Theorie des Marxismus-Leninismus

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Prinzipien des Marxismus-Leninismus I

(Ein Lehrgang)

W. B. Bland

Überblick:

Kurs 1: Die Entwicklung der Gesellschaft

Kurs 2: Wie der Kapitalismus funktioniert, Teil 1

Kurs 3: Wie der Kapitalismus funktioniert, Teil 2

Kurs 4: Der Staat und der Weg zum Sozialismus

Kurs 5: Die Partei der Arbeiterklasse

Kurs 6: Die nationale Frage

Kurs 7: Der Krieg

Kurs 8: Wie der Sozialismus funktioniert

Kurs 1:

Die Entwicklung der Gesellschaft

1. Was ist Ökonomie?

Die Wissenschaft von der Art und Weise, in der die Menschen ihre materiellen Bedürfnisse  (Essen, Kleidung, Unterkunft usw.) befriedigen.

2. Was ist Politik?

Die Wissenschaft von den Methoden, mit Hilfe derer die Menschen sich in der Gesellschaft organisieren. Anmerkung: Dieser Begriff ist weiter gefasst als der von der ‘Wissenschaft vom Regieren’. Primitive Völker ohne Staat und Regierung haben jedoch auch schon politische Organisationen.

3. Was ist Produktion?

Die Umwandlung von Rohstoffen in Dinge, z.B. Produkte, die Menschen benutzen können. Anmerkung: Das Produkt eines produktiven Prozesses, wie zum Beispiel Eisen, kann als Rohstoff für einen weiteren produktiven Prozess wie dem des Maschinenbaus dienen.

4. Was sind Produktionsmittel?

Die Werkzeuge, die die Menschen verwenden, um produzieren zu können - von der Steinaxt zur automatisierten Fabrik.

5. Welches sind die wichtigsten gesellschaftlichen Systeme, die die Geschichte kennt?

1. Der primitive Kommunismus wie in der afrikanischen Stammesgesellschaft;

2. Die Sklaverei wie im römischen Reich;

3. Feudalismus wie im Europa des Mittelalters;

4. Kapitalismus wie im heutigen Großbritannien;

5. Sozialismus wie er einst in der Sowjetunion zur Zeit Lenins und Stalins existierte.

6. Was ist Ausbeutung?

Das Leben (teilweise oder vollständig) von der Arbeit anderer.

7. Was ist eine soziale Klasse?

Eine soziale Gruppe, die zu den Produktionsmitteln eine bestimmtes Besitzverhältnis hat. Die Mitglieder einer Klasse, die

1. Produktionsmittel besitzen und davon leben, dass sie eine Klasse ausbeuten, die keine Produktionsmittel besitzt, gehören zu einer Ausbeuterklasse;

2. keine Produktionsmittel besitzen und von dem Verkauf ihrer Arbeitskraft an eine  Klasse leben, die über solche verfügt, ist eine ausgebeutete Klasse.

3. Mitglieder einer Klasse, die Produktionsmittel besitzen und von ihrer eigenen Arbeit leben.

8. Welches sind heute die Hauptklassen in Großbritannien?

1. Die kapitalistische Klasse oder Bourgeoisie, die Produktionsmittel besitzt und davon lebt, die soziale Klasse auszubeuten, die nicht über solche verfügt;

2. Der Mittelstand oder die Kleinbourgeoisie, die über wenige Produktionsmittel verfügt und hauptsächlich von ihrer eigenen Arbeit lebt und

3. Die Arbeiterklasse oder das Proletariat, das keine Produktionsmittel besitzt und davon lebt, ihre Arbeitskraft an die kapitalistische Klasse zu verkaufen.

9. Welche gesellschaftlichen Systeme, die die Geschichte kennt, beruhen auf Ausbeutung?

1. Die Sklaverei, in der die Klasse der Sklaven von der Klasse der Sklavenhalter ausgebeutet wird;

2. Der Feudalismus, in der die Klasse der Leibeigenen von der Klasse der Feudalherrn  ausgebeutet wird und

3. Der Kapitalismus, in dem die Arbeiterklasse von der kapitalistischen Klasse ausgebeutet wird.

10. Worin besteht der wichtigste Grund, weshalb ein soziales System von einem anderen abgelöst wird?

Er besteht in der Entwicklung der Werkzeuge und der Technik. Dieser Prozess vollzieht sich dann in einem bestimmten gesellschaftlichen System, wenn  ein Punkt erreicht worden ist, wo neue Werkzeuge und eine neue Technik nicht mehr voll  entfaltet oder auch nur innerhalb jenes sozialen Systems genutzt werden können. Die daraus entstehenden Rückschläge verursachen eine politische Bewegung, deren Aufgabe darin besteht, dieses soziale System in ein neues zu verwandeln. Wenn dann dieser Wandel vollzogen worden ist, können sich die neuen Werkzeuge und Verfahren innerhalb des neuen Systems wieder voll entfalten.

Das erste Stadium in der Entwicklung der menschlichen Gesellschaft war ein solches, in dem Werkzeuge und und die Technik so primitiv waren und die Produktion so gering, dass jemand nur in der Lage war, gerade so viel zu produzieren, dass er sich und seine Angehörigen ernähren konnte. Es gab deshalb keinen Überschuss, den sich jemand aneignen konnte. Deshalb war eine Ausbeutung nicht möglich, die Produktionsmittel befanden sich im Gemeineigentum und das gesellschaftliche System war das eines primitiven Kommunismus. Jedoch entwickelten sich im primitiven Kommunismus die Werkzeuge und Geräte weiter, bis ein Punkt erreicht wurde, an dem jemand mehr erzeugen konnte als notwendig war, um sich und seine Angehörigen zu ernähren. Bis zu diesem Zeitpunkt wurden Kriegsgefangene gewöhnlich verzehrt; ab jetzt wurde der Kannibalismus jedoch von der Gesellschaft geächtet, weil er ökonomisch gesehen nicht mehr sinnvoll war: Wenn ein Kriegsgefangener nämlich in einen Sklaven verwandelt wurde, bekam man von ihm nicht nur eine gute Mahlzeit, sondern ein Leben lang Mahlzeiten durch seine Sklavenarbeit.

Als Folge der Entwicklung der Werkzeuge und Geräte wich der primitive Kommunismus der Sklaverei. Die Gesellschaft teilte sich in zwei soziale Klassen: in die der ausbeutenden Sklavenhalter und in die Klasse der ausgebeuteten Sklaven.

Innerhalb des Systems der Sklaverei entwickelten sich die Werkzeuge und die Technik bis zu einem Punkt, an dem die bloß erzwungene Arbeit des Sklaven (der nur arbeitete,  um der Bestrafung zu entkommen) aufhörte, in der Lage zu sein, diese neuen Werkzeuge und Techniken angemessen zu nutzen und weiterzuentwickeln. Deshalb verwandelten die Sklavenhalter selbst allmählich die Grundlage der Ausbeutung in eine neue Form, um die ausgebeuteten Bauern an dem Gebrauch und der Entwicklung der neuen Werkzeuge zu interessieren: Die Sklaven wurden zu Leibeigenen. In der Feudalgesellschaft durften die Leibeigenen, obwohl sie rechtlich an den Boden ihres Herrn gefesselt waren, einen Teil ihrer Arbeitszeit auf ihren eigenen Parzellen arbeiten. Sie mussten aber auch das Land des Feudalherrn bewirtschaften und ihm darüberhinaus einen Teil der Erzeugnisse, die sie auf ihren eigenen kleinen Landflächen erwirtschafteten, abtreten. Im Rahmen des Feudalismus wurden jedoch die Werkzeuge und Arbeitsverfahren weiterentwickelt und eine neue Klasse der Kaufleute und Handwerker entstand in den Städten.

Im Bündnis mit der aufstrebenden Klasse der Kaufleute gelang es den Leibeigenen, sich durch die Umwandlung ihrer feudalen Dienste in ein neues System von Pachtzahlungen aus der Leibeigenschaft zu befreien.

Infolge dieser Umwandlung der feudalen Arbeitsdienste waren die Feudalherrn oft nicht mehr in der Lage, Arbeitskräfte für ihre eigenen privaten Ländereien zu bekommen. Um  an diese Arbeitskräfte heranzukommen - und auch aus anderen weniger gewichtigen  Gründen - gingen sie daran, das eigene Land der Bauern zu umzäunen, d.h. sie gingen daran, sie von diesem Land zu vertreiben, um sie zu zwingen, sich als Lohnarbeiter Arbeit woanders zu suchen, um überleben zu können.

Eine große Zahl dieser enteigneten Bauern wanderte in die Städte ab, um bei den Kaufleuten und Handwerkern Arbeit zu finden. Dies war die Geburtsstunde der Arbeiterklasse. Im Rahmen der Feudalgesellschaft begann sich ein neues Wirtschaftssystem - der Kapitalismus - zu entwickeln. Die kapitalistischen Kaufleute sahen sich jedoch in ihren Bemühungen, das kapitalistische System zu entwickeln (wovon ihr wirtschaftliches Vorankommen abhing) durch den Widerstand der Grundaristokratie frustriert. Diese Frustration war Auslöser für eine politische Bewegung, die das Ziel hatte, das gesellschaftliche System zu verändern. Schließlich wurde die politische Macht der Feudalherrn in einer bürgerlichen Revolution gestürzt und die kapitalistische Klasse wurde zur herrschenden Klasse. Im Rahmen der kapitalistischen Gesellschaft wurden die Werkzeuge und Arbeitsverfahren in einem vorher nie dagewesenen Umfang weiterentwickelt. Im 20. Jahrhundert wurde der Punkt erreicht, an dem die volle Entwicklung und die Nutzung dieser neuen Werkzeuge und Arbeitstechniken durch das Weiterbestehen eines gesellschaftlichen Systems, das für die Masse der Bevölkerung seine Nützlichkeit erschöpft hatte, behindert. Dies wurde zur Grundlage einer Krise des kapitalistischen Systems und brachte eine Bewegung hervor, um das gesellschaftliche System einmal mehr in ein neues umzuformen: die sozialistische Bewegung.

Im Verlauf des 20. Jahrhunderts gelang es der Arbeiterklasse in einem Viertel der Welt, das kapitalistische System abzuschaffen und die Grundlagen für ein sozialistisches System zu legen. Aus Gründen jedoch, die später im Verlauf des Lehrgangs untersucht werden sollen, fand eine zeitweilige Rückkehr zum kapitalistischen System statt. Die Errichtung einer sozialistischen Gesellschaft in Großbritannien, als Teil eines weltweiten revolutionären Prozesses, ist die historische Aufgabe, vor der die britische Arbeiterklasse steht.

11. Was versteht man unter dem Begriff ‘fortschrittlich’?

Darunter versteht man all das, was dazu beiträgt, die Entwicklung der Gesellschaft voranzubringen.

12. Was versteht man unter dem Begriff ‘reaktionär’?

Darunter versteht man all das, was dazu geeignet ist, die Entwicklung der Gesellschaft aufzuhalten oder umzukehren.

13. Was ist der Staat?

Ein Zwangsapparat, durch den eine gesellschaftliche Klasse über den Rest der Bevölkerung herrscht. Im primitiven Kommunismus - einer klassenlosen Gesellschaft - gab es keinen Staatsapparat. Der Staat entstand als Resultat einer in Klassen geteilten Gesellschaft, als die Minderheit der Sklavenhalter es als notwendig ansah, die ausgebeutete Mehrheit der Sklaven gewaltsam zu unterdrücken.

In der Sklavenhaltergesellschaft war der Staat der Herrschaftsapparat der Klasse der Sklavenhalter. In der Feudalgesellschaft war der Staat das Herrschaftsinstrument des feudalen Landadels. In der kapitalistischen Gesellschaft ist der Staat das Instrument der Herrschaft der kapitalistischen Klasse. Wie wir sehen werden, benötigt auch die Arbeiterklasse (obwohl sie keine ausbeutende Klasse ist und sein wird) ihren eigenen Zwangsapparat, ihren eigenen Staat, einen sozialistischen Staat, um die sozialistische Gesellschaft zu schützen und sie davor zu bewahren, dass sie von der kapitalistischen Klasse, die ihren Reichtum und ihre Macht eingebüßt  hat, wieder gestürzt zu werden. Der Staat in einer sozialistischen Gesellschaft ist deshalb das Herrschaftsinstrument der Arbeiterklasse.

14. Was ist eine Revolution?

Die gewaltsame Ersetzung der Herrschaft einer Klasse durch die einer fortschrittlicheren Klasse.

15. Welche gesellschaftlichen Systeme der Geschichte wurden durch eine Revolution hervorgebracht?

1. Das kapitalistische System, das als Resultat des revolutionären Sturzes der politischen Macht des Feudaladels in einer bürgerlichen Revolution errichtet wurde.

2. Das sozialistische System, das als Resultat des revolutionären Sturzes der politischen Macht der kapitalistischen Klasse in einer sozialistischen oder proletarischen Revolution errichtet wurde.

16. Was ist eine Konterrevolution?

Der gewaltsame Sturz der Herrschaft einer Klasse durch eine reaktionärere Klasse.

17. Welche soziale Klasse wurde an die Macht gebracht durch ...

1. Die englische Revolution des 17. Jahrhunderts?

Die englische kapitalistische Klasse.

2. Die französische Revolution des 18. Jahrhunderts?

Die französische kapitalistische Klasse.

3. Die russische Revolution vom November 1917?

Die russische Arbeiterklasse.

Kurs 2:

Wie der Kapitalismus funktioniert, Teil 1

1. Was ist eine Ware?

Eine Ware ist etwas, das für den Austausch hergestellt wird, nicht jedoch für den persönlichen Bedarf des Herstellers. Ein Bauer, der Gemüse für seine Familie anbaut, beschäftigt sich nicht mit der Herstellung von Waren, sondern mit der Herstellung von Produkten für den eigenen Verbrauch. Wenn er aber dieses Gemüse anbaut, um es gegen das Bier des Gastwirten am Ort auszutauschen, dann beschäftigt er sich mit der Herstellung für den Austausch, mit der Herstellung von Waren.

2. Was ist einfache Warenproduktion?

Dies ist die Herstellung von Waren von Produzenten, die ihre eigenen Produktionsmittel besitzen wie die Handwerker im Feudalismus.

3. Was ist kapitalistische Warenproduktion?

Die Herstellung von Waren in einer kapitalistischen Gesellschaft durch Produzenten der Arbeiterklasse, d.h. durch Produzenten, die nicht ihre eigenen Produktionsmittel besitzen und deshalb gezwungen sind - um leben zu können - Beschäftigung bei Kapitalisten zu suchen, die über ihre eigenen Produktionsmittel verfügen.

4. Was ist ein Markt?

Dies ist ein Ort, an dem jene, die eine Ware loswerden wollen und jene, die sie zu erwerben trachten, Verbindung aufnehmen. In diesem Sinne sprechen wir von einem örtlichen Viehmarkt oder einem internationalen Ölmarkt. Ein Markt, auf dem eine Anzahl von Individuen oder Firmen miteinander im Wettbewerb stehen, um ihre Waren zu verkaufen und wo verschiedene Individuen oder Firmen sich Konkurrenz machen, um diese zu erwerben, wird Wettbewerbsmarkt genannt.

5. Was ist der Tauschwert einer Ware?  

Das ist die Zahl der Waren anderer Art, gegen die sie auf einem bestimmten Markt zu einer bestimmten Zeit ausgetauscht werden kann. Wenn eine Kuh auf dem städtischen Viehmarkt an einem bestimmten Tag gegen zwei Schweine getauscht werden kann, dann entspricht der Tauschwert einer Kuh zwei Schweinen, während der Tauschwert eines Schweines dem einer halben Kuh entspricht.

6. Worin besteht der Wert einer Ware?

Offensichtlich entspricht er nicht notwendigerweise seinem Tauschwert auf einem bestimmten Markt, denn in dem letzten Beispiel können wir von einer Kuh sprechen, die ‘mehr oder weniger wert’ ist als ihr tatsächlicher Tauschwert.

Dem Tauschverhältnis zweier Waren liegt die relative Menge an Arbeit zugrunde, die erforderlich ist, um sie zu produzieren. Tatsächlich ist der Wert einer Ware gleich der Arbeit, die benötigt wird, um sie zu produzieren. Wenn man also für die Herstellung  eines Autos 4.000 mal so viele Arbeitsstunden benötigt wie für die Herstellung einer Bruyère-Pfeife, dann ist das Auto 4.000 mal so viel wert wie die Pfeife.

