diese Wertwechsel unabhängig
sind von der Verwertung der Baumwolle im Spinnprozeß selbst. Wäre die
alte Baumwolle noch gar nicht in den Arbeitsprozeß eingegangen, so könnte
sie jetzt zu 1 sh. statt zu 6 d. wieder verkauft werden. Umgekehrt: Je
weniger Arbeitsprozesse sie noch durchlaufen hat, desto sichrer ist dies
Resultat. Es ist daher Gesetz der Spekulation, bei solchen
Wertrevolutionen auf das Rohmaterial in seiner mindest verarbeiteten Form
zu spekulieren, also eher auf Garn als auf Gewebe und eher auf die
Baumwolle selbst als auf das Garn. Die Wertänderung entspringt hier in
dem Prozeß, der Baumwolle produziert, nicht in dem Prozeß, worin sie als
Produktionsmittel und daher als konstantes Kapital funktioniert. Der Wert
einer Ware ist zwar bestimmt durch das Quantum der in ihr enthaltnen
Arbeit, aber dies Quantum selbst ist gesellschaftlich bestimmt. Hat sich
die gesellschaftlich zu ihrer Produktion erheischte Arbeitszeit verändert
- und dasselbe Quantum Baumwolle z.B. stellt in ungünstigen Ernten größeres
Quantum Arbeit dar, als in günstigen - , so findet eine Rückwirkung auf
die alte Ware statt, die immer nur als einzelnes Exemplar ihrer Gattung
gilt (26), deren Wert stets durch
gesellschaftlich notwendige, also auch stets unter gegen- <225>
wärtigen gesellschaftlichen Bedingungen notwendige Arbeit gemessen wird.
Wie
der Wert des Rohmaterials, mag der Wert bereits im Produktionsprozeß
dienender Arbeitsmittel, der Maschinerie usw., wechseln, also auch der
Wertteil, den sie dem Produkt abgeben. Wird z.B. infolge einer neuen
Erfindung Maschinerie derselben Art mit verminderter Ausgabe von Arbeit
reproduziert, so entwertet die alte Maschinerie mehr oder minder und überträgt
daher auch verhältnismäßig weniger Wert auf das Produkt. Aber auch hier
entspringt der Wertwechsel außerhalb des Produktionsprozesses, worin die
Maschine als Produktionsmittel funktioniert. In diesem Prozeß gibt sie
nie mehr Wert ab, als sie unabhängig von diesem Prozeß besitzt.
Wie
ein Wechsel im Wert der Produktionsmittel, ob auch rückwirkend nach ihrem
bereits erfolgten Eintritt in den Prozeß, ihren Charakter als konstantes
Kapital nicht verändert, ebensowenig berührt ein Wechsel in der
Proportion zwischen konstantem und variablem Kapital ihren funktionellen
Unterschied. Die technischen Bedingungen des Arbeitsprozesses mögen z.B.
so umgestaltet werden, daß, wo früher 10 Arbeiter mit 10 Werkzeugen von
geringem Wert eine verhältnismäßig kleine Masse von Rohmaterial
verarbeiteten, jetzt 1 Arbeiter mit einer teuren Maschine das hundertfache
Rohmaterial verarbeitet. In diesem Fall wäre das konstante Kapital, d.h.
die Wertmasse der angewandten Produktionsmittel, sehr gewachsen und der
variable Teil des Kapitals, der in Arbeitskraft vorgeschoßne, sehr
gefallen. Dieser Wechsel ändert jedoch nur das Größenverhältnis
zwischen konstantem und variablem Kapital oder die Proportion, worin das
Gesamtkapital in konstante und variable Bestandteile zerfällt, berührt
dagegen nicht den Unterschied von konstant und variabel.
