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Von
vor fast 80 Jahren: Sehr aktuell noch
heute!
POLITISCHER
RECHENSCHAFTSBERICHT DES ZENTRALKOMITEES AN DEN XVI. PARTEITAG DER KPdSU(B)
Vom
27. Juni 1930
Von
J.W. Stalin
I.
DIE WACHSENDE KRISE DES WELTKAPITALISMUS UND DIE AUSSENPOLITISCHE STELLUNG
DER UdSSR
|
„Erinnern Sie sich, wie die Dinge in den
kapitalistischen Ländern vor zweieinhalb Jahren lagen. Anwachsen
der industriellen Produktion und des Handels in fast allen Ländern
des Kapitalismus. Anwachsen der Produktion von Rohstoffen und
Lebensmitteln in fast allen Agrarländern. Die Vereinigten Staaten
von Nordamerika in der Aureole eines Landes des kraftstrotzendsten
Kapitalismus. Siegeshymnen auf die „Prosperität“. Würdelose
Anbetung des Dollars. Lobgesänge auf die neue Technik, auf die
kapitalistische Rationalisierung. Proklamierung einer Ära der
„Sanierung“ des Kapitalismus und der unerschütterlichen
Festigkeit der kapitalistischen Stabilisierung. (…)
landwirtschaftliche
Krise in allen Agrarländern. An Stelle der „Prosperität“ -
Massenelend und kolossale Zunahme der Arbeitslosigkeit. An Stelle
eines Aufschwungs der Landwirtschaft - Ruin der Millionenmassen
der Bauernschaft. Die Illusionen hinsichtlich der Allmacht des
Kapitalismus überhaupt, der Allmacht des nordamerikanischen
Kapitalismus im Besonderen stürzen in sich zusammen. Die
Siegeshymnen zu Ehren des Dollars und der kapitalistischen
Rationalisierung klingen immer schwächer. Immer stärker wird das
pessimistische Gewinsel über „Fehler“ des Kapitalismus. Das
„allgemeine“ Geschrei über „unvermeidlichen Untergang“
der UdSSR aber wird abgelöst von einem „allgemeinen“ giftigen
Gezisch über die Notwendigkeit, „dieses Land“ zu strafen, das
es wagt, seine Wirtschaft zu entwickeln, während ringsum die
Krise wütet.“ |
POLITISCHER
RECHENSCHAFTSBERICHT DES ZENTRALKOMITEES AN DEN XVI. PARTEITAG DER KPdSU(B)
Vom
27. Juni 1930
Von
J.W. Stalin
I
DIE WACHSENDE KRISE DES WELTKAPITALISMUS UND DIE AUSSENPOLITISCHE STELLUNG
DER UdSSR
Genossen!
Seit dem XV. Parteitag sind zweieinhalb Jahre verflossen. Ein, wie es
scheint, nicht sehr großer Zeitabschnitt. Indessen sind während dieser
Zeit überaus ernste Veränderungen im Leben der Völker und Staaten vor
sich gegangen. Wollte man die abgelaufene Periode in kurzen Worten
charakterisieren, so könnte man sie als eine Periode des Umschwungs
bezeichnen. Sie war eine Periode des Umschwungs nicht nur für uns, für
die UdSSR, sondern auch für die kapitalistischen Länder der ganzen Welt.
Aber zwischen dem Umschwung hier und dem Umschwung dort besteht ein
grundlegender Unterschied. Während der Umschwung für die UdSSR eine
Wendung bedeutete in Richtung auf einen neuen, beträchtlicheren
wirtschaftlichen Aufstieg, bedeutete dieser Umschwung für die
kapitalistischen Länder eine Wendung zum wirtschaftlichen Niedergang. Bei
uns in der UdSSR ein zunehmender Aufstieg des sozialistischen Aufbaus
sowohl in der Industrie als auch in der Landwirtschaft. Drüben, bei den
Kapitalisten, eine wachsende Krise in der Wirtschaft, sowohl in der
Industrie als auch in der Landwirtschaft.