7. Wovon hängt der Tauschwert einer Ware auf einem Wettbewerbsmarkt ab?

Er hängt von Angebot und Nachfrage ab, die bewirken, dass der Tauschwert überoder unterhalb des Werts schwanken. Wenn es zum Beispiel auf einem bestimmten Markt eine Zuckerknappheit gibt, werden diejenigen, die ihn haben wollen, wahrscheinlich mehr bieten als er wert ist. Auf der an - deren Seite: Wenn es Zucker auf einem bestimmten Markt im Überfluss gibt, werden  jene, die ihn loswerden wollen, ihn unter seinem Wert anbieten, um nicht auf ihm sitzen zu bleiben. Wenn jedoch der Tauschwert einer Ware infolge einer Knappheit über seinem Wert liegt, dann wird die Produktion von Zucker außergewöhnlich hohe Erträge abwerfen und es werden sich infolgedessen mehr Leute finden, um ihn herzustellen und die Zuckerproduktion wird solange ansteigen, bis der Tauschwert des Zuckers wieder auf seinen Wert gesunken ist. Der umgekehrte Prozess vollzieht sich, wenn der Tauschwert des Zuckers unter seinem Tauschwert liegt, weil das Angebot die ‘Nachfrage’ übersteigt. Die Zuckerproduktion wirft dann außergewöhnlich niedrige Erträge ab, so dass die Produktion solange sinken wird, bis der Tauschwert des Zuckers wieder seinen Wert erreicht hat. Deshalb besteht auf jedem Wettbewerbsmarkt eine Tendenz, dass der Tauschwert einer jeden Ware - langfristig gesehen - ihrem Wert entspricht.

8. Was ist Tauschhandel?

Der direkte Austausch einer Ware gegen eine andere, zum Beispiel: Weizen gegen Ziegelsteine.

9. Was ist Geld?

Eine Ware (oder ein Gutschein für eine Ware, wie eine Banknote, die einen Gutschein für eine bestimmte Goldmenge darstellt), die in einer bestimmten Gemeinschaft allgemein als Tauschmittel akzeptiert wird.

Die Einführung eines Geldsystems beseitigt viele der Schwierigkeiten, die einem Tauschhandel anhaften. Bei letzterem müsste ein Weber, der sich ein Paar Schuhe besorgen  möchte, einen Schuhmacher auftreiben, der nach Tuch verlangt. Wenn aber Geld in einer Gesellschaft verwendet wird, kann er sein Tuch jedem gegen Geld verkaufen und dieses für den Kauf der Schuhe beim Schuhmacher verwenden.

10. Was ist ein Preis?

Dies ist der Tauschwert einer Ware, in Geld ausgedrückt.

11. Wie kam es, dass Edelmetalle wie Gold und Silber als Geld Verwendung fanden?

Dies geschah aus Gründen der Bequemlichkeit und des einfacheren Transports. Da sie selten sind, ist mit ihrer Produktion eine große Menge an Arbeitszeit verbunden, so dass  also eine kleine Menge davon einen hohen Wert verkörpert.

12. Was ist Arbeitskraft?

Die Fähigkeit eines Arbeiters, eine bestimmte Zeitlang zu arbeiten. Der Arbeiter, dem keine Produktionsmittel gehören, ist gezwungen, um leben zu können, seine Arbeitskraft an einen Kapitalisten zu verkaufen. So kommt es, dass in einer kapitalistischen Gesellschaft die Arbeitskraft zu einer Ware wird.

13. Was bestimmt den Wert der Arbeitskraft?

Der Wert der Arbeitskraft wird wie im Fall anderer Waren durch die gesellschaftlich notwendige Arbeitszeit bestimmt, die mit ihrer Herstellung verbunden ist. Diese entspricht  dem Wert der Waren, die benötigt werden, um sie zu herzustellen, zu erhalten und wiederherzustellen.  Der Wert der Arbeitskraft besteht jedoch nicht nur in dem bloßen Unterhalt des Arbeiters und seiner Angehörigen (die die nächste Generation von Arbeitern bilden), sondern hängt von solchen Zusatzfaktoren ab wie die Mittel, die notwendig sind, den Arbeiter auszubilden, dem Stand der ‘Zivilisation’ eines betreffenden Landes usw.

14. Was sind Löhne?

Dies ist der Preis der Ware Arbeitskraft. Auf einem Wettbewerbsmarkt kann der Preis der Arbeitskraft wie der jeder anderen Ware über oder unter seinem Wert schwanken, je nach Angebot und Nachfrage; langfristig jedoch bewegt sich ihr Preis auf ihren Wert zu.

15. Was ist Mehrwert?

Der neue Wert, der von der Arbeit eines Arbeiters im Laufe der Produktion über und oberhalb des Werts seiner Arbeitskraft geschaffen wurde. Wenn ein Arbeiter, der 100 Pfund Sterling pro Woche erhält, nur Werte in Höhe von 100 Pfund Sterling produzieren würde, würde sein Arbeit’geber’ an seiner Beschäftigung nichts verdienen und ihn nicht mehr beschäftigen.

Ein Arbeit’geber’ wird nur dann einen Arbeiter beschäftigen, wenn er während der Woche einen Neuwert produziert, der den Wert übersteigt, der ihm in Gestalt des Lohns ausgezahlt wird. Die Differenz stellt den Mehrwert dar - Wert, der vom Arbeiter geschaffen wurde, den sich jedoch der Arbeit’geber’ aneignet. Wenn ein Arbeiter pro Woche Werte in Höhe von 200 Pfund Sterling produziert, ihm aber nur 100 Pfund an Lohn ausgezahlt werden, dann hat sein Arbeit’geber’ 100 Pfund an Mehrwert an dem Arbeiter verdient. Wenn er also 1.000 solche Arbeiter beschäftigt, erhält er insgesamt 100.000 Pfund an Mehrwert pro Woche. Dies ist der Mechanismus, durch den die kapitalistische Klasse die Arbeiterklasse ausbeutet. Es wird deutlich, dass die Ausbeutung im Kapitalismus einen verdeckteren Charakter hat als in der Sklavenhaltergesellschaft oder im Feudalismus.

16. Was ist Kapital?

Darunter versteht man das gesamte Kapital, das Kapitalisten in einer kapitalistischen Gesellschaft besitzen oder welches von ihnen angemietet oder gepachtet wird: Land, Gebäude, Maschinen, Rohstoffe, Arbeitskraft - was sie in die Lage versetzt, sich Mehrwert anzueignen, d.h. Arbeiter auszubeuten. Das Geld, das Kapitalisten für diesen Zweck ausgeben (ein Vorgang, den man Investieren nennt), wird als Kapital bezeichnet.

17. Was ist konstantes Kapital?

Darunter versteht man alles Kapital, außer dasjenige, das für den Kauf der Arbeitskraft ausgegeben wird. Boden, Gebäude, Maschinen und Rohstoffe erzeugen nicht selbst einen neuen Wert; sie stellen nur die Werkzeuge dar, mit denen die menschliche Arbeitskraft neuen Wert erzeugt. Da das für diese Dinge verauslagte Kapital sich nicht im Laufe der kapitalistischen Produktion verändert, wird es konstantes (dem Wert nach gleichbleibendes) Kapital genannt.

18. Was ist variables Kapital?

Dies ist das Kapital, welches für den Kauf der Arbeitskraft ausgegeben wird. Da der im Lauf der kapitalistischen Produktion erwirtschaftete neue Wert nur durch die Arbeitskraft des Arbeiters erzeugt werden kann, kann das Kapital, das dafür ausgegeben wird, als verändert, als vom Wert her erhöht angesehen werden. Deshalb wird es variables (verändertes) Kapital genannt.

19. Was sind Pacht/Miete, Zins und Gewinn?

Der Anteil des Mehrwerts, der von den verschiedenen Abteilungen der ausbeutenden Klasse (bzw. der von verschiedenen Ausbeuterklassen) in einer kapitalistischen Gesellschaft aufgeteilt wird.

Pacht wird von einem Arbeit’geber’ (Unternehmer) an einen Grundbesitzer für die Nutzung von Land und/oder Gebäuden, auf dem oder in denen sein Unternehmen betrieben wird, entrichtet.

Zinsen werden von einem Unternehmer an einen Geldgeber oder an eine Bank für die Verleihung von Geldkapital, das er für den Betrieb seines Unternehmens benötigt, gezahlt. Profit stellt denjenigen Anteil am Mehrwert dar, den der Unternehmer für sich behält, nachdem er die Mieten/die Pacht oder die Zinsen bezahlt hat. Miete, Zins und Profit, die Teile des im Verlaufe der kapitalistischen Produktion erwirtschafteten Mehrwerts darstellen, haben alle ihren Ursprung in der Ausbeutung des Arbeiters. Ein Unternehmer, der sein eigenes Land, seine eigenen Gebäude und seine eigenes Geldkapital besitzt, behält natürlich alle drei Bestandteile des Mehrwerts für sich.

20. Was ist Händlerprofit?

Das ist der Gewinn (Profit), den sich ein Handelskapitalist verschafft, also jemand, der mit  der Distribution (dem Verkauf, Vertrieb) von Waren beschäftigt ist.

21. Was ist die Quelle des Händlerprofits?

Wert wird ausschließlich durch produktive Arbeit erzeugt und Mehrwert nur durch Arbeit, die in der kapitalistischen Produktion eingesetzt wird. Im Prozess der Distribution wird kein Wert erzeugt.

Die Quelle des Händlerprofits (wie die Quelle der Gehälter von Beschäftigten in der Distribution) ist der Mehrwert, der von in der Produktion beschäftigen Arbeitern geschaffen wird. Der Kapitalist, der mit Produktion beschäftigt ist, verkauft seine fertigen Waren an einen Kapitalisten, der in der Distribution tätig ist, zu einem Preisnachlass, also unter ihrem Wert. Der in der Distribution, also im Handel tätige Kapitalist, realisiert seinen Händlerprofit dadurch,  dass er sie zu ihrem Wert verkauft.

Mit anderen Worten: Die Kapitalisten, die mit Produktion befasst sind, übertragen den  Kapitalisten, die mit Distribution befasst sind, einen Teil des Mehrwerts, der durch die in der Produktion beschäftigen Arbeiter im Verlauf der kapitalistischen Produktion geschaffen wurde.

22. Worin besteht die Triebfeder der Produktion im Kapitalismus?

Sie besteht im Profit. Jedes kapitalistische Unternehmen ist darum bemüht, so viel Profit wie irgend möglich für sich zu erwirtschaften.

23. Kritisiere folgende Aussage:

„Wegen des Wirkens des Prinzips von Angebot und Nachfrage in einer kapitalistischen Gesellschaft - wie oben unter Punkt 7 beschrieben - richtet das Profitmotiv automatisch die Produktion an der Nachfrage aus.“

Die ‘Nachfrage’, die durch das Wirken des Profitmotivs befriedigt wird, ist nicht mit den Bedürfnissen der Masse der Bevölkerung gleichzusetzen. Es ist das, was man als ‘effektive Nachfrage’ bezeichnet, d.h. ‘Nachfrage’ ausgedrückt in der Menge des Geldes, das die Konsumenten bereit oder in der Lage sind auszugeben, um ihre Bedürfnisse zu befriedigen.

Falls die gesamte Bevölkerung eines kapitalistischen Landes auf die Straße ginge, um für Brot zu demonstrieren, gäbe es keine ‘effektive Nachfrage’ nach Brot, es sei denn, sie besäße das nötige Geld, um es in den Bäckerläden auszugeben. Deshalb richtet das Profitmotiv die Produktion in etwa an den Bedürfnissen jener Leute aus, die genug Geld haben, um ihren Bedarf in Form einer effektiven Nachfrage zum Ausdruck zu bringen. Damit hängt es zusammen, dass, obwohl es schon lange für die arbeitenden Menschen im kapitalistischen Großbritannien einen Mangel an Wohnraum gibt, kapitalistische Baugesellschaften nicht die Ressourcen der Bauindustrie nutzen, um Häuser und Wohnungen für die arbeitenden Menschen zu bauen, sondern, im Gegenteil, von ihnen Gebrauch machen, um Dinge wie Bürohäuser (die oft jahrelang leerstehen) zu bauen. Sie tun das, weil dies für sie profitabler ist, obwohl der gesellschaftliche Bedarf daran sehr viel geringer ist.

Nur wenn das Profitmotiv abgeschafft worden ist und die Produktion bewusst geplant wird, kann sie den tatsächlichen Bedürfnissen der Menschen angepasst werden.

Kurs 3:

Wie der Kapitalismus funktioniert, Teil 2

1. Was ist Akkumulation des Kapitals?

Das ist die Umwandlung des Mehrwerts in neues Kapital, um die Menge an Kapital in den Händen eines Einzelnen oder einer Firma zu vergrößern. Selbst bei gleichbleibender Ausbeutungsrate versetzt die Akkumulation des Kapitals einen Einzelunternehmer oder eine Firma in die Lage, die Zahl der ausgebeuteten Arbeiter zu erhöhen, wodurch der gesamte Mehrwert, den sich dieser Einzelunternehmer oder jene Firma aneignet, anwächst.

2. Die neuen Produktionsmittel, die im Ergebnis der Kapitalakkumulation hinzugekommen sind, weisen in der Regel einen höheren Mechanisierungsgrad auf  als die alten. Welchen Vorteil bietet dies der betreffenden Firma?

Die erhöhte Produktivität, die sich aus dem erhöhten Mechanisierungsgrad ergibt, verringert die Produktionskosten einer jeden Ware, wodurch die betreffende Firma in die Lage versetzt wird (solange sie gegenüber ihren Konkurrenten einen technischen Vorteil genießt), einen überdurchschnittlichen Profit zu erzielen.

Anmerkung: Wir nennen das Verhältnis zwischen dem konstanten Kapital (Produktionsanlagen usw.) und dem variablen Kapital (Löhne) die ‘organische Zusammensetzung des  des Kapitals’. Durch diese Entwicklung erhöht sich ständig die organische Zusammensetzung des Kapitals (Der Kostenanteil der Löhne sinkt der Tendenz nach - Übers.).

3. Was bedeutet Konzentration des Kapitals?

Die Vergrößerung von Einzelkapitalien zu immer größeren Einheiten. Die Konzentration des Kapitals ist eine Folge der Akkumulation des Kapitals.

4. Wenn wir die Akkumulation des Kapitals und die Mechanisierung der Produktion einmal außer Acht lassen - wie kann ein kapitalistisches Unternehmen sonst noch seinen Gewinn erhöhen?

Es kann dies nur dadurch, dass es die Menge des Mehrwerts, den es von jedem einzelnen Arbeiter bezieht, erhöht. Zum Beispiel:

1. Durch die Kürzung der Löhne (schon eine Preissteigerung bei gleichbleibenden Löhnen bedeutet eine Reallohnkürzung);

2. Durch die Heraufsetzung der Arbeitszeit bei gleichzeitiger Verhinderung eines Anstiegs der Reallöhne;

3. Durch die Steigerung der Arbeitsintensität durch Methoden wie Stückakkordlohn (bei denen die Löhne an den Produktionsausstoß gekoppelt sind), durch das schnellere Laufenlassen des Fließbandes, durch ‘Arbeitsplatzstudien’, die darauf angelegt sind, jede  Aktion, jede Bewegung, die nicht zur Produktion beitragen, auszumerzen.

5. Worin besteht der Kern des Interessenkonflikts zwischen Arbeit und Kapital, den Marxisten-Leninisten ‘Klassenkampf’ nennen?

Er besteht in in der Aufteilung des von den Arbeitern produzierten Werts zwischen den beiden Klassen: der Arbeiterklasse und der Klasse der Kapitalisten. Wenn wir einmal die Akkumulation und Mechanisierung des Kapitals beiseite lassen, können höhere Profite nur auf Kosten der Lebens- und Arbeitsbedingungen der Arbeiterklasse gemacht werden, während verbesserte Lebens- und Arbeitsbedingungen für die Arbeiter nur auf Kosten der Gewinne durchgesetzt werden können.

Es besteht deshalb ein grundlegender Interessenkonflikt zwischen der Arbeiterklasse und der Kapitalistenklasse. Teils unter der Oberfläche schmorend, teils durch Streik oder Aussperrung zum Ausbruch kommend, ist der Klassenkampf Wesensbestandteil der kapitalistischen Gesellschaft. Keine unterdrückerischen Maßnahmen können ihn länger als nur für kurze Zeit in Schach halten. Er wird verschwinden, wenn Kapitalisten und der Kapitalismus nicht mehr existieren.

6. Worin bestehen die Hauptursachen von Wirtschaftskrisen (Rezessionen)?

Sie bestehen erstens in dem anarchischen Charakter der Produktion im Kapitalismus, wo jede Firma ihre Produktion ‘plant’, in der Hoffnung, ihren Gewinn zu maximieren. Sie bestehen, damit verbunden, zweitens in der Tatsache, dass die Arbeiterklasse (die in einer entwickelten kapitalistischen Gesellschaft die Mehrheit der Bevölkerung ausmacht) an Löhnen beträchtlich weniger erhält als ausreichen würde, um all die Waren und Dienstleistungen, die sie produziert, zu erwerben und drittens in der Tendenz, dass die Profitrate mit der erhöhten organischen Zusammensetzung des Kapitals (=der Anteil der Löhne an den Kosten der Kapitalisten geht immer mehr zurück - Übers.) fällt. So kommt es, dass in regelmäßigen Abständen Mengen an unverkauften Waren sich in den Lagerhäusern ansammeln und die Aufträge für die Hersteller drastisch zurückgehen. Das führt im Ergebnis dazu, dass die Kapitalisten ihre Produktion einschränken, Arbeiter auf Kurzarbeit setzen oder sie entlassen. Das führt wiederum dazu, dass die Kaufkraft der Arbeiterklasse noch weiter verringert wird, dass die Aufträge noch weiter zurückgehen und das ganze System in den Sog von Rezession und Depression hineingezogen wird.