Fußnoten
(20)
„Arbeit ergibt eine neue Schöpfung an Stelle einer vernichteten.“ („An
Essay on the Polit. Econ. of Nations“,
London
1821, p. 13.) <=
(21)
Es handelt sich hier nicht um Reparaturen der Arbeitsmittel, Maschinen,
Baulichkeiten usw. Eine Maschine, die repariert wird, funktioniert nicht
als Arbeitsmittel sondern als Arbeitsmaterial. Es wird nicht mit ihr
gearbeitet, sondern sie selbst wird bearbeitet, um ihren Gebrauchswert zu
flicken. Solche Reparaturarbeiten kann man für unsren Zweck immer
eingeschlossen denken in die zur Produktion des Arbeitsmittels erheischte
Arbeit. Im Text handelt es sich um den Verschleiß, den kein Doktor
kurieren kann und der allmählich den Tod herbeiführt, um „jene Art der
Abnutzung, die nicht von Zeit zu Zeit ersetzt werden kann und die
beispielsweise ein Messer schließlich in einen solchen Zustand versetzt,
daß der Messerschmied sagt, es sei keine neue Klinge mehr wert“. Man
hat im Text gesehn, daß eine Maschine z.B. ganz in jeden einzelnen
Arbeitsprozeß, aber nur stückweis in den gleichzeitigen Verwertungsprozeß
eingeht. Danach zu beurteilen die folgende Begriffsverwechslung:
„Ricardo spricht von der beim Bau einer Strumpfwirkmaschine verausgabten
Arbeitsmenge eines Maschinenbauers“, als z.B. enthalten in dem Wert von
ein paar Strümpfen. „Jedoch die ganze Arbeit, die jedes einzelne Paar
Strümpfe hergestellt hat ... schließt die ganze Arbeit des
Maschinenbauers ein und nicht nur einen Teil; denn eine Maschine macht
zwar viele Paare, aber keines dieser Paare hätte unter Verzicht auf
irgendeinen Teil der Maschine angefertigt werden können.“ („Observations on certain verbal disputes in Pol. Econ., particularly
relating to Value, and to Demand and Supply“,
London
1821, p. 54.) Der Verfasser, ein ungemein selbstgefälliger „wiseacre“
<„Neunmalkluger“>, hat mit seiner Konfusion und daher mit seiner
Polemik nur so weit recht, als weder Ricardo noch irgendein andrer Ökonom,
vor oder nach ihm, die beiden Seiten der Arbeit genau geschieden, daher
noch weniger ihre verschiedne Rolle in der Wertbildung analysiert hat. <=
(22)
Man begreift daher die Abgeschmacktheit des faden J. B. Say, der den
Mehrwert (Zins, Profit, Rente) aus den „services productifs“
<„produktiven Diensten“> ableiten will, welche die
Produktionsmittel, Erde, Instrumente, Leder usw., durch ihre
Gebrauchswerte im Arbeitsprozesse leisten. Herr Wilhelm Roscher, der es
nicht leicht läßt, artige apologetische Einfälle schwarz auf weiß zu
registrieren, ruft aus: „Sehr richtig bemerkt J. B. Say, „Traité“,
t. I, ch. 4: der durch eine Ölmühle nach Abzug aller Kosten
hervorgebrachte Werte sei doch etwas Neues, von der Arbeit, wodurch die Ölmühle
selbst geschaffen worden, wesentlich Verschiednes.“ (l.c.p. 82, Note.)
Sehr richtig! Das von der Ölmühle hervorgebrachte „Öl“ ist etwas
sehr Verschiednes von der Arbeit, welche der Bau der Mühle kostet. Und
unter „Wert“ versteht Herr Roscher solches Zeug wie „Öl“, da „Öl“
Wert hat, „in der Natur“ aber sich Steinöl vorfindet, wenn auch
relativ nicht „sehr viel“, worauf wohl seine andre Bemerkung abzielt:
„Tauschwerte bringt sie“ (die Natur!) „fast gar nicht hervor.“ [l.c.p.
79.] Es geht der Roscherschen Natur mit dem Tauschwert wie der törichten
Jungfrau mit dem Kind, das nur „ganz klein war“. Derselbe
„Gelehrte“ („savant sérieux“) bemerkt noch bei oben erwähnter
Gelegenheit: „Die Schule Ricardos pflegt auch das Kapital unter den
Begriff Arbeit zu subsumieren als 'aufgesparte Arbeit'. Dies ist
ungeschickt (!), weil (!) ja (!) der Kapitalbesitzer (!) doch (!) mehr (!)
getan hat als die bloße (?!) Hervorbringung (?) und (??) Erhaltung
desselben (wesselbigen?): eben (?!?) die Enthaltung vom eignen Genusse,
wofür er z.B. (!!!) Zinsen verlangt.“ (l.c.[p. 82.]) Wie
„geschickt“! diese „anatomisch-physiologische Methode“ der
politischen Ökonomie, die aus bloßem „Verlangen“ ja doch eben
„Wert“ entwickelt. <=
(22a)
„Von allen Hilfsmitteln in der Landwirtschaft ist die Arbeit des
Menschen ... dasjenige, auf das der Farmer am meisten zum Ersatz seines
Kapitals angewiesen ist. Die beiden anderen - der Bestand an Arbeitsvieh
und die ... Karren, Pflüge, Spaten usw. - sind gar nichts ohne eine
gewisse Menge des ersten.“ (Edmund Burke, „Thoughts and Details on Scarcity, originally presented
to the Rt. Hon. W. Pitt in the Month of November 1795“, edit.