Das
ist in kurzen Worten das Bild der heutigen Lage.
Erinnern
Sie sich, wie die Dinge in den kapitalistischen Ländern vor zweieinhalb
Jahren lagen. Anwachsen der industriellen Produktion und des Handels in
fast allen Ländern des Kapitalismus. Anwachsen der Produktion von
Rohstoffen und Lebensmitteln in fast allen Agrarländern. Die Vereinigten
Staaten von Nordamerika in der Aureole eines Landes des kraftstrotzendsten
Kapitalismus. Siegeshymnen auf die „Prosperität“. Würdelose Anbetung
des Dollars. Lobgesänge auf die neue Technik, auf die kapitalistische
Rationalisierung. Proklamierung einer Ära der „Sanierung“ des
Kapitalismus und der unerschütterlichen Festigkeit der kapitalistischen
Stabilisierung. „Allgemeines“ Geschrei und Geunke über einen
„unvermeidlichen Untergang“ des Landes der Sowjets, über einen
„unausbleiblichen Zusammenbruch“ der UdSSR.
So
lagen die Dinge gestern.
Wie
aber ist das Bild heute?
Heute:
Wirtschaftskrise in fast allen Industrieländern des Kapitalismus. Heute:
landwirtschaftliche Krise in allen Agrarländern. An Stelle der
„Prosperität“ - Massenelend und kolossale Zunahme der
Arbeitslosigkeit. An Stelle eines Aufschwungs der Landwirtschaft - Ruin
der Millionenmassen der Bauernschaft. Die Illusionen hinsichtlich der
Allmacht des Kapitalismus überhaupt, der Allmacht des nordamerikanischen
Kapitalismus im Besonderen stürzen in sich zusammen. Die Siegeshymnen zu
Ehren des Dollars und der kapitalistischen Rationalisierung klingen immer
schwächer. Immer stärker wird das pessimistische Gewinsel über
„Fehler“ des Kapitalismus. Das „allgemeine“ Geschrei über
„unvermeidlichen Untergang“ der UdSSR aber wird abgelöst von einem
„allgemeinen“ giftigen Gezisch über die Notwendigkeit, „dieses
Land“ zu strafen, das es wagt, seine Wirtschaft zu entwickeln, während
ringsum die Krise wütet.
Dieses
Bild sehen wir heute.
Es
ist gerade so gekommen, wie die Bolschewiki es vor zwei oder drei Jahren
gesagt haben.
Die
Bolschewiki sagten, dass die Entwicklung der Technik in den
kapitalistischen Ländern, das Wachstum der Produktivkräfte und der
kapitalistischen Rationalisierung angesichts der Schranken, die der
Lebenshaltung der Millionenmassen von Arbeitern und Bauern gezogen sind,
unvermeidlich zu einer schweren Wirtschaftskrise führen muss. Die bürgerliche
Presse spottete über die „originelle Prophezeiung“ der Bolschewiki.
Die rechten Abweichler wollten mit der bolschewistischen Prognose nichts
zu tun haben und setzten an die Stelle einer marxistischen Analyse das
liberale Geschwätz von „organisiertem Kapitalismus“. Wie kam es aber
in Wirklichkeit? Es kam so, wie die Bolschewiki gesagt hatten.
Das
sind die Tatsachen
1. Die Weltwirtschaftskrise
a) Beim Studium der Krise fallen vor allem
folgende Tatsachen auf:
1.
Die heutige Wirtschaftskrise ist eine Krise der Überproduktion. Das
bedeutet, dass mehr Waren erzeugt wurden, als der Markt aufzunehmen
vermag. Das bedeutet, dass mehr Textilien, Heizstoffe, Fabrikate und
Nahrungsmittel erzeugt wurden, als die Hauptverbraucher, d. h. die
Volksmassen, deren Einkünfte auf einem niedrigen Niveau verbleiben, für
ihr Geld kaufen können. Da nun die Kaufkraft der Volksmassen unter
kapitalistischen Verhältnissen auf einem minimal niedrigen Niveau bleibt,
so speichern die Kapitalisten die „Überschüsse“ an Waren, Textilien,
Getreide usw. auf oder vernichten sie sogar, um die Preise hochzuhalten,
sie schränken die Produktion ein, entlassen Arbeiter, und die Volksmassen
müssen Not leiden, weil zuviel Waren produziert wurden.