Wenn die Produktion auf einen Niedrigstand gesunken ist (wobei häufig große Mengen an Überschussprodukten vernichtet werden), sind die Betreiber von Lagerhäusern gezwungen, wenigstens ein kleine Menge an den Waren zu bestellen, an denen es in der Bevölkerung Bedarf gibt. Das führt dazu, dass die Kapitalisten einige Arbeiter wieder einstellen und in Folge des Kaufkraftanstiegs der Arbeiter erhalten die Unternehmen wieder mehr Aufträge. Die Wirtschaft erholt sich langsam wieder, fängt erneut an zu ‘boomen’, was dazu führt, dass auf dem Höhepunkt einer solchen Hochkonjunktur eine neue Überproduktionskrise heraufbeschworen wird.

7. Was ist ein Monopol?

Das ist ein Unternehmen oder ein Unternehmenszusammenschluss, der eine Monopolstellung genießt, d.h. einen so großen Teil der Produktionsmenge einer Ware auf einem Markt kontrolliert, dass von einem Wettbewerbsmarkt nicht mehr die Rede sein kann.

8. Worin bestehen die Vorteile einer Monopolstellung für die Kapitalisten, die  über eine solche verfügen?

Ein Monopol kann die Preise seiner Waren stärker heraufsetzen als dies unter den Bedingungen eines Wettbewerbsmarktes möglich wäre, d.h. es kann seine Waren über ihrem Wert verkaufen und kann diesen Prozess durch die Einschränkung der Produktionsmenge weiter unterstützen. Ein Monopol kann deshalb einen höheren Gewinn machen als dies unter Bedingungen der Konkurrenz möglich wäre.

9. Ein Monopol kann sein a) ein Trust, b) ein Konzern oder c) ein Kartell. Wodurch zeichnen sich diese drei Typen aus?

Ein Trust ist ein einziges, riesiges Unternehmen mit Monopolstellung wie zum Beispiel ‘Imperial Chemical Industries’ (ICI) (=größter britischer Chemieriese - Übers.). Ein Konzern ist eine Gruppe von Unternehmen unter einheitlicher Kontrolle, das eine  Monopolstellung besitzt wie beispielsweise ‘Unilever’.  Ein Kartell oder Syndikat ist eine Vereinigung von einzelnen Firmen, die sich darauf verständigt haben, den Wettbewerb untereinander einzuschränken, um die Vorteile der Monopolstellung für sich in Anspruch zu nehmen. Ein Kartell kann zum Beispiel die Produktionsmengen festlegen sowie den Marktanteil der an ihm beteiligten Unternehmen und/oder die Preise für ein Produkt regeln. Ein Beispiel für ein internationales Kartel ist die Organisation Erdöl Exportierender Länder (OPEC=Organisation of Petroleum Exporting Counties - Übers.).

10. Führt das Monopol zur Ausschaltung der Konkurrenz?

Nein. Es schränkt jedoch auf dem Gebiet, das von dem jeweiligen Monopol kontrolliert wird, die Konkurrenz ein, während diese auf einem anderen Gebiet - z.B. zwischen Monopolkapitalisten und Nichtmonopolkapitalisten sowie zwischen rivalisierenden Gruppen von Monopolisten in demselben oder in verschiedenen Ländern noch verstärkt werden kann.

11. Was ist Finanzkapital?

Mit der Entwicklung des Kapitalismus entwickelt sich auch die Konzentration und Zentrlisation des Kapitals, sowohl im Bankwesen als auch in der Industrie und darüberhinaus findet eine Verschmelzung von Bank- und Industriekapital statt, mit der Folge, dass eine kleine Gruppe von Monopolkapitalisten die Finanzoligarchie - in die Lage versetzt wird, die großen Banken, die anderen finanziellen Institutionen sowie die großen Industriebetriebe zu kontrollieren. Dieser Zusammenschluss zwischen Bank- und Industriekapital wird Finanzkapital genannt.

12. Wir haben gesehen, dass die kapitalistischen Klassen aller Länder mit einem Marktproblem konfrontiert sind. Wie versuchen sie, dieses Problem zu lösen?

Rein ‘theoretisch’ könnten sie die Löhne der Arbeiter so weit anheben, dass sie dem Wert der Waren, die sie produzieren, entsprechen. Da dies jedoch ihre Profite schmälern würde, weisen die Kapitalisten diesen Lösungsversuch weit von sich. Deshalb versuchen sie, ihr ewiges Marktproblem durch den Export von Waren zu lösen.

Da alle entwickelten kapitalistischen Länder ein Marktproblem haben, versucht jedes Land, seinen Export in erster Linie in Richtung der weniger entwickelten Länder zu lenken.

13. Wie kommt es, dass der Export von Waren zu Kapitalexport und Kolonialismus führt?

Das kommt daher, dass ein unterentwickeltes Land wirtschaftlich rückständig und seine Bevölkerung im Allgemeinen arm ist. Darüberhinaus ist seine Wirtschaft meist autarkisch (d.h. in erster Linie auf Selbstversorgung angelegt). Das hat zur Folge, dass ein unterentwickeltes Land nur eine spärlichen Markt für die überschüssigen Waren aus einem entwickelten kapitalistischen Land bietet, es sei denn, dass seine Wirtschaft radikal umgestaltet wird. Dies ist der Grund, weshalb kapitalistische Firmen in entwickelten kapitalistischen Ländern Kapital in solche unterentwickleten Länder ‘exportieren’, d.h., dass sie es in den Kauf von größeren Ländereien zwecks Errichtung von Plantagen oder Bergwerken investieren. Sie überfluten das unterentwickelte Land mit billigen Fertigprodukten, die viele der heimischen Handwerker (die immer noch die Methode der Handarbeit benutzen, die nicht mit der maschinellen Produktion konkurrieren kann) ruinieren. Und falls sie in der Lage sind, die Verwaltung der unterentwickelten Länder zu kontrollieren - ein Prozess, der Kolonialismus genannt wird - können sie einen großen Teil der Bauernschaft von dem Land vertreiben, das diese traditionellerweise besitzen (indem sie zum Beispiel Steuern auferlegen, die nur aus den Löhnen gezahlt werden können). Diese ruinierten Handwerker und landlosen Bauern sind gezwungen, zu Hungerlöhnen auf Plantagen oder in Bergwerken zu arbeiten, die sich im ausländischen Besitz befinden, wo billige Rohmaterialien und Lebensmittel für die entwickelten Länder produziert werden (zu einem sehr hohen Gewinn für die beteiligten Unternehmen, was ein weiterer Grund für den Kapitalexport ist).

14. Was sind Superprofite?

Darunter ist der Mehrwert zu verstehen, den sich eine kapitalistische Klasse durch die Ausbeutung des Arbeiters im Ausland aneignet, wo der Stand der Zivilisation (und deshalb auch der Wert und der Preis der Ware Arbeitskraft) niedriger ist als in entwickelten kapitalistischen Ländern, so dass die Profitrate (oft beträchtlich) höher ist.

15. Was ist eine Kolonie?

Eine Kolonie ist ein Land, das direkt von einem entwickelten kapitalistischen Land regiert wird, wie zum Beispiel Gibraltar oder Nordirland.

16. Was ist eine Halbkolonie?

Das ist ein Land, das formell unabhängig ist, aber tatsächlich von einer ausländischen Macht beherrscht wird (wie zum Beispiel Saudi-Arabien).

17. Einige Leute behaupten, dass die Arbeiterklasse eines entwickelten kapitalistischen Landes als Ganze an der Ausbeutung eines kolonialen Landes beteiligt ist. Stimmt das?

Nein. Die Superprofite aus der Ausbeutung der arbeitenden Menschen eines kolonialen Landes gehen an die Kapitalisten der betreffenden entwickelten kapitalistischen Länder. Während ein kleiner Teil dieser Superprofite für die Korrumpierung von hochbezahlten Arbeitern (meist die Funktionäre der Arbeiterbewegung, die als Sachwalter des Kapitals agieren) verwendet wird, erhalten die Arbeiter als solche nur den Wert ihrer Arbeitskraft in Gestalt des Lohnes und werden nicht an den Superprofiten beteiligt.

Dennoch ruft die Tatsache des Bestehens einer schmalen Schicht von Arbeitern, die mit  imperialistischen Superprofiten bestochen werden (die so genannte ‘Arbeiteraristokratie’),  objektiv eine Spaltung in der Arbeiterklasse hervor, was die Entwicklung einer sozialistischen Bewegung erschwert. Hauptsächlich ist jedoch die Tatsache, dass sich der Lebensstandard der britischen Arbeiterklasse in den vergangenen hundert Jahren erhöht hat, nicht darauf zurückzuführen, dass sie an Löhnen mehr als den Wert ihrer Arbeitskraft erhält, sondern weil der Wert ihrer Arbeitskraft angestiegen ist. Ein beträchtlich Teil der Superprofite aus den kolonialen Ländern wird zur Anhäufung von Kapital und zur Mechanisierung der Produktion zuhause verwendet, wodurch die Produktivität ansteigt und damit auch der ‘Stand der Zivilisation’, was wiederum mit in die Bestimmung des Werts der Arbeitskraft eingeht. Mit anderen Worten: Die Gesamtproduktion ist im Verlauf des letzten Jahrhunderts stark angestiegen und der Arbeiterklasse ist ein kleinerer Teil davon in Form höherer Löhne zugefallen. Jedoch ist der Gesamtanteil der Löhne der Arbeiterklasse gefallen, was bedeutet, dass die Ausbeutung der britischen Arbeiterklasse in dieser Zeit zugenommen hat.

18. Die wirtschaftliche Umgestaltung eines kolonialen Landes begrenzt beizeiten die Nützlichkeit dieses Landes für die betreffenden entwickelten kapitalistischen Länder. Wie ist dieser Prozess zu erklären?

Die Kapitalisten des dominierenden Landes benötigen eine Schicht von gut ausgebildeten Arbeiter in diesem Lande, um ihnen als Beamte, Büroarbeiter usw. zu dienen. Diese Menschen fühlen sich jedoch dadurch benachteiligt, dass die höheren Positionen den Vertretern der herrschenden ausländischen Macht vorbehalten sind. Darüberhinaus versuchen die ausländischen Kapitalisten zwar die kapitalistische Entwicklung in den kolonialen Ländern zu begrenzen; sie benötigen jedoch Eisenbahnlinien, Häfen usw., um Rohstoffe und Lebensmittel aus dem Land zu schaffen. Das trägt zur Entwicklung einer nationalen kapitalistischen Klasse oder einer ‘nationalen Bourgeoisie’ bei, die jedoch auf vielerlei Weise von der dominierenden ausländischen Macht benachteilt wird, was dazu beiträgt, dass sich das politische Bewusstsein dieser nationalen Bourgeoisie entwickelt. Dies führt auch zu einer gewissen Entwicklung der heimischen kapitalistischen Industrie, die mit der Exportindustrie des entwickelten kapitalistischen Landes im Wettbewerb steht. Dadurch entwickelt sich eine Industriearbeiterklasse, die zwar nicht sehr groß, jedoch relativ konzentriert ist. Dies trägt zur Entstehung einer Arbeiterbewegung bei, die sich für höhere  Löhne und bessere Arbeitsbedingungen einzusetzen beginnt. All diese Faktoren zusammen genommen führen zum Aufkommen einer nationalen Befreiungsbewegung, die anfangs von der nationalen Bourgeoisie geführt wird, deren Ziel es ist,  das koloniale Land von der Vorherrschaft und Ausbeutung der ausländischen Kapitalisten  zu befreien.

19. Wie reagieren die Kapitalisten der dominierenden ausländischen Macht auf die Entstehung einer nationalen Befreiungsbewegung?

Zunächst versuchen sie, sie gewaltsam zu unterdrücken. Wenn dann jedoch die nationale Befreiungsbewegung eine gewisse Stärke erreicht hat, wird der Versuch unternommen, sie dadurch zu neutralisieren, dass ein Teil der politischen Macht auf eine Gruppe von Grundbesitzern und Kompradorkapitalisten, die von der ausländischen Macht abhängig sind, übertragen wird. Sie sind jedoch von der ausländischen Macht abhängig und und nur so in der Lage, die arbeitende Bevölkerung auszubeuten.

20. Was ist Imperialismus?

Imperialismus ist ein anderer Name für den Monopoloder Finanzkapitalismus.  Eine kapitalistische Gesellschaft hat dann das Stadium des Imperialismus erreicht, wenn

1. die Konzentration und Zentralisation des Kapitals einen Punkt erreicht hat, an dem durch diese Entwicklung Monopole entstanden sind, die eine entscheidende Rolle im wirtschaftlichen Leben spielen;

2. der Zusammenschluss von Bank- und Industriekapital einen Punkt erreicht hat, an dem auf der Grundlage des Finanzkapitals eine Finanzoligarchie entstanden ist;

3. der Kapitalexport, im Unterschied Warenexport, äußerst bedeutsam geworden ist.

Auf internationaler Ebene müssen wir die Entstehung internationaler Monopole und die Tatsache zur Kenntnis nehmen, dass schon 1914 sämtliche unterentwickelten Länder der Welt in die Einflusssphäre der einen oder anderen imperialistischen Macht gelangt sind, so dass eine weitere imperialistische Ausdehnung nur noch auf Kosten anderer imperialistischer  Mächte stattfinden konnte.

Kurs 4:

Der Staat und der Weg zum Sozialismus

1. Was ist der Staat?

Wie wir im ersten Kurs gesehen haben, ist er im Wesentlichen der Gewaltapparat, durch den eine soziale Klasse über den Rest der Bevölkerung regiert.

2. Welches sind die wichtigsten Organe des heutigen britischen Staates?

Die Monarchie, das ‘House of Lords’ (brit. Oberhaus - Übers.), das ‘House of Commons’ (brit. Unterhaus oder Parlament - Übers.), die rechtsprechende Gewalt, die Gefängnisverwaltung, die Armee, die Polizei, die Sicherheitsdienste, der Staatsdienst, die ‘Church of England’ (die brit. Staatskirche Übers.), der ‘British Broadcasting Service’ (BBC) - britischer Staatssender - Üb.), die staatliche Post und der staatliche Gesundheitsdienst.

3. Welche davon bilden den Kern der Staatsorgane?

Die Streitkräfte, die Polizei und die Sicherheitsdienste. Diese bilden deshalb den Kern, weil das Entscheidende in der Politik stets die physische Macht ist und es sind diese drei Organe, die über eine physische Macht innerhalb des Staates verfügen.

4. Erkläre, was mit dem Satz, die ‘parlamentarische Demokratie’ ist eine falsche Fassade, hinter der sich die Diktatur der kapitalistischen Klasse verbirgt’, gemeint ist.

Das britische Verfassungsrecht besagt, dass die höchste Macht nicht bei dem britischen Unterhaus liegt (dasjenige Organ, das gemeinhin mit dem Begriff ‘parlamentarische Demokratie’ in Verbindung gebracht wird), sondern von ‘der Königin im Parlament’, was soviel besagt wie: die Königin, zusammen mit dem Oberhaus und dem Unterhaus. Das heißt, dass die gesetzgebende Gewalt des britischen Unterhauses (das zur Zeit einzig gewählte Organ) in den meisten Fällen von der Zustimmung des britischen Oberhauses und in allen Fällen von der der Monarchin abhängig ist. Hinzukommt, dass die Gesetzgebung  der ‘Auslegung’ durch die Gerichte unterliegt und nur in Zusammenarbeit mit den Spitzen  des Staatsdienstes umgesetzt werden kann. Jedoch werden weder die Monarchie noch die richterliche Gewalt noch die Spitzen des  Staatsdiensts demokratisch gewählt. Diese Positionen sind den Vertretern der kapitalistischen Klasse oder auch der Aristokratie vorbehalten (die inzwischen mit der kapitalistischen Klasse verschmolzen ist).

Darüber hinaus rekrutieren sich die Spitzen der Streitkräfte und die der Sicherheitskräfte - die wichtigsten Organe des Staates - auch aus der kapitalistischen Klasse und verfasssungsrechtlich gesehen sind sie nicht den ‘Menschen’ oder dem britischen Unterhaus verantwortlich, sondern der Monarchin. Sie stehen somit der Königin zur Verfügung, um gegebenenfalls im Auftrag der kapitalistischen Klasse die ‘Verfassung zu verteidigen’. Die ‘parlamentarische Demokratie’ ist also eine falsche Fassade, die den wahren Charakter des Staates als einen Apparat, der die Diktatur der kapitalistischen Klasse verkörpert, verschleiert. Das Parlament ist somit nichts anderes als ein ‘talking shop’ (eine Quaselbude), um die Massen glauben zu machen, dass es ‘ihnen dient’.