London
1800, p. 10.) <=
(23)
In der „Times“ vom 26. Nov. 1862 jammert ein Fabrikant, dessen
Spinnerei 800 Arbeiter beschäftigt und wöchentlich im Durchschnitt 150
Ballen ostindischer oder ungefähr 130 Ballen amerikanischer Baumwolle
verzehrt, dem Publikum die jährlichen Stillstandskosten seiner Fabrik
vor. Er schlägt sie auf 6.000 Pfd.St. an. Unter diesen Unkosten befinden
sich viele Posten, die uns hier nichts angehn, wie Grundrente, Steuern,
Versichrungsprämien, Salaire für jährlich engagierte Arbeiter, Manager,
Buchhalter, Ingenieur usw. Dann aber berechnet er für 150 Pfd.St. Kohlen,
um die Fabrik von Zeit zu Zeit zu wärmen und die Dampfmaschine
gelegentlich in Gang zu setzen, außerdem Löhne für Arbeiter, die durch
gelegentliche Arbeit die Maschinerie „flüssig“ erhalten. Endlich
1.200 Pfd.St. für Verschlechterung der Maschinerie, da „das Wetter und
die natürlichen Ursachen des Verfalls ihr Wirken nicht deshalb
einstellen, weil die Dampfmaschine aufhört, sich zu drehen“. Er bemerkt
ausdrücklich, diese Summe von 1.200 Pfd.St. sei so gering angeschlagen,
weil sich die Maschinerie bereits in sehr abgenutztem Zustande befinde. <=
(24)
„Produktive Konsumtion: wo die Konsumtion einer Ware Teil des
Produktionsprozesses ist ... In diesen Fällen findet keine Konsumtion von
Wert statt.“ (S. P. Newman, l.c.p. 296.) <=
(25)
In einem nordamerikanischen Kompendium, das vielleicht 20 Auflagen erlebt
hat, liest man: „Es ist nicht von Bedeutung, in welcher Form das Kapital
wiedererscheint.“ Nach einer redseligen Aufzählung aller möglichen
Produktionsingredienzien, deren Wert im Produkt wiedererscheint, heißt's
schließlich: „Die verschiedenen Arten von Nahrung, Kleidung und Obdach,
die für die Existenz und die Bequemlichkeit des Menschen erforderlich
sind, werden ebenfalls verändert. Sie werden von Zeit zu Zeit
aufgebraucht, und ihr Wert erscheint wieder in der neuen Kraft, die sie
seinem Körper und Geist verleihen, und bildet so neues Kapital, das
wieder im Produktionsprozeß angewandt wird.“ (F. Wayland, l.c.p. 31,
32.) Von allen andren Wunderlichkeiten abgesehn, ist es z.B. nicht der
Preis des Brotes, der in der erneuten Kraft wiedererscheint, sondern seine
blutbildenden Substanzen. Was dagegen als Wert der Kraft wiedererscheint,
sind nicht die Lebensmittel, sondern ihr Wert. Dieselben Lebensmittel,
wenn sie nur die Hälfte kosten, produzieren ganz ebensoviel Muskel,
Knochen usw., kurz dieselbe Kraft, aber nicht Kraft vom selben Wert. Dies
Umsetzen von „Wert“ in „Kraft“ und die ganze pharisäische
Unbestimmtheit verstecken den allerdings vergeblichen Versuch, aus bloßem
Wiedererscheinen vorgeschoßner Werte einen Mehrwert herauszudrechseln. <=
(26)
„Alle Erzeugnisse der gleichen Art bilden eigentlich nur eine Masse,
deren Preis allgemein und ohne Rücksicht auf die besonderen Umstände
bestimmt wird.“ (Le Trosne, l.c.p. 893.) <=
Seitenzahlen
verweisen auf: Karl Marx - Friedrich Engels - Werke, Band 23, „Das
Kapital“, Bd. I, Dritter Abschnitt, S. 214 - 225
Dietz Verlag, Berlin/DDR 1968 |