5. Nimm einmal an, dass deine Partei - eine Partei ehrlicher Sozialisten - eine Mehrheit im Unterhaus nach einer Unterhauswahl gewonnen hat. Welche Schritte würdest du jetzt einleiten, um den Sozialismus einzuführen?

Selbst das Stellen einer solchen Frage erfordert schon sehr viel Einbildungskraft. Es würde sicherlich einige Zeit dauern, bis sich eine solche Meinung der Wähler bei einer Unterhauswahl herausbilden würde und dies würde der kapitalistischen Klasse sicherlich auch nicht entgehen. Da diese Klasse ganz sicher jedes Mittel zur Anwendung bringen würde, das ihr zur Verfügung steht, um ihren Reichtum, ihre Macht und ihre Ausbeuter’rechte’ zu bewahren - natürlich im Namen der Verteidigung der ‘Freiheit’ und der ‘moralischen Werte’ - würde sie natürlich im Vorfeld der Wahlen Schritte einleiten (die Änderung der Wahlgesetze, der Wahlbezirke, das direkte Verbot deiner ‘subversiven’ Partei), um ein solches Wahlergebnis zu verhindern.

Lasst uns aber einmal annehmen, dass aufgrund eines Wunders und der Dummheit der kapitalistischen Klasse, sie es unterlässt, solche vorbeugenden Maßnahmen zu treffen. Deine Partei muss dann hoffen, dass die Queen den Führer deiner Partei einlädt, eine Regierung zu bilden. Es ist eine alte Tradition, dass die Monarchin den Führer der Partei mit der größten Zahl von Sitzen im Unterhaus auffordert, das Amt des Premierministers zu übernehmen; sie ist dazu aber verfassungsrechtlich nicht verpflichtet. Lasst uns einmal annehmen, dass sie dies tut und das der Führer deiner Partei sein vorläufiges Kabinett aufstellt. Bevor die vorgesehenen Minister jedoch ihr Amt antreten dürfen, haben sie nach verfassungsmäßigem Brauch einen Treueeid auf die Monarchin zu leisten. Da im Wahlprogramm deiner Partei sicherlich auch die Forderung nach Abschaffung der undemokratischen Monarchie stand, wäre die Verhaftung dieser Minister wegen Leisten eines Meineids als völlig legitim anzusehen. Und wenn dann eine genügend große Zahl deiner Abgeordneten (völlig legitim übrigens) verhaftet worden sind, wird deine Partei nicht mehr über eine Mehrheit im Unterhaus verfügen.

Lasst uns deshalb ein weiteres Wunder annehmen: Die kapitalistische Klasse ist zu blöd, um verfassungsrechtliche Schritte zu unternehmen, um zu verhindern, dass deine Partei ihr Amt antreten kann und diese beschließt nun Gesetze, um die wichtigsten Produktionsmittel zu sozialisieren.

Eine solche Gesetzgebung kann nur mit Zustimmung des britischen Oberhauses und der Königin (diese kann das Gesetzgebungsverfahren bis auf unbegrenzte Zeit hinauszögern) verabschiedet werden, so dass wir uns weitere Wunder ausdenken müssen, damit dein sozialistisches Programm Gesetz werden kann.

Die Kapitalisten können sich an die Gerichte wenden, damit diese entscheiden, dass eine solche Gesetzgebung gegen das Recht verstößt und weitere Wunder sind nötig, um die Richter der herrschenden Klasse dazu zu veranlassen, dass sie sich für ein sozialistisches Programm entscheiden.

Darüber hinaus erfordert die Umsetzung einer solchen sozialistischen Gesetzgebung die Kooperation durch die Spitzen des Staatsdienstes, die ebenfalls aus der herrschenden Klasse kommen, so dass ihr Mitmachen ein weiteres Wunder erforderlich macht. Und noch ein Wunder müssen wir voraussetzen: Nach der Verfassung können die Streitkräfte, deren Spitzen ebenfalls aus der herrschenden Klasse kommen, im Falle eines ‘Notstandes’ auf Verlangen der Monarchin/des Monarchen das Kriegsrecht einführen und diktatorisch regieren. Dass reaktionäre Militärputsche sich nicht auf entfernt gelegene Länder beschränken, zeigte sich bei der berüchtigten Curragh-Meuterei 1914, die zur Teilung Irlands führte. Also muss noch ein zusätzliches Wunder angenommen werden, um die Monarchin und die bewaffneten Streitkräfte zu inaktivieren. Solch eine stattliche Serie an Wundern ereignet sich nicht im wirklichen Leben und es somit klar, dass die Vorstellung von einem verfassungsmäßigen Übergang zum Sozialismus absurd ist.

6. Was ist eine politische Partei?

Dies ist eine Organisation, die den politischen Interessen einer sozialen Klasse (bzw. einem Teil einer solchen) dient.

7. Das britische parlamentarische System wird meist als ein ‘Zwei-Parteien-System’ beschrieben. Was bedeutet das?

Das System soll der Wählerschaft die Wahl zwischen zwei großen Parteien geben. Beide Parteien, d.h. die Gesamtheit an Abgeordneten jeder Partei, erklären, dass sie sich nicht an die Beschlüsse ihrer Parteitage gebunden fühlen und beide unterstützen die Aufrechterhaltung der kapitalistischen Gesellschaft. So kommt es, dass nach einer Wahl  eine dieser Parteien die Regierung Ihrer Majestät bildet und die andere die Opposition Ihrer Majestät. Wenn nach einer bestimmten Zeit die Mehrheit der Wähler mit der Regierung  nicht mehr zufrieden ist, kann sie bei einer Wahl von einer anderen Partei, ohne das kapitalistische System ins Wanken zu bringen, ersetzt werden.

Das Zwei-Parteien-System legt kleineren Parteien ganz bewusst große Hindernisse in  den Weg: Große Sicherheitssummen verfallen, wenn es einem Kandidaten nicht gelingt,  einen bestimmten Anteil der Stimmen auf sich zu vereinigen. Es gibt kein System der Verhältniswahl, was dazu führen kann, dass eine Partei 49% der Stimmen bei einer Parlamentswahl erhält, ohne einen einzigen Abgeordneten ins Parlament zu bekommen. Die Fernsehwerbung beschränkt sich auf diejenigen Parteien, die eine bestimmte Anzahl von Kandidaten aufgestellt haben. Wähler, die mit beiden Parteien unzufrieden sind, stimmen oft für die Partei, die sie als ‘kleineres Übel’ ansehen, weil sie meinen, dass es für eine kleinere Partei, die sie tatsächlich unterstützen, ohnehin unmöglich ist, eine Regierung  zu bilden, so dass also die Stimmabgabe für sie ‘nutzlos ist’ und sogar dazu beitragen kann, dem ‘größeren Übel’ durch die ‘Aufteilung der Stimmen’ zu helfen.  Die britische ‘parlamentarische Demokratie’ ist eindeutig darauf angelegt, wie Marx sich ausdrückte, die Wählerschaft nur entscheiden zu lassen, welche Gruppe von kapitalistischen Politikern ihre Interessen in den nächsten fünf Jahren mit Füßen treten soll.

8. Beschäftige dich mit der Aussage: ‘Der britische Staat ist ein Wohlfahrtsstaat’.

Es muss zunächst daran erinnert werden, dass die sozialen Dienste ihren Ursprung nicht in irgendeiner ‘humanitären Fürsorge’ seitens der Kapitalisten für die arbeitende Bevölkerung haben, sondern in der Verbreitung von Epidemien von den Slums hin zu den Wohngebieten der herrschenden Klasse sowie in der Entdeckung zur Zeit des Burenkrieges, dass 50% der Rekruten der Arbeiterklasse für den Militärdienst untauglich waren.  Die Erfahrung zwang somit die Kapitalisten, schon vor langer Zeit einzusehen, dass der Staat als Herrschaftsinstrument solche Maßnahmen auf dem Gebiet der sozialen Fürsorge zu treffen hatte, die gewährleisteten, dass die Arbeiter ein Minimum an Gesundheit besaßen, um für sie einen Mehrwert zu erzeugen und in ihren Kriegen kämpfen zu können.

Ausgehend von diesem Prinzip war es stets das Ziel der kapitalistischen Klasse, das Niveau der sozialen Dienstleistungen auf einem Stand zu gewährleisten, der gerade noch ausreichte, um diesen Zweck zu erfüllen; insbesondere um zu garantieren, dass die Zuwendungen wesentlich unter den Durchschnittslöhnen blieben und dass die Arbeiterklasse selbst für die sozialen Dienste (über Steuern, Versicherungen und Abgaben usw. ) aus dem Lohn aufzukommen hatte - in vielen Fällen nach einer entwürdigenden Bedürftigkeitsermittlung. Diese Dinge werden natürlich durch den Klassenkampf der Arbeiterklasse mitbeeinflusst, die Zahlen belegen jedoch, dass eine durchschnittliche Arbeiterfamilie wesentlich mehr an Steuern, Beiträgen usw. zahlt als sie an sozialen Dienstleistungen zusammengenommen zurückerhält.

9. Was ist Nationalisierung?

Darunter versteht man die Übernahme eines Unternehmens, das vorher Privateigentum war, durch den Staat.

10. Ist die Nationalisierung in einer kapitalistischen Gesellschaft eine sozialistische Maßnahme?

Da der Staat in einer kapitalistischen Gesellschaft der Herrschaftsapparat der kapitalistischen Klasse ist, stellt die Nationalisierung in keinster Weise eine sozialistische Maßnahme dar. Sie bedeutet lediglich den Übergang eines Unternehmens aus dem Eigentum eines einzelnen Kapitalisten in das Eigentum der kapitalistischen Klasse als solcher. Die allerreaktionärsten Regierungen haben auf Maßnahmen der Nationalisierung zurückgegriffen, hauptsächlich auf den Gebieten der Kommunikation und des Treibstoffs, die der kapitalistischen Klasse als Ganzer dienen (z.B. die Post, die Eisenbahnen, die Fluglinien, Gas, Kohle, Elektrizität usw.). Die Überlegung, die hinter der Nationalisierung steht, besteht darin, billige und effiziente Dienstleistungen auf diesen Gebieten zum Nutzen der kapitalistischen Klasse als solcher anzubieten und die Nationalisierung wird gewöhnlich dort vorgenommen, wo das private Unternehmertum seine Monopolmacht dazu ausnutzt, um andere kapitalistische Unternehmen mit extrem hohen Abgaben zu belegen. Ein weiterer Grund besteht darin, dass private Unternehmen oft nicht mehr in der Lage sind, einigermaßen effiziente Dienstleistungen auf einigen Gebieten, die für die gesamte kapitalistische Klasse von Bedeutung sind, bereitzustellen.

Wenn ein Unternehmen von der kapitalistischen Klasse nationalisiert wird, werden die ehemaligen Eigentümer gewöhnlich großzügig durch zinsträchtige Schuldverschreibungen abgefunden, die sie in die Lage versetzen, die Ausbeutung der Arbeiterklasse mit Hilfe der durch den Staat garantierten Profiten fortzusetzen. Die Organe, die diese nationalisierten Industriezweige verwalten, werden von den Mitgliedern der kapitalistischen Klasse dominiert (oft sogar von den ehemaligen Eigentümern, die dann zusätzlich zu den Zinsen auch noch Direktorengehälter erhalten). Wie die Arbeiter in den nationalisierten Industriezweigen aus eigener Erfahrung wissen, geht der Klassenkampf in ihnen unvermindert weiter, aber es  stellt sich jetzt für die Arbeiter die Aufgabe, nicht nur gegen ein einzelnes privates Management anzukämpfen, sondern gegen den kapitalistischen Staat.

11. Was ist ‘staatsmonopolistischer Kapitalismus’?

Mit der Entwicklung des Monopolkapitalismus - des Imperialismus - wird der Staat immer weniger der Herrschaftsapparat der kapitalistischen Klasse als Ganzer und wird in zunehmendem Maße der herrschenden Clique von Monopolkapitalisten untergeordnet und wird so immer mehr zum Staatsapparat der Finanzoligarchie. Mit dem imperialistischen Stadium der Entwicklung des Kapitalismus ist auch eine große Ausweitung des Staatsapparats, sowohl auf dem Gebiet der physischen Macht als auch auf dem der Regulierung des wirtschaftlichen, politischen und kulturellen Lebens verbunden. Diese Ausweitung trägt keinen ‘sozialistischen’ Charakter. Sie wird im Interesse des Monopolkapitals unternommen und Marxisten-Leninisten bezeichnen diese Entwicklung als ‘staatsmonopolistischen Kapitalismus’.

12. Was ist ein ‘korporativer Staat’?

Dies ist die Vorstellung von einem Staat, die ursprünglich von rechtsgerichteten katholischen Politikern entwickelt wurde. Ihr Hauptzweck besteht in der ‘Abschaffung des Klassenkampfes’ (tatsächlich in seiner Unterdrückung) durch die Abschaffung der Tarifautonomie zwischen den Gewerkschaften und den Organisationen der Unternehmer. In einem korporativen Staat werden ‘Verhandlungen’ über Löhne, Arbeitsbedingungen usw. von ‘Korporationen’, die sich aus Vertretern der Unternehmer und des Staates und auch aus ‘Arbeitervertretern’ zusammensetzen, geführt.

Schritte seitens der britischen Regierung, die Tarifautonomie einzuschränken, müssen als Schritte in die Richtung eines korporativen Staates gesehen werden, während eine Propaganda zugunsten einer ‘Arbeiter’vertretung in der Industrie oder zugunsten einer ‘Arbeiter’kontrolle als eine pseudolinke Propaganda eingeschätzt werden muss, die auf die Errichtung eines korporativen Staates abzielt.

13. Was ist Faschismus?

Faschismus ist die offen terroristische Diktatur einer reaktionären Klasse (meistens des Monopolkapitals), die durch eine halbmilitärische politische Partei ausgeübt wird. Der Name leitet sich ab von ‘fasces’ oder Rutenbündel - das Enblem des Römischen Kaiserreiches, das von den italienischen Faschisten übernommen wurde. Eine faschistische Partei rekrutiert sich hauptsächlich aus reaktionären Elementen der Kleinbourgeoisie sowie des Lumpenproletariats (die heruntergekommene, kleinkriminelle Schicht des Proletariats). Sie wird, soweit es die Situation erfordert, vom Kapital finanziert und von ihren bewaffneten Streitkräften (meist inoffiziell) bewaffnet. Eine faschistische Partei wendet sich auf demagogische Weise an die politisch rückständigsten Teile der Arbeiterklasse (weshalb sie sich Namen gibt wie ‘nationalsozialistisch’ z.B.) und die des Kleinbürgertums (weshalb sie so tut, als ob sie ‘gegen Monopole’ wäre); der größte Teil der Propaganda jedoch basiert auf einem Appell an rassistische und nationalistische Vorurteile. Ihre Aufgabe besteht darin, den Versuch zu unternehmen, die Organisationen der Arbeiterklasse gewaltsam zu zerschlagen und die Fassade der ‘parlamentarischen Demokratie’ durch eine offene Diktatur zu ersetzen, die über alle Bereiche des sozialen Lebens eine repressive Kontrolle (Totalitarismus) errichtet. Innerhalb dieser Diktatur regiert die faschistische Partei diktatorisch (häufig im Namen eines ‘unfehlbaren’ Führers) im Interesse der herrschenden Klasse.

14. Wenn es stimmt, dass der Sozialismus nicht durch die ‘parlamentarische Demokratie’ errichtet werden kann, wie kann er dann errichtet werden?

Er kann nur durch eine sozialistische Revolution errichtet werden, die erfordert, dass die Arbeiterklasse ihren eigenen Gewaltapparat aufbaut, der stark genug sein muss, um den Gewaltapparat  der kapitalistischen Klasse zu zerstören.

15. Gibt es Umstände, unter denen die Arbeiterklasse den Übergang zum Sozialismus friedlich durchsetzen kann?

Dies kann sich nur unter ganz außergewöhnlichen Umständen zutragen und dies hat sich dort zugetragen, wo die kapitalistische Klasse zeitweise ohne effektiven staatlichen Gewaltapparat auskommen musste und so nicht in der Lage war, der Ergreifung der politischen   Macht durch die Arbeiterklasse entgegenzutreten (wie in Finnland und Ungarn am Ende des  Ersten Weltkriegs).

Theoretisch könnte es zu einem friedlichen Übergang in einem Lande kommen, wo die kapitalistische Klasse zwar einen staatlichen Gewaltapparat besitzt, sich jedoch nicht der ausländischen Unterstützung erfreuen kann und sich einem Gewaltapparat der Arbeiterklasse gegenübersieht, der so mächtig ist, dass ein gewaltsamer Widerstand zwecklos erscheint. Unter solchen Umständen könnte die Möglichkeit gegeben sein, die kapitalistische Klasse auf friedlichem Wege ‘abzufinden’.

Diese theoretische Möglichkeit eines friedlichen Weges zum Sozialismus verdeutlicht, dass je stärker der revolutionäre Gewaltapparat ist, der von der Arbeiterklasse aufgebaut wurde, umso größer die Möglichkeit (und nicht mehr als nur das) eines friedlichen Übergangs wird. 

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‘Prinzipien des Marxismus-Leninismus’

(Ein Lehrgang)

W. B. Bland:

Kurs 5:

Die Partei der Arbeiterklasse

1. Was ist Reformismus?

Reformismus ist eine Strömung innerhalb der Arbeiterbewegung, die versucht, die Ziele  der Arbeiterklasse auf die allmählich Durchsetzung sozialer Reformen im Rahmen des  Kapitalismus zu begrenzen.

In der Praxis lehnt der Reformismus die Vorstellung eines unversöhnlichen Klassengegensatzes zwischen der Arbeiterklasse und der kapitalistischen Klasse ab und predigt, dass soziale Reformen nach und nach durch eine Politik der Klassenzusammenarbeit zwischen der Arbeiterklasse und der kapitalistischen Klasse auf den Weg gebracht werden können. Die große Mehrheit der Führer der britischen Arbeiterklasse sind immer Reformisten gewesen. Ihre Praxis der Klassenzusammenarbeit hat sie zu prinzipienlosen Gegnern jeder militanten Aktion auf Seiten der Arbeiter werden lassen. Ihr Anliegen, soziale Reformen nur innerhalb der kapitalistischen Gesellschaft anzustreben, führt dazu, dass sie zwangsläufig eine Politik mittragen, die darauf angelegt ist, den Kapitalismus profitabel funktionieren zu lassen. Ihre sich daraus ergebende Rolle als Leutnants der kapitalistischen Klasse in der Arbeiterbewegung wird täglich neu sichtbar.

2. Was ist ‘Fabianismus’?

Es ist die theoretische Grundlage des britischen Reformismus, die von Intellektuellen der Gesellschaft der Fabier (‘Fabian Society’) wie der Soziologen Sidney und Beatrice Webb und dem Schriftsteller George Bernard Shaw ausgearbeitet wurde. Der Name  leitet sich ab von dem römischen General Fabius Cunctator (‘Der Zögernde’), der eine  Militärtheorie des Guerillakampfes gegen einen mächtigeren Gegner entwickelte. Dem Fabianismus zufolge kann eine kapitalistische Gesellschaft in eine sozialistische verwandelt werden, ohne dass mit einem gewaltsamen Widerstand von Seiten der kapitalistischen Klasse gerechnet werden muss, wenn der Übergang nur in ausreichend kleinen Schritten erfolgt. Daraus folgt, dass jede vorgebrachte Sozialreform, die auf den  energischen Widerststand der kapitalistischen Klasse stößt, für die Fabier zu ‘drastisch’ ist und deshalb auf später vertagt werden muss. Da jedoch jede soziale Reform, die wichtige Einschnitte in die kapitalistische Gesellschaft vornehmen würde, auf den heftigen  Widerstand der kapitalistischen Klasse stoßen würde, ist die logische Konsequenz einer Befürwortung des Fabianismus die, jede radikale Sozialreform auf eine unbestimmte Zukunft zu verschieben.

3. Es ist offenkundig, dass die Ansicht, die Arbeiterklasse könne durch eine Politik der Klassenzusammenarbeit mehr gewinnen als durch eine Politik des Klassenkampfes, eine Illusion ist. Wenn jedoch die Arbeiterklasse in der Zeit der Vorherrschaft des Reformismus in der britischen Arbeiterbewegung keinerlei Fortschritte erzielt hätte, wäre diese Illusion längst wie eine Seifenblase zerplatzt. Die Basis für den Einfluss des Reformismus sind echte Errungenschaften der Arbeiterschaft gewesen.

Worin besteht die Quelle dieser Errungenschaften?

Die ersten britischen Arbeiterorganisationen (vor 1815) waren militant, sozialistisch und illegal. Großbritannien entwickelte sich jedoch zur ersten Industrienation der Welt zur Werkstatt der Welt mit dem Ergebnis, dass die britische kapitalistische Klasse schon zu einem sehr frühen Zeitpunkt in der Lage war, ‘ein Imperium aufzubauen, über dem die Sonne nie mehr untergeht’! Mit Beginn der 50iger Jahre des 19. Jahrhunderts fingen sie damit an, einen kleineren Teil der riesigen Superprofite, die aus den britischen Kolonien und Halbkolonien zurückflossen, dazu zu verwenden, eine höhere Schicht der gelernten Handwerker dadurch zu ‘korrumpieren’, dass sie ihnen einen Lohn zahlten, der geringfügig über dem Wert ihrer Arbeitskraft lag.

Aus dieser Arbeiteraristokratie bildete sich eine neue Strömung der Gewerkschaftsbewegung: die ‘Neuen Mustergewerkschaften’, die den Klassenkampf und sozialistische Zielsetzungen ablehnten und ihre Aktivitäten auf Lohnverhandlungen zu Fragen der Bezahlung, Arbeitszeiten usw. beschränkten.  Man darf jedoch nicht vergessen, dass der größte Teil dieser Superprofite für die Anhäufung von Kapital Verwendung fand, was zu einem massiven Anstieg der Produktivität, des ‘Grades der Zivilisation’ in Großbritannien und damit auch zum Anstieg des Werts der Arbeitskraft führte. Die eigentlichen Errungenschaften für die Arbeiterklasse in den vergangenen hundert Jahren Errungenschaften, die die Grundlage für die Illusionen des Reformismus abgeben sind hauptsächlich auf den Anstieg des Werts der Arbeitskraft sowie auf die Tatsache zurückzuführen, dass die Anpassung des Lohnniveaus, die diesen Anstieg verkörpert, zum größten Teil mittels der reformistischen Verhandlungsmaschinerie zustandekamen.

Die eigentlichen Errungenschaften der britischen Arbeiterklasse in den vergangenen hundert Jahren sind somit indirekt auf die Ausbeutung der arbeitenden Menschen in den kolonialen Ländern durch die britischen Kapitalisten zurückzuführen. Aber trotz des Anstiegs der Reallöhne der britischen Arbeiterklasse während dieser Zeitspanne ist die Ausbeutungsrate der britischen Arbeiter beteutend angestiegen. Und hätte es außerhalb der reformistischen Verhandlungsmaschinerie keinen ‘inoffiziellen’ Klassenkampf gegeben, wäre die Ausbeutungsrate noch stärker gestiegen.  Es muss betont werden, dass die Masse der britischen Arbeiterklasse zu keiner Zeit direkt an den kolonialen Superprofiten beteiligt wurde. Die ‘Bestechung’ hierdurch betraf nie mehr als nur eine kleine Schicht der Arbeiterklasse und heute, nach dem Niedergang des britischen Imperialismus seit dem Zweiten Weltkrieg, besteht die ‘Arbeiteraristokratie’ hauptsächlich aus der Bürokratie der Arbeiterbewegung.

4. Wir haben gesehen, dass eine politische Partei eine Organisation ist, die den politischen Interessen einer sozialen Klasse oder eines Teils der sozialen Klasse dient. Welche Klasseninteressen werden von der Konservativen Partei wahrgenommen?

Die Konservative Partei ist mehr oder weniger die Hauptpartei des britischen Monopolkapitals, des britischen ‘Big Business’. Was die arbeitenden Menschen betrifft, wendet sie sich bei Wahlen an jene Arbeiter, deren Klassenbewusstsein so wenig entwickelt ist, dass sie ihre eigenen Interessen mit denen der Aristokratie oder der Großindustrie gleichsetzen.

5. Welche Klasseninteressen werden von den Liberaldemokraten wahrgenommen?

Die Liberaldemokraten stehen für die Aufrechterhaltung der kapitalistischen Gesellschaft  ein und verhalten sich den Gewerkschaften gegenüber feindselig. Sie dienen somit objektiv gesehen den Interessen des Monopolkapitals. Wegen ihrer kritischen Einstellung gegenüber der Konservativen Partei und dem Monopolkapital wenden sie sich bei Wahlen an jene arbeitenden Menschen, die, auch wenn sie den Kapitalismus verteidigen und die Labour Partei als ‘zu extrem’ ansehen, der Entwicklung des Monopolkapitalismus kritisch gegenüberstehen und die Konservative Partei als Partei durchschauen, die ganz offen die Interessen des Monopolkapitals vertritt.

6. Welche Klasseninteressen vertritt die Labour Partei?

Auch wenn die Labour Partei gegründet wurde, um Arbeitern eine ‘Stimme’ im Parlament zu geben, war sie tatsächlich nie eine Partei, die die Interessen der Arbeiterklasse vertreten hat, denn eine solche Partei muss eine revolutionäre sozialistische Partei sein, die sich auf die Prinzipien des Marxismus-Leninismus stützt. Antimarxistisch von Anbeginn, predigte die Labour Partei seit ihrer Gründung die reformistische Theorie, dass der Staat ein neutraler Apparat ist, den die Arbeiterklasse durch Eroberung einer Mehrheit im Parlament nutzen sollte, um ihre Interessen dort zu vertreten. Ihre Ideologie des Fabianismus veranlasste die Labour-Regierungen, eine Politik zu betreiben, die darauf abzielt, den Kapitalismus über  einen unendlich langen Zeitraum hinweg durch allmähliche Sozialreformen profitabel arbeiten zu lassen. Trotz der Tatsache also, dass sich ihre Mitgliedschaft in erster Linie aus der Arbeiterklasse rekrutiert und trotz der Tatsache, dass die Gewerkschaften mit ihr verbunden sind, dient die Labour Partei objektiv den Interessen des Monopolkapitals.

In der Vergangenheit versuchte sie den Eindruck zu erwecken, dass es sich bei ihr um eine Partei handelt, die die Interessen der arbeitenden Menschen vertritt und bei Wahlen wandte sie sich in erster Linie an die Arbeiter, die gerade genug Klassenbewusstsein besaßen, um zu erkennen, dass es so etwas wie Klassenkampf wirklich gibt, so dass es für die arbeitenden Menschen wichtig sei, eine ‘Arbeiter’partei zu besitzen. Ihr Image als ‘Arbeiter’partei versetzte sie in die Lage, im Amt arbeiterfeindliche Gesetze zu verabschieden, die, wenn sie von einer konservativen Regierung verabschiedet worden wären, auf erheblich mehr Widerstand gestoßen wären.

Jedoch angesichts der neuen Weltlage nach der zeitweiligen Zerstörung der internationalen kommunstischen Bewegung sah sich ‘New Labour’ unter Führung von Tony Blair in der Lage, die Maske der ‘Arbeiter’partei abzulegen, um jetzt den Anspruch zu erheben, die Interessen des gesamten Volkes, insbesondere die der Geschäftswelt zu vertreten. Die Labour Partei ist zur Zeit die Hauptreserve des Monopolkapitals, eine Partei, der man ohne weiteres anvertrauen kann, eine Regierung zu bilden, wenn die Konservative Partei die Unterstützung der Wählerschaft eingebüßt hat.

7. Welche Klasseninteressen werden durch die Sozialistische Arbeiterpartei (Socialist Labour Party) vertreten

Die Sozialistische Arbeiterpartei, angeführt von dem Bergarbeiterführer Arthur Scargill, ist eine neue Partei, die den Mantel der ‘Alten Labour Partei’ von ‘New Labour’ übernommen hat. Obwohl ihre erklärte Politik fortschrittlicher ist als die von ‘New Labour’, kann sie nicht die wahren Interessen der arbeitenden Menschen vertreten, da sie keine revolutionäre marxistisch-leninistische  Partei ist. Sie kann deshalb nur die Funktion erfüllen, die arbeitenden Menschen vom richtigen Weg des revolutionären Sozialismus abzulenken. Objektiv gesehen dient auch sie den Interessen des Monopolkapitals und ihre ehrlichen Miglieder werden sich früher oder später enttäuscht von ihr abwenden.

8. Was ist Revisionismus?

Darunter versteht man die ‘Verbesserung’ des Marxismus-Leninismus unter dem Vorwand, ihn ‘schöpferisch weiterzuentwickeln, um den veränderten Bedingungen gerecht zu werden’ und dies auf eine Weise, dass damit den Interessen der kapitalistischen Klasse gedient werden kann.

Die Veröffentlichung des ‘Britischen Wegs zum Sozialismus’ im Jahre 1951 (das neue Parteiprogramm der revisionistischen KP Großbritanniens Übers.), in dem gepredigt wird, dass der Sozialismus in Großbritannien über die ‘parlamentarische Demokratie’ errichtet werden könne, markierte den offenen Übergang  der Kommunistischen Partei Großbritanniens vom Marxismus-Leninismus zum Revisionismus.

Nach Stalins Tod 1953 wurde der Revisionismus in der großen Mehrheit der Parteien, die der Internationalen Kommunistischen Bewegung angehört hatten, vorherrschend und unter der Führung von revisionistischen Parteien wurde ein im Wesentlichen kapitalistisches  System in der Sowjetunion und in den meisten Ländern Osteuropas wieder eingeführt.

9. Welchen Klasseninteressen dient die Kommunistische Partei Großbritanniens?

Die Kommunistische Partei Großbritanniens ist eine Neuauflage der (alten Übers.) KP Großbritanniens (Anmerkung: Nach der Auflösung der KPGB wurde der Name von einer im Wesentlichen trotzkistischen Gruppe übernommen). Sie führt die revisionistische Politik, die von der ehemaligen KPGB vertreten und in ‘Der britische Weg zum Sozialismus’ (das revisionistische Parteiprogramm der alten KPGB Übers.) festgeschrieben wurde, weiter.

Mit anderen Worten: Mit der Aufgabe der Prinzipien des Marxismus-Leninismus besteht für sie nicht mehr die Notwendigkeit, den kapitalistischen Staat in einer sozialistischen Revolution zu beseitigen. Sie predigt die Illusion von einem friedlichen, parlamentarischen Weg zum Sozialismus.

Da sie bemüht ist, die arbeitenden Menschen davon abzuhalten, sich auf eine sozialistische Revolution organisatorisch vorzubereiten der einzig gangbare Weg zum Sozialismus dient die KPGB objektiv den Interessen des Monopolkapitals.

10. Was ist Trotzkismus?

Das ist die organisierte Verfolgung einer Politik, eingehüllt in den Mantel einer pseudolinken, pseudomarxistischen Phraseologie, die objektiv den Interessen des Monopolkapitals dient. Er lehnt insbesondere das marxistisch-leninistische Prinzip ab, dass die sozialistische Revolution zu verschiedenen Zeiten in verschiedenen Ländern durchgeführt wird.

Die Vaterfigur des Trotzkismus, der russische Revisionist Leo Trotzki, kämpfte gegen Lenins Politik des Aufbaus einer disziplinierten Arbeiterpartei und der Herstellung eines Bündnisses mit der Bauernschaft; er kämpfte gegen Lenins und Stalins Politik des Aufbaus des Sozialismus in einem Land. Schließlich kollaborierte er hinter dem Rücken  seiner eigenen Anhänger mit den Geheimdiensten imperialistischer Staaten, mit dem Ziel, die politische Macht der Arbeiterklasse in der Sowjetunion zu stürzen. Nach dem Triumph des Revisionismus in der internationalen kommunistischen Bewegung und der Übernahme der trotzkistischen Verleumdungen gegen den sowjetischen Staat durch die Revisionisten, war der Trotzkismus in Abwesenheit echter marxistisch-leninistischer Parteien in den meisten Ländern in der Lage, zeitweilig Einfluss bei militanten Intellektuellen und Studenten zu gewinnen.

11. Ist eine marxistisch-leninistische Partei nötig, um eine sozialistische Revolution durchzuführen?

Ja, unbedingt.

Wir haben schon gesehen, dass der Sozialismus, ohne dass die Arbeiterklasse einen Gewaltapparat aufbaut, der in der Lage ist, die politische Macht zu ergreifen und den Machtapparat der kapitalistischen Klasse zu besiegen, nicht errichtet werden kann. Aber genausowenig wie eine Armee einen erfolgreichen Krieg ohnen einen Generalstab führen kann, der die militärischen Aktivitäten leitet und koordiniert, genausowenig kann die ‘Armee’ der Arbeiterklasse einen revolutionären Krieg gegen die Kräfte des kapitalistischen Staates ohne einen eigenen ‘Generalstab’, der sie führt und ihre Aktivitäten koordiniert, führen. Die führende Partei der Arbeiterklasse kann nicht eine politische Partei vom alten Schlag wie die Labour Partei sein, die ihre Aktivitäten auf die parlamentarische Arbeit und auf Wahlen im Rahmen der ‘parlamentarischen Demokratie’ beschränkt. Es muss eine ‘Partei neuen Typs’ seins, die so organisiert ist, dass sie in der Lage ist, ihre Rolle als revolutionäre Avantgarde der Arbeiterklasse zu erfüllen. Es muss eine Partei sein, die sich vom Kompass des Marxismus-Leninismus leiten lässt.

12. Was ist ‘demokratischer Zentralismus’ und warum müssen marxistisch-leninistische Parteien sich nach diesem Prinzip organisieren?

Um eine Armee zum Sieg zu führen, muss ihr Generalstab eine einheitliche Marschrichtung an seine Soldaten ausgeben. Wenn verschiedene Generäle unterschiedliche Marschrichtungen verfolgen würden, würde ihre Armee ganz sicher den Kampf verlieren. Eine marxistischleninistische Partei muss deshalb auf der Einheit des Willens beruhen und dies wird durch das Organisationsprinzip des demokratischen Zentralismus erreicht, d.h. dass die Beschlüsse höherer Organe für die untergeordneten Organe und für jedes einzelne Parteimitglied verbindlich sind, während Mehrheitsbeschlüsse  für die Minderheiten ebenfalls verbindlich sind. Dieser Zentralismus muss aber demokratisch sein. Er darf nicht autokratisch sein. Es muss eine freie Diskussion auf allen Ebenen gewährleistet sein, es muss das Recht existieren, Erklärungen gegenüber höheren Organen abzugeben und alle höheren Organe müssen demokratisch, direkt oder indirekt, von der Mitgliedschaft gewählt sein. Die Mitglieder wählen  diejenigen Genossen in die höheren Organe, von denen sie meinen, dass sie das höchste  poltische Niveau und die größte Loyalität zur Klasse und zur Partei besitzen und sie respektieren ihre leitende Funktion solange, wie sie ihr Vertrauen besitzen; andernfalls können und müssen die Führer der Partei durch den gleichen demokratischen Prozess abgelöst werden.

13. Was sind a) Strategie und b) Taktik?

Strategie ist die Festlegung der Richtung des Hauptschlages, den die Arbeiterklasse an einem bestimmten Punkt des revolutionären Prozesses versuchen sollte auszuführen. Taktik ist die Festlegung einer bestimmten Handlungsweise, die die Arbeiterklasse in einer bestimmten Situation kurzfristig verfolgen sollte.

Während es das Ziel der Taktik ist, eine bestimmte Schlacht zu gewinnen, ist es das Ziel der Strategie, den Krieg zu gewinnen.

14. Was ist die Arbeiterbewegung?

Das sind die verschiedenen Massenorganisationen der arbeitenden Menschen. Die Gewerkschaften sind Organisationen der arbeitenden Menschen in ihrer Eigenschaft als Beschäftigte.

Die genossenschaftlichen Vereinigungen (‘cooperative societies’) sind Organisationen der arbeitenden Menschen, in ihrer Eigenschaft als Konsumenten. Die Labour Partei, die Kommunistische Partei Großbritanniens und die Sozialistische Labour Partei sind Organisationen der arbeitenden Menschen in ihrer Eigenschaft als Wähler.

15. Welches Verhältnis sollte die marxistisch-leninistische Partei diesen Massenorganisationen der Arbeiterbewegung gegenüber einnehmen?

Obwohl diese Organisationen aufgrund ihrer Führung, ihrer Politik und ihrer vorherrschenden Ideologien im Prinzip den Interessen des Monopolkapitals dienen, setzen sie sich  aus arbeitenden Menschen zusammen und sogar aus arbeitenden Menschen, die ein in gewisser Weise höheres politisches Niveau haben als jene, die sich noch außerhalb der Arbeiterbewegung befinden. Und es sind diese arbeitenden Menschen, die dazu bestimmt sind, das gesellschaftliche System in ein sozialistisches zu verwandeln. Marxisten-Leninisten müssen deshalb in den Gewerkschaften und genossenschaftlichen Einrichtungen arbeiten, wo sie sich beteiligen müssen und wo sie darum kämpfen müssen, die Führung für die tagtäglichen Kämpfe der arbeitenden Menschen zu übernehmen. Ihr Ziel muss es sein zu beweisen, dass sie durch ihr selbstloses Engagement für die arbeitenden Menschen die aktivsten Kämpfer für ihre Interessen sind. Sie müssen ihr Vertrauen erobern und durch geduldige und prinzipienfeste Arbeit versuchen, die reaktionären Führer dieser Organisationen zu entlarven und sie durch Führer ersetzen, die den arbeitenden Menschen gegenüber loyal sind. Nur wenn eine solche Absetzung sich als unmöglich erweist und wo dies auch von den einfachen Mitgliedern so gesehen wird (weil es den Führern gelingt, ihre Kontrolle über den Apparat der Organisation dazu zu missbrauchen, eine interne Demokratie zu verhindern), ist es angebracht, die ehrlichen einfachen Mitglieder dazu zu veranlassen, sich in unabhängigen Organisationen zu organisieren, in denen es keine Kontrolle durch die Arbeiterleutnants der kapitalistischen Klasse gibt.

Die Erfahrung zeigt, dass man die Massen nicht allein durch Propaganda und Agitation davon überzeugen kann, den revolutionären Weg zum Sozialismus zu beschreiten. Die Strategie der Marxisten-Leninisten muss darauf abzielen, diese Massen in ihren tagtäglichen Kämpfen in einer Weise anzuleiten, dass ihr politisches Bewusstsein durch ihre eigenen Kampferfahrungen angehoben werden kann und auf gleiche Weise zu erreichen, dass die Führung der marxistisch-leninistischen Partei unter den arbeitenden Menschen als Avantgarde Anerkennung findet, um so die politisch fortschrittlichsten Menschen der Arbeiterklasse für die Partei zu gewinnen.

Kurs 6:

Die nationale Frage

1. Was ist eine Nation?

J. W. Stalin: "Eine geschichtlich gewordene stabile Menschengemeinschaft, die aufgrund einer gemeinsamen Sprache, eines gemeinsamen Territoriums, eines gemeinsamen wirtschaftlichen Lebens und aufgrund einer psychischen Wesensart, die in der gemeinsamen Kultur zum Ausdruck kommt, entstanden ist."

Eine Gemeinschaft, der eines dieser Merkmale fehlt, ist keine Nation.

2. Wie entwickelt sich eine Nation?

Die Entwicklung einer Gemeinschaft hin zur Nation durchläuft drei grundlegende Stadien: Das erste Stadium ist das eines Stammes, dem eine Vereinigung von miteinander verwandten Clans zugrundeliegt. Das Stammessystem ist die typische soziale Form der Organisation im Urkommunismus.

In dem Maße wie sich die Stammesgemeinschaft mit der Entwicklung von Werkzeugen und der Technik auflöst, schließen sich die Stämme zu Verbänden und Königreichen zusammen. Es entsteht eine gemeinsame Sprache auf der Grundlage einer Stammessprache. Dieser Prozess führt zur Entwicklung des zweiten Stadiums in der Entstehung einer Gemeinschaft: dem Vorläufer der Nation oder der Nationalität.

Eine Nationalität oder ‘Vornation’ ist eine Gemeinschaft, die nicht mehr auf der Blutsverwandtschaft beruht, sondern auf der geografischen Nähe. Sie besitzt eine gemeinsame Sprache, ein gemeinsames Territorium und eine gemeinsame Kultur, jedoch keinen wirtschaftlichen Zusammenhalt in Gestalt eines gemeinsamen Marktes. Dieser Vorläufer einer Nation ist charakteristisch für die gesellschaftliche Organisation in der Sklavenhaltergesellschaft sowie im Feudalismus.

Mit der Entwicklung des Kapitalismus im Schoße der feudalen Gesellschaft bilden sich die nationenähnlichen Merkmale immer stärker heraus und damit geht die Entwicklung der Schaffung eines wirtschaftlichen Zusammenhalts, eines gemeinsamen Marktes im gesamten Gebiet der Vornation einher. Dieser Prozess verwandelt die Vornation in eine Nation.

3. Was versteht man unter dem Begriff des ‘Rechts einer Nation auf Selbstbestimmung’?

Die Nationen der Welt können in unterdrückte und unterdrückende eingeteilt werden. Eine unterdrückte Nation ist eine, die offen oder verdeckt von einer unterdrückenden Nation zum Vorteil der herrschenden Klasse derselben unterdrückt wird. Sie ist daher nicht frei, über ihr eigenes Schicksal zu entscheiden. Wenn Marxisten-Leninisten sagen, dass sie das Recht einer unterdrückten Nation auf Selbstbestimmung anerkennen, dann meinen sie, dass sie das Recht der unterdrückten Nation auf Herstellung ihrer vollständigen Unabhängigkeit anerkennen und dass sie den Kampf der unterdrückten Nation, ihre Unabhängigkeit von der unterdrückenden Nation zu erlangen, als einen gerechten Kampf ansehen, den sie unterstützen können.

4. Was ist eine Kolonialland?

Dies ist ein Land, das industriell unterentwickelt ist und wirtschaftlich und eventuell auch politisch gesehen von einer größeren Macht beherrscht wird.

5. Was für Arten von Kolonialländern gibt es?

Ein koloniales Land kann sein:

a) Eine Kolonie unter der direkten, offenen politischen Vorherrschaft einer dominierenden Macht, wie z.B. Gibraltar oder Nordirland;

b) Eine Halbkolonie, die formell unabhängig ist, aber in Wirklichkeit von einer größeren Macht zum Nutzen der herrschenden Klasse dieser Macht beherrscht wird (Kolumbien, Saudi Arabien..);

c) Eine Neokolonie, eine ehemalige Kolonie, die zu einer Halbkolonie geworden ist, aber immer noch von einer größeren Macht zum Vorteil und Nutzen der herrschenden Klasse dieser Macht beherrscht wird (Tunesien, Jamaica..).

6. Was ist Nationalismus?

Dies ist eine Ideologie, nach der

a) eine bestimmte Nation anderen Nationen angeblich überlegen ist und

b) die Interessen dieser Nation politisch für die anderen Nationen von ausschlaggebender Bedeutung sind.

7. Ist der Nationalismus fortschrittlich oder reaktionär?

Dort, wo sich eine Nation herausbildet, kann der Nationalismus zeitweilig eine begrenzte fortschrittliche Rolle spielen. Wenn jedoch die kapitalistische Klasse zur herrschenden Klasse der Nation geworden ist, spielt der Nationalismus eine gänzlich reaktionäre Rolle. Er setzt die Interessen der herrschenden, ausbeutenden Klasse gleich mit ‘den Interessen der Nation’ und versucht auf  diese Weise, die Arbeiterklasse davon zu überzeugen, dass es besser ist, den Klassenkampf gegen die Ausbeutung und für die Errichtung einer sozialistischen Gesellschaft ‘im Interesse der Nation’ aufzugeben, womit die Interessen der herrschenden Klasse gemeint sind.

Der Nationalismus spielt auch insofern eine reaktionäre Rolle, als er dazu beiträgt, bei den Arbeitern einer bestimmten Nation gegenüber den Arbeitern anderer Nationen eine Gegnerschaft zu erzeugen, obwohl diese objektiv gesehen ihre Bündnispartner im Kampf für eine sozialistische Welt sind.

8. Wieviele Nationen gibt es auf den Britischen Inseln?

Es gibt davon zwei: die britische und die irische.

Aus geografischen und ethnischen Gründen entwickelten sich auf den Britischen Inseln die Nationen in vier verschiedenen Gegenden: in Irland, Schottland, Wales und England.

Aber bevor die schottische, walisische und englische Nation ihre Entwicklung zur Nation abschließen konnten, vollendete der Aufstieg der kapitalistischen Klasse die ökonomische, politische und kulturelle Vereinigung dieser Vornationen zu einer einzigen britischen Nation. Zur Zeit der bürgerlichen Revolution im 17. Jahrhundert war die britische kapitalistische Klasse zur führenden Kraft innerhalb des herrschenden Klassenbündnisses in Großbritannien geworden.

Obwohl es noch Überreste vornationaler Unterschiede in Sprache und Kultur in Teilen von  Großbritannien gibt, existiert heute ein gemeinsames ökonomisches System, ein gemeinsamer Markt und eine gemeinsame Nation mit größtenteils gemeinsamer Sprache und  Kultur.

In Ireland jedoch, das von Großbritannien durch eine Wasserscheide getrennt ist, vollzog sich die Entwicklung zur irischen Nation selbständig, ohne dass sich ein Zusammenschluss mit den vornationalen Entwicklungen auf der anderen Seite der Irischen See vollzog. Mit der Herausbildung des Kapitalismus, entstand auch die irische Nation. Die irische Nation ist eine unterdrückte Nation. Die nördlichen Grafschaften unterstehen  der direkten Herrschaft des britischen Imperialismus, während die südlichen (die Irische Republik) eine Neokolonie des britischen Imperialismus darstellen. Marxisten-Leninisten betonen das Recht der irischen Nation auf Wiedervereinigung und Unabhängigkeit.

9. Worin besteht die Bedeutung des ‘schottischen und walisischen Nationalismus?

Da das Volk von Schottland und Wales keine Nationen darstellen, sondern Bestandteile der britischen Nation sind, handelt es sich sowohl bei dem ‘schottischen Nationalismus’ als auch bei dem ‘walisischen Nationalismus’ um ein falsches Spiel.

Objektiv gesehen dienen die beiden ‘Nationalismen’ den Interessen des britischen Imperialismus, da sie die Schuld für die Ausbeutung der arbeitenden Menschen von Schottland und Wales einem imaginären Feind, den ‘englischen Imperialisten’, geben. Der schottische und der walisische ‘Nationalismus’ dienen dem britischen Imperialismus dadurch, das hiermit versucht wird, das arbeitende Volk von Schottland und Wales von ihren Verbündeten, den Arbeitern Englands, abzuschneiden, indem unterstellt wird, dass sie (als Mitglied ‘unterdrückter Nationen’) ein gemeinsames Interesse mit den Kapitalisten von Schottland und Wales besitzen. Dennoch unterstützen Marxisten-Leninisten die Autonomie für diese Gebiete in Form einer Dezentralisierung als einen demokratischen Schritt, während sie gleichzeitig anerkennen, dass die Völker von Schottland, Wales und England eine gemeinsame britische Nation bilden.

10. Was ist Rassismus?

Dies ist die Ansicht, dass Menschen einer bestimmten Hautfarbe entweder anderen Menschen anderer Hautfarbe überlegen oder unterlegen sind. Die üblichste Form des Rassismus ist der ‘weiße Rassismus’ (bedingt durch die Geschichte des Imperialismus), der behauptet, dass Menschen mit ‘weißer’ Hautfarbe solchen mit ‘schwarzer’ Hautfarbe überlegen sind.

Die Imperialisten, die eine kleine Minderheit der Weltbevölkerung ausmachen, können ihre Vorherrschaft über das arbeitende Volk nur auf der Grundlage des Prinzips von ‘Teile und herrsche’ aufrechterhalten. Sie versuchen so, die Weißen gegen die Schwarzen, die Christen gegen die Moslems, die Handarbeiter gegen die Kopfarbeiter, die jungen gegen die alten usw. auszuspielen.

Alle Formen des Rassismus, die darauf abzielen, Menschen einer Rasse gegen die Menschen einer anderen auszupielen, dienen den Interessen der Imperialisten. Der schwarze Rassismus, der, obwohl er in gewisser Weise eine Reaktion auf den weißen Rassismus ist, ergänzt diesen. Sowohl die weißen als auch die schwarzen Rassisten sind gegen den Aufbau einer antiimperialistischen Einheitsfront, die die arbeitenden Menschen der imperialistischen Länder mit denen aus den kolonialen Ländern vereinen würde, was  für die Zerstörung des Imperialismus von ausschlaggebender Bedeutung ist.

11. Der revolutionäre Prozess in einem entwickelten kapitalistischen Land besteht aus einem einheitlichen Stadium dem der sozialistischen Revolution. Der revolutionäre Prozess in einem kolonialen Land besteht aus zwei Stadien. Welche sind dies?

Dies ist erstens das Stadium der nationaldemokratischen Revolution, der nationalen Befreiung, die sich gegen die ausländische Vorherrschaft wendet.

Dies ist zweitens das Stadium der sozialistischen Revolution.

12. Die kapitalistische Klasse in einem kolonialen Land besteht aus zwei Fraktionen.

Welche sind das?

Das sind erstens die Kompradorkapitalisten (die hauptsächlich mit dem Bankwesen und dem Handel zu tun haben), die von der herrschenden Macht abhängig sind und die ein objektives Interesse an ihrer Unterstützung besitzen; und das sind zweitens die nationalen Kapitalisten (besonders die, die mit der Industrie zu tun haben), deren Interessen und deren Emporkommen von der dominierenden ausländischen Macht missachtet werden und die von daher ein objektives Interesse an der Beendigung der ausländischen Vorherrschaft haben.

13. Welche sozialen Klassen eines kolonialen Landes besitzen ein objektives Interesse an a) der Ablehnung, b) der Unterstützung einer national-demokratischen Revolution?

Die Klasse der Grundbesitzer sowie die der Kompradorkapitalisten besitzen ein objektives Interesse an der Verhinderung der nationaldemokratischen Revolution. Die nationalen Kapitalisten, die Mittelbauern und armen Bauern, das städtische Kleinbürgertum und die Arbeiterklasse besitzen ein objektives Interesse an ihrer Unterstützung.

14. Welche sozialen Klassen eines kolonialen Landes haben ein objektives Interesse an a) der Ablehnung und b) der Unterstützung der sozialistischen Revolution?

Die Klasse der Grundbesitzer, die städtische und ländliche kapitalistische Klasse und die reicheren Schichten der städtischen Kleinbourgeoisie besitzen ein objektives Interesse an der Verhinderung der sozialistischen Revolution.

Die ärmeren Schichten der Bauernschaft, die ärmeren Schichten des städtischen Kleinbürgertums sowie die Arbeiterklasse besitzen ein objektives Interesse an ihrer Unterstützung.

15. Warum unterstützen Marxisten-Leninisten, deren Hauptziel darin besteht, die sozialistische Revolution herbeizuführen, die national-demokratische Revolution in einem kolonialen Land als erstes Stadium des revolutionären Prozesses?

Sie tun dies, weil durch die nationaldemokratische Revolution bestimmte Klassenkräfte, die der sozialistischen Revolution feindlich gegenüberstehen (Grundbesitzer und Kompradorkapitalisten) durch ein breiteres Klassenbündnis besiegt werden können als durch dasjenige, das an der sozialistischen Revolution ein Interesse hat.

16. Worin besteht demzufolge die marxistisch-leninistische Strategie gegenüber der nationaldemokratischen Revolution in einem kolonialen Land?

Sie besteht darin, sie als ein wichtiges Anfangsstadium des revolutionären Prozesses in einem kolonialen Land zu unterstützen; sie besteht darin, die breitestmögliche Front, die alle sozialen Klassen, die ein objektives Interesse an der Unterstützung der national-demokratischen, umfasst, aufzubauen; darin, die Führung der Arbeiterklasse in dieser anti-imperialistischen Einheitsfront und die Führung der Arbeiterklasse durch die marxistisch-leninistische Partei zu gewährleisten; sie besteht darin, dafür zu sorgen, dass die national-demokratische Revolution ununterbrochen in die sozialistische Revolution hinüberwächst.

Die trotzkistische Parole von ‘Sozialismus jetzt!’ für koloniale Länder, die darauf angelegt ist, ein wichtiges Stadium der Revolution zu überspringen, hilft objektiv gesehen den Feinden des Sozialismus.

17. Welches sind die Ziele der nationalen Kapitalisten in einem kolonialen Land in Bezug auf die nationaldemokratische Revolution?

Sie bestehen darin, die nationaldemokratische Revolution anzuführen und darin, den revolutionären Prozess in diesem Stadium aufzuhalten, um einen kapitalistischen Staat zu errichten, in dem sie, die nationalen Kapitalisten, die politische Macht innehaben und in dem sie die arbeitenden Menschen für ihre Zwecke ausbeuten können. In einem kolonialen Land, in dem es eine entwickelte Arbeiterklasse gibt, die von einer marxistisch-leninistischen Partei geführt wird, findet im Verlauf der nationaldemokratischen Revolution zwischen der Arbeiterklasse und der nationalen kapitalistischen Klasse ein Klassenkampf um die Führung des revolutionären Prozesses statt. Wenn abzusehen ist, dass die Arbeiterklasse diesen Kampf um die Führung gewinnt, werden sich die nationalen Kapitalisten unweigerlich von der nationaldemokratischen Revolution distanzieren und auf die Seite der Konterrevolution übergehen und eine untergeordnete Rolle als Ausbeuter einem vollständigen Verlust ihres ‘Rechts’ auf Ausbeutung in einer sozialistischen Revolution vorziehen.

18. (...)

19. Was ist proletarischer Internationalismus?

Das Gegenteil von bürgerlichem Nationalismus. Er betont die Verbrüderung und die gemeinsamen Interessen der arbeitenden Menschen aller Länder sowie die Notwendigkeit ihrer Solidarität in der Aktion und in der Organisation. Er kommt in der marxistisch-leninistischen Parole ‘Proletarier aller Länder, vereinigt Euch!’ zum Ausdruck.

Kurs 7:

Krieg

1. Was ist Krieg?

Krieg ist das Kämpfen zwischen Massen bewaffneter Menschen (nicht notwendigerweise zwischen Staaten: auch zum Beispiel zwischen Stämmen).

2. Was ist ein Bürgerkrieg?

Dies ist ein Krieg innerhalb ein und desselben Staates.

3. Worin liegen die Unterschiede zwischen Marxisten-Leninisten und Pazifisten was ihre Haltung gegenüber dem Krieg betrifft?

Erstens verurteilen Pazifisten alle Kriege. Marxisten-Leninisten sind sich des menschlichen Leids, das durch einen Krieg hervorgerufen wird, voll bewusst und versuchen, den Ausbruch eines Dritten Weltkriegs zu verhindern und arbeiten darauf hin, ein soziales System zu schaffen, das Kriege unmöglich machen wird. Dennoch unterscheiden sie zwischen ‘gerechten’ Kriegen (die sie unterstützen) und ‘ungerechten’ Kriegen (die sie verurteilen).  W. I. Lenin: "In der Geschichte hat es viele Kriege gegeben, die trotz ihrer Schrecken, Grausamkeiten, trotz des Elends und trotz aller Qualen, die unvermeidlich mit jedem Krieg verbunden sind, einen fortschrittlichen Charakter besaßen, d.h. sie dienten dem Fortschritt der Menschheit und trugen dazu bei, äußerst schädliche und reaktionäre  Einrichtungen zu zerschlagen." (W. I. Lenin: ‘Sozialismus und Krieg’, London 1940, S. 9).

"Sozialisten können nicht gegen alle Kriege sein, ohne aufzuhören Sozialisten zu sein." (W. I. Lenin: ‘Der Pazifismus und die Arbeiter’, in: ‘Krieg und die Arbeiter’, London 1940, S. 29).

Zweitens: Während Pazifisten für die Kriegsdienstverweigerung eintreten, um nicht am Krieg teilnehmen zu müssen, tun dies Marxisten-Leninisten und nehmen selbst an den ungerechtesten Kriegen teil, um die Arbeiter in Uniform für eine Politik der Massenopposition gegen den Krieg zu gewinnen: "‘Boykottiert den Krieg!’ ist eine absurde Phrase Kommunisten müssen sich an jedem reaktionären Krieg beteiligen." (W. I. Lenin: ‘Anmerkungen zur Frage der Aufgaben unserer Delegation in Den Haag’, in: ‘Die Haltung des Proletariats gegenüber dem Krieg’, London 1932, S. 12).

"Ein unterdrückte Klasse, die nicht versucht zu lernen mit Waffen umzugehen, verdient es wie Sklaven behandelt zu werden. ... Was werden die proletarischen Frauen tun ...? Nur den Krieg und alles Militärische verfluchen, nur Abrüstung fordern? Die Frauen einer unterdrückten Klasse, die wahrhaft revolutionär ist, werden sich nie damit zufrieden geben, eine solch schmachvolle Rolle zu spielen. Sie werden ihren Söhnen sagen: ‘Du wirst ein Mann sein. Dir wird man ein Gewehr geben. Nimm es und lerne es zu gebrauchen. Die Proletarier benötigen dieses Wissen, nicht um auf Eure Brüder zu schießen die Arbeiter anderer Länder , sondern um gegen Armut und Krieg zu kämpfen, nicht durch gute Absichten, sondern durch den Sieg über die Bourgeoisie und ihre Entwaffnung." (W. I. Lenin: ‘Der Pazifismus und die Arbeiter’, in: ‘Krieg und die Arbeiter’, London 1940, S.34f).

4. ‘Die angeborene Aggressivität des Menschen ist die Ursache von Kriegen’ (Lehrbuch der Psychologie, Kommentar).

Wenn dies stimmen würde, brauchte keine Regierung mehr die Wehrpflicht anzuordnen. Tatsächlich ist der Krieg die Verfolgung politischer Ziele durch gewaltsame Mittel und diese politischen Ziele besitzen eine ökonomische Grundlage.

5. Was ist für Marxisten-Leninisten das Kriterium für die Unterscheidung zwischen gerechten und ungerechten Kriegen?

Es ist die Wirkung, die ein Sieg der einen oder anderen Seite in einem Krieg auf die Entwicklung der Gesellschaft haben würde. Wenn der Sieg der einen Seite fortschrittliche Auswirkungen auf die Entwicklung der Gesellschaft haben würde, dann führt diese Seite einen gerechten Krieg. Wenn ihr Sieg einen reaktionären Einfluss auf die Entwicklung der Gesellschaft hätte, würde diese Seite einen ungerechten Krieg führen. Da der Imperialismus, der Monopolkapitalismus, in der Welt von heute den Ton angibt,  führt ein nichtimperialistischer Staat gleich welcher Art, der in einen Krieg mit einem imperialistischen Staat verwickelt ist, einen gerechten Krieg, da seine Kriegsanstrengungen den Weltimperialismus schwächen, während der imperialistische kriegführende Staat einen ungerechten Krieg führt, da seine Kriegsanstrengungen den Weltimperialismus stärken.

Ein Krieg kann auf der einen Seite gerecht und ungerecht auf der anderen Seite sein, aber er kann auch auf beiden Seiten ungerecht sein.

6. Was ist ein imperialistischer Krieg?

Dies ist ein Krieg zwischen rivalisierenden imperialistischen Mächten (oder Blöcken mit imperialistischen Mächten) zwecks Neuaufteilung der Welt.

7. Was macht den Charakter eines imperialistischen Krieges aus?

Da der Sieg der einen oder der anderen Seite nur eine imperialistische Gruppe auf Kosten der anderen stärken würde, wodurch der Weltimperialismus als Ganzer nicht geschwächt werden würde, ist er auf beiden Seiten ein ungerechter Krieg.

8. Was ist ein nationaler Befreiungskrieg?

Dies ist der Krieg einer unterdrückten Nation zur Erlangung ihrer Freiheit von der sie beherrschenden oder unterdrückenden Nation (heutzutage fast immer eine imperialistische Macht).

9. Worin besteht der Charakter eines nationalen Befreiungskrieges?

Da der Imperialismus heutzutage die wichtigste unterdrückerische Macht darstellt, würde der Sieg der unterdrückten Nation den Weltimperialismus schwächen, während der Sieg der unterdrückenden Nation den Weltimperialismus stärken würde. Ein nationaler Befreiungskrieg ist deshalb gerecht auf Seiten der unterdrückten Nation und ungerecht auf Seiten der unterdrückenden Nation.

10. Worin bestand der Charakter der Ersten Weltkriegs von 1914-18?

Es war ein imperialistischer Krieg, der auf beiden Seiten ein ungerechter Krieg war.

11. Gab es nicht doch fortschrittliche, gerechte Elemente im Ersten Weltkrieg?

Ja, es gab sie. Wenn es möglich wäre, den Krieg Serbiens gegen Österreich-Ungarn isoliert vom imperialistischen Krieg als Ganzen zu betrachten, dann könnte man diesen Krieg als gerechten Befreiungskrieg ansehen. Dieses gerechte Element wurde jedoch völlig überschattet, weil ein Bestandteil im Rahmen des ungerechten imperialistischen Krieges war.

12. Worin bestand der Charakter des Interventionskrieges gegen Sowjetrussland in den Jahren 1918-22?

Es war der Versuch einer großen Zahl imperialistischer Mächte, die Arbeitermacht in Sowjetrussland zu stürzen und deshalb war dieser Krieg auf Seiten Sowjetrusslands ein gerechter Krieg und auf Seiten der ins Land eingefallenen imperialistischen Staaten (insgesamt 14 Staaten Übers.) war es ein ungerechter Krieg.

13. Worin bestand der Charakter des chinesisch-japanischen Krieges von 1931-39?

Da China ein halbfeudaler, nicht-imperialistischer Staat war, während Japan ein imperialistischer war, war er auf Seiten Chinas ein gerechter Krieg und ein ungerechter auf Seiten  Japans.

14. Worin bestand der Charakter des Zweiten Weltkriegs bis zum Juni 1941?

Es war wie der Erste Weltkrieg ein imperialistischer Krieg zwischen zwei Gruppen von imperialistischen Mächten um die Neuaufteilung der Welt. Die Tatsache, dass die deutschen Imperialisten ihre Macht durch eine faschistische Diktatur ausübten, während die britischen dies über eine ‘parlamentarische Demokratie’ taten, war für den eigentlichen Charakter des Krieges als eines imperialistischen Krieges ungerecht auf beiden Seiten unerheblich.

15. Gab es dennoch gerechte, fortschrittliche Elemente im Zweiten Weltkrieg in der Periode bis Juni 1941?

Ja, sie gab es. Polen war ein kapitalistischer Staat, nicht jedoch ein imperialistischer.  Wenn man Polens Krieg gegen Deutschland isoliert vom Krieg als Ganzen betrachten würde, dann könnte er als ein gerechter Krieg bezeichnet werden.

Darüber hinaus können die Befreiungsbewegungen der Völker in den von den deutschen und italienischen Faschisten besetzten Gebieten (wenn man sie vom Krieg als Ganzen isoliert betrachtet) ebenfalls als gerechte Kriege angesehen werden.

Aber wie im Ersten Weltkrieg wurden diese gerechten und fortschrittlichen Elemente überschattet, weil sie im Rahmen eines ungerechten imperialistischen Krieges stattfanden.

16. Worin bestand der Charakter des Zweiten Weltkrieges nach dem Juni 1941?

Nach dem deutschen Überfall auf die Sowjetunion damals ein sozialistischer Staat im Juni 1941, war der sowjetische Krieg gegen Deutschland (falls man ihn isoliert betrachtete) ein gerechter Krieg auf Seiten der Sowjetunion und ein ungerechter auf Seiten des deutschen Imperialismus. Diese gerechten und fortschrittlichen Elemente mit den anderen gerechten und fortschrittlichen Elemente zusammengenommen, die in der Antwort zu Frage 15 aufgeführt wurden, überschatteten den ungerechten und imperialistischen Charakter, der immer vorhanden war. So änderte sich vom Juni 1941 an der eigentliche Charakter des Zweiten Weltkriegs und er wurde insgesamt gesehen zu einem gerechten Krieg auf Seiten der Vereinten Nationen und ein ungerechter auf Seiten der Achsenmächte (der aggressiven faschistischen Länder wie Deutschland, Italien, Japan u.a. Übers.).

17. Worin bestand der Charakter des Nahost-Krieges von 1967?

Israel ist ein Staat, der von den imperialistischen Mächten im Nahen Osten errichtet und  bewaffnet wurde und heute vom US-Imperialismus kontrolliert wird. Er ist der Arm des USImperialismus im Nahen Osten. Die arabischen Staaten sind keine imperialistischen Staaten und die meisten von ihnen waren vor 1967 kein Instrumente des Imperialismus. Deshalb war der Krieg ein gerechter auf Seiten der arabischen Staaten und ein ungerechter auf Seiten Israels.

18. Macht die fortgesetzte Existenz des Imperialismus den Krieg unvermeidlich?

Kapitalistische (einschließlich imperialistische) Wirtschaftssysteme entwickeln sich ungleichmäßig. Daraus folgt, dass eine Aufteilung der Welt in einem Zeitabschnitt, die die wirtschaftlichen Bedürfnisse der imperialistischen Mächte an Märkten, Rohstoffquellen usw. widerspiegelt, diese wirtschaftlichen Bedürfnisse zu einem späteren Zeitpunkt nicht mehr befriedigt. So werden die ‘zukurzgekommenen’ imperialistischen Mächte durch ihre wirtschaftlichen Bedürfnisse genötigt, den Versuch zu unternehmen, den ‘privilegierten’ imperialistischen Mächten Märkte, Rohstoffquellen usw. abzujagen. Imperialistische Kriege zur Neuaufteilung der Welt sind in regelmäßigen Abständen unvermeidlich. Nur durch die Zerstörung des Imperialismus können Kriege aufhören, unvermeidlich zu sein.

19. Worin besteht die Strategie von Marxisten-Leninisten, deren Land in einen ungerechten Krieg verwickelt ist?

Sie besteht darin, den ungerechten Krieg in einen Bürgerkrieg zum Sturz ‘ihrer’ Imperialisten zu verwandeln.

20. Hilft eine solche Strategie nicht dem Feind?

Ja. Militärische Niederlagen der ‘eigenen’ Imperialisten schwächen diese jedoch und tragen   so dazu bei, ihren revolutionären Sturz herbeizuführen. Und Marxisten-Leninisten ‘auf der anderen Seite’ unternehmen gleichzeitig den Versuch, ‘ihren’ Imperialisten militärische Niederlagen beizubringen. In Lenins Worten:

"Nur ein Bourgeois, der glaubt, dass der von den Regierungen begonnene Krieg zwangsläufig als ein Krieg zwischen Regierungen enden muss und der dies herbeiwünscht, findet die Vorstellung ‘lächerlich’ oder ‘absurd’, dass Sozialisten aller sich im Krieg befindlichen Länder den Wunsch haben können , dass ihren Regierungen eine Niederlage bereitet wird." (W. I. Lenin: ‘Sozialismus und Krieg’, London 1940, S. 24).

21. Was ist Chauvinismus?

Das ist die ‘chauvinistische’ (also nationalistische Übers.) Unterstützung der eigenen Regierung in einem ungerechten Krieg. Der Name stammt von einem französischen Offizier, der zur Zeit der Napoleonischen Kriege gelebt hat: Nicholas Chauvin.

22. Was ist ‘Sozialchauvinismus’?

Lenin prägte eine ganze Reihe von politischen Begriffen, die auf den Begriff ‘sozialdemokratisch’ zurückgehen, der von vielen ‘sozialistischen’ Parteien zu Beginn des 20. Jahrhunderts übernommen wurde. Lenin machte sich über die selbsternannten ‘Sozialisten’ lustig, die in Wirklichkeit jedoch Chauvinisten waren. Deshalb nannte er sie ‘Sozialchauvinisten’.   

23. Was ist Guerillakrieg?

Dies ist eine Art der Kriegführung, die für schwächerere, weniger gut bewaffnete Kräfte geeignet ist, die es mit einem mächtigeren Gegner zu tun haben. Sie besteht darin, die Streitkräfte des Feindes durch blitzartige Überraschungsangriffe kleinerer Trupps zu zermürben  und zu schwächen, wobei möglichst eine direkte Konfrontation mit jenen Streitkräften vermieden wird.

Der Guerillakrieg ist die typische Art der Kriegführung, die von einer Nationalen Befreiungsarmee in der ersten Phase eines nationalen Befreiungskriegs angewendet wird. Die Strategie besteht darin, durch einen solchen Guerillakrieg die eigenen Kräfte aufzubauen, bis sie stark genug sind, dass zu einer regulären Kriegführung übergegangen und der Sieg errungen werden kann.

24. Trotz einer anfänglichen materiellen Überlegenheit, ist ein imperialistisches Land, dass in einen nationalen Befreiungskrieg verwickelt ist, mit großen Nachteilen konfrontiert. Worin bestehen diese?

1. Die Soldaten (des imperialistischen Landes) verteidigen nicht die eigene Heimat.

2. Sie kämpfen auf einem ungewohnten Gelände.

3. Sie werden von der Masse der Bevölkerung in dem besetzten Land gehasst.

4. Sie verfügen vor Ort über ein geringeres menschliches Potenzial.

5. Ihre Nachschublinien sind ausgedehnter.

6. Die Hilfstruppen, auf die sie angewiesen sind, sind unzuverlässig.

7. Sie stoßen im eigenen Land auf Ablehnung und in ihrer eigenen Armee auf politisch

    bewusste Arbeiter.

Kurs 8:

Wie der Sozialismus funktioniert

1. Was ist Sozialismus?

Das ist das soziale System, das von den arbeitenden Menschen, die von der Arbeiterklasse geführt werden, errichtet wird, nachdem sie die politische Macht in einer sozialistischen Revolution erobert hat. Es ist ein soziales System, in dem die Ausbeutung des  Menschen durch den Menschen abgeschafft worden ist und in dem die Produktion zentral  gelenkt wird, um das Wohl der arbeitenden Menschen zu mehren.

2. In wessen Eigentum befinden sich in einer sozialistischen Gesellschaft die  Produktionsmittel?

Sind werden kollektiv verwaltet und befinden sich entweder

1) im Eigentum des Staates, der die arbeitenden Menschen als Ganze vertritt oder

2) in dem von Kooperativen, die die arbeitenden Menschen eines bestimmten Betriebes umfassen.

3. Was ist Sozialisierung?

Die Übernahme eines Betriebes, der vorher einem Kapitalisten oder einer kapitalistischen Firma gehörte, durch den sozialistischen Staat (d.h. des Gewaltapparats, durch den die arbeitenden Menschen über den Rest der Gesellschaft regieren). Davon muss die Nationalisierung in einer kapitalistischen Gesellschaft unterschieden werden, bei der ein ehemals privates Unternehmen in das Eigentum des kapitalistischen Staates übernommen wird, d.h. durch den Gewaltapparat der kapitalistischen Klasse als Ganzer.

4. Was ist Kollektivierung?

Das ist die Zusammenführung einer Reihe von kleineren Betrieben, die als Einzelbetriebe wirtschaftlich ineffizient sind, in eine einheitliche größere Kooperative von Bauern oder  Handwerkern. Damit die Kleinbourgeoisie für die Arbeiterklasse als Bündnispartner beim Aufbau des Sozialismus erhalten bleibt, muss die Kollektivierung auf freiwilliger Basis erfolgen.

Die Kollektivierung ist ein Schritt zur Sozialisierung der Betriebe von Bauern und Handwerkern, wodurch die ländliche und städtische Kleinbourgeoisie in ländliche und städtische  Mitglieder der Arbeiterklasse verwandelt wird.

5. Wie wird im Sozialismus die Produktion gesteuert?

Da der Profit als Triebfeder und Mechanismus der Produktion wie im Kapitalismus abgeschafft ist, wird die Produktion im Sozialismus durch eine zentrale staatliche Planung, die auf der weitestgehenden demokratischen Einbeziehung der Konsumenten beruht, gesteuert, um die größtmögliche Befriedigung der Bedürfnisse der arbeitenden Menschen zu garantie ren.

6. Warum ist es im Sozialismus notwendig, dass die Produktion von Produktionsmitteln schneller ausgeweitet wird als die Produktion von Konsumgütern?

Weil Konsumgüter (durch die die Bedürfnisse der arbeitenden Menschen direkt befriedigt werden) mit Hilfe von Produktionsmitteln herstellt werden. Eine stetige Ausweitung der Produktion von Konsumgütern hängt deshalb davon ab, ob die Produktion von Produktionsmitteln schneller ausgeweitet wird als die Herstellung von Konsumgütern.

7. Auf welcher Grundlage werden Konsumgüter in einer sozialistischen Gesellschaft verteilt?

Da in diesem Stadium der wirtschaftlichen Entwicklung die Bedürfnisse der arbeitenden Menschen noch nicht vollständig befriedigt werden können, ist eine Form der Rationierung vonnöten. Und da es wünschenswert ist, die schnellstmögliche Entwicklung der Produktion auf den Weg zu bringen, muss dieses Rationierungssystem so angelegt  sein, dass es die produktiven Bemühungen der arbeitenden Menschen unterstützen kann. Die Mehrheit des arbeitenden Volkes sind jedoch in die sozialistische Gesellschaft mit Ansichten und Einstellungen eingetreten, die sie aus der kapitalistischen Gesellschaft übernommen haben und eine der wichtigsten besteht darin, dass eine größere produktive Anstrengung auch eine größere materielle Belohnung für den Einzelnen rechtfertigt. Aus all diesen Gründen hängt die Verteilung der Konsumgüter im Sozialismus von der Menge und Güte der geleisteten Arbeit ab. Dieses Prinzip kommt in der Losung: ‘JEDER NACH SEINEN FÄHIGKEITEN, JEDER NACH SEINER LEISTUNG!’ zum Ausdruck.

8. Ist dieses Verteilungsprinzip gerecht?

Nicht vollständig. Es ist sicherlich gerechter als das Verteilungsprinzip in der kapitalistischen Gesellschaft, das auf der Ausbeutung der arbeitenden Menschen basiert sowie auf der Menge des Mehrwert erzeugenden Eigentums, das zufällig, häufig in Folge von Vererbung, besessen wird. Aber es ist insoweit ungerecht, als die Menge und Güte der geleisteten Arbeit eines Arbeiters von Faktoren abhängig sein kann, die sich seiner Kontrolle entziehen (zum Beispiel: Er kann mehr Angehörige haben als sein Nachbar; er hat vielleicht ein körperliches Leiden). Obwohl diese Ungerechtigkeit durch soziale Dienste gemildert werden kann, kann sie dennoch nicht vollständig ausgeschaltet werden, nämlich so lange nicht, wie das sozialistische Verteilungsprinzip in Kraft ist.

9. Wie kann diese Ungerechtigkeit ausgeschaltet werden?

Sie kann nur durch die Ablösung des Sozialismus (definiert als ‘erstes Stadium des Kommunismus’) durch den wahrhaften Kommunismus ausgeschaltet werden. Im Kommunismus wird diese Ungerechtigkeit durch die Verwirklichung des Verteilungsprinzips entsprechend des Bedarfs ausgeschaltet. Dieses Prinzip kommt in der Losung: ‘JEDER NACH SEINEN FÄHIGKEITEN, JEDER NACH SEINEN BEDÜRFNISSEN!’ zum Ausdruck.

10. Worin bestehen die wichtigsten Voraussetzungen für den Übergang vom Sozialismus zum Kommunismus?

Sie bestehen erstens in einem massiven Anstieg der materiellen Produktion, die ausreicht, sämtliche Grundbedürfnisse der arbeitenden Menschen ohne jegliche Rationierung zu befriedigen und zweitens in der Änderung der Ansichten und Einstellungen der Masse der arbeitenden Menschen, in der Weise, dass sie die Arbeit als natürliche Pflicht, die den Fähigkeiten entsprechend, ohne wirtschaftlichen Zwang, geleistet wird, ansehen und dass sie  sich aus den Konsumzentren nur das nehmen, das sie brauchen. Die Verwirklichung des Verteilungsprinzips nach der geleisteten Arbeit ist eine Notwendigkeit, damit die erste Voraussetzung für den Kommunismus ein massiver Anstieg der Produktion des materiellen Reichtums so schnell wie möglich erreicht werden kann.

11. Welches sind die Aufgaben eines sozialistischen Staates?

Erstens die gestürzte kapitalistische Klasse und ihre Anhänger zu unterdrücken, um eine Konterrevolution zu verhindern und zweitens, das Land vor Versuchen zu schützen, dass kapitalistische Staaten von außen militärisch intervenieren. Drittens schließlich, den sozialistischen Aufbau zu leiten und die Menschen im marxistisch-leninistischen Sinne zu erziehen.

12. Worin besteht der Klassencharakter des sozialistischen Staates?

Es ist die ‘Diktatur des Proletariats, der Arbeiterklasse’ so wie der kapitalistische Staat die ‘Diktatur der Bourgeoisie’ ist.

13. Wenn der sozialistische Staat die Diktatur einer Klasse ist, wie kann er dann als  ‘demokratisch’ angesehen werden?

Wenn man von der Tatsache ausgeht, dass der sozialistische Staat die Interessen der arbeitenden Menschen vertritt und jene der ehemaligen kapitalistischen Klasse unterdrückt,  könnte sein demokratischer Charakter als begrenzt angesehen werden. Wenn man jedoch von der ursprünglichen Bedeutung des Wortes ‘Demokratie’ ausgeht, das soviel bedeutet wie ‘die Herrschaft des einfachen Volkes’, dann ist ‘die Diktatur der Arbeiterklasse’ demokratisch. Da die kapitalistische Klasse nur eine kleine Minderheit der Bevölkerung ausmacht, ist sie mit Sicherheit unendlich viel demokratischer als der kapitalistische Staat.

14. ‘Der sozialistische Staat wird schließlich allmählich absterben’ (Friedrich Engels). Erläutere.

Da die Angehörigen der gestürzten kapitalistischen Klasse aussterben und ihre Nachfahren zu Mitglieder des arbeitenden Volkes werden und seine Anschauungen übernehmen, gibt es bald keine Klasse mehr, die zur Sicherung des Bestandes des Sozialismus unterdrückt werden müsste. Deshalb ist die repressive Funktion des sozialistischen Staates bald nicht mehr notwendig und verschwindet allmählich.

Und in dem Maße, wie die arbeitenden Menschen anderer Länder daran gehen, die politische Macht zu übernehmen und den Sozialismus überall auf der Welt aufzubauen, verschwindet auch die Gefahr einer äußeren militärischen Intervention. So verschwindet mit  der Zeit auch die Aufgabe des Staates, die Verteidigung nach außen sicherzustellen. Er  löst sich nach und nach auf.

Letztendlich hört der sozialistische Staat als Herrschaftsinstrument auf zu existieren und wird in einen vollständig demokratischen Apparat zur Wahrnehmung von Verwaltungsaufgaben in der Gesellschaft umgeformt.

15. Ist eine marxistisch-leninistische Partei im Sozialismus nötig?

Ja, sie ist nötig. Genauso wenig wie die Arbeiterklasse die politische Macht der kapitalistischen Klasse spontan stürzen kann, sondern der Führung einer Vorhut-Partei bedarf,  deren Strategie und Taktik auf dem Marxismus-Leninismus basieren, genauso bedarf sie   der Anleitung durch diese Avantgarde, um ihre politische Macht aufrechtzuhalten und eine   sozialistische Gesellschaft aufzubauen.

In dem Maße jedoch wie der sozialistische Staat allmählich abstirbt und wie das politische Bewusstsein des gesamten arbeitenden Volkes auf ein hohes Niveau gehoben worden ist, besteht nicht mehr ein Bedarf an einer solchen Führung, so dass auch die Partei langsam abstirbt.

16. Hat der einmal errichtete Sozialismus für immer Bestand?

Nur dann, wenn das arbeitenden Volk von einer marxistisch-leninistischen Partei geführt  wird.

Aus diesem Grund unternehmen die Feinde des Sozialismus alle Versuche, die marxistisch-leninistische Partei zu einer revisionistischen Partei zu pervertieren eine Partei, die   (zuerst) noch Lippenbekenntnisse für den Marxismus-Leninismus ablegt, jedoch tatsäch lich eine Politik übernimmt, die unter dem Deckmantel von ‘Modernisierung’ und ‘Demokra tisierung das Land auf den Weg der Wiederherstellung des Kapitalismus führt.

17. Was waren die wichtigsten Folgen des Sieges des Revisionismus in der internationalen kommunistischen Bewegung?

In allen Ländern, in denen der Sozialismus errichtet worden war, wurde der Kapitalismus wieder restauriert.

Die Restauration (Wiederherstellung Übers.) des Kapitalismus durchläuft eine Reihe von
Stadien. Die Rolle der zentralen Planung wird zunächst verringert; eine Marktwirtschaft auf der Grundlage des Profitprinzips wird eingeführt; die Leiter der Betriebe erhalten einen so  unverhältnismäßig hohen Anteil an den Gewinnen (wegen ihrer angeblichen ‘Verantwor tung’, dass sie tatsächlich zu Staatskapitalisten werden, die die Arbeiterklasse ausbeuten;    die Führer in Partei und Staat werden zu korrupten Bürokraten, die im Prinzip eine bürokra tische Diktatur über die Arbeiterklasse ausüben.

Wenn die Arbeiterklasse dieser Entwicklung gegenüber ausreichend kritisch eingestellt ist, besteht das Endstadium darin, das Volk zu mobilisieren, um diesen falschen ‘Sozialismus’ zu zerstören, der ihm so viel Elend gebracht hat, um dann das alte System des freien Unternehmertums wieder einzuführen.

In den entwickelten kapitalistischen Ländern, hat der Sieg des Revisionismus in der internationalen kommunistischen Bewegung die alten kommunistischen Parteien in politische Intrumente des Monopolkapitals, in sozialdemokratische Parteien verwandelt, die dem revolutionäreren Sozialismus zugunsten eines illusionären ‘friedlichen, parlamentarischen Wegs zum  Sozialismus’ abgeschworen haben. Solche Parteien nehmen dann gewöhnlich ihren Platz innerhalb des parlamentarischen Rahmens ein, dann nämlich, wenn sie von der kapitalisti schen Klasse als Instrumente für die Täuschung der arbeitenden Menschen gebraucht werden.

Diese Vorgänge, die tragische Rückschläge für die arbeitenden Menschen darstellen, lösen langfristig gesehen die sozialen Probleme des arbeitenden Volkes nicht, sondern führen dazu, dass sie sich nur noch verschlimmern. Es gibt für diese Probleme keine andere Lösung   als den Sozialismus.

DIE HISTORISCHE AUFGABE, VOR DER DIE ARBEITENDEN MENSCHEN ZUR ZEIT IN   FAST ALLEN LÄNDERN STEHEN, BESTEHT DESHALB IN DEM WIEDERAUFBAU VON MARXISTISCH-LENINISTISCHEN PARTEIEN, DIE VON ALLEN REVISIONISTISCHEN  STRÖMUNGEN GESÄUBERT SIND UND SICH GEGEN JEDEN REVISIONISTISCHEN  EINFLUSS ABSCHIRMEN SOWIE IN DER WIEDERHERSTELLUNG EINER MARXISTISCH-LENINISTISCHEN INTERNATIONALE ALS AVANTGARDE DER ARBEITENDEN   MENSCHEN IN DER GANZEN WELT.

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