2.
Die heutige Krise ist die erste weltumspannende Wirtschaftskrise seit dem
Kriege. Sie ist eine Weltkrise nicht nur in dem Sinne, dass sie alle oder
fast alle industriellen Länder der Welt erfasst, wobei sogar Frankreich,
das seinem Organismus systematisch Injektionen zuführt in Form von
Milliarden Mark aus den Reparationszahlungen Deutschlands, einer gewissen
Depression nicht aus dem Wege gehen konnte, die allen Angaben nach in eine
Krise übergehen muss. Sie ist eine Weltkrise auch in dem Sinne, dass die
Krise der Industrie zeitlich zusammenfällt mit einer Krise der
Landwirtschaft, die die Produktion aller Arten von Rohstoffen und
Nahrungsmitteln in den wichtigsten Agrarländern der Welt erfasst.
3.
Die heutige Weltkrise entwickelt sich trotz ihres allgemeinen Charakters
ungleichmäßig und erfasst die einen oder die anderen Länder zu
verschiedener Zeit und mit verschiedener Stärke. Die Industriekrise
begann am frühesten in Polen, Rumänien, auf dem Balkan. Sie entwickelte
sich dort im Laufe des ganzen vorigen Jahres. Deutliche Anzeichen der
einsetzenden Landwirtschaftskrise gab es schon Ende 1928 in Kanada, in den
USA, in Argentinien, in Brasilien, in Australien. Während dieser ganzen
Periode geht es mit der Industrie der USA bergauf. Gegen Mitte des Jahres
1929 erreicht die industrielle Produktion in den USA fast eine Rekordhöhe.
Erst im zweiten Halbjahr 1929 tritt ein Umschwung ein, und dann allerdings
greift eine stürmische Krise der industriellen Produktion um sich, die
die USA auf das Niveau von 1927 zurückwarf. Darauf folgt die
Industriekrise in Kanada und in Japan. Dann setzen Bankrotte und eine
Krise in China und in den Kolonialländern ein, wo die Krise durch den
Preisfall des Silbers verschlimmert wird und wo sich die Überproduktionskrise
paart mit der Zerstörung der bäuerlichen Wirtschaft, die infolge der
Ausbeutung durch die Feudalherren und durch die unerträglichen Steuern
zur völligen Erschöpfung gebracht wird. Was Westeuropa anbelangt, so
beginnt die Krise sich hier erst seit Anfang dieses Jahres auszuwirken,
und zwar nicht überall mit gleicher Kraft, während Frankreich sogar in
dieser Periode immer noch ein Anwachsen der industriellen Produktion
aufzuweisen hat.
Ich
glaube, es erübrigt sich, besonders auf die Zahlen einzugehen, die das
Vorhandensein der Krise demonstrieren. Dass die Krise da ist, bestreitet
heute kein Mensch mehr. Ich beschränke mich deshalb darauf, eine kleine,
aber charakteristische Tabelle anzuführen, die kürzlich vom deutschen
„Institut für Konjunkturforschung“ veröffentlicht worden ist. Diese
Tabelle widerspiegelt die Entwicklung des Bergbaus und der Hauptzweige der
verarbeitenden Großindustrie in den USA, England, Deutschland,
Frankreich, Polen und der UdSSR seit 1927, wobei das Produktionsniveau von
1928 gleich 100 gesetzt ist.
Hier
diese Tabelle:
|
Jahr
|
UdSSR
|
USA
|
England
|
Deutschland
|
Frankreich
|
Polen
|
|
1927
|
82,4
|
95,5
|
105,5
|
100,1
|
86,6
|
88,5
|
|
1928
|
100,0
|
100,0
|
100,0
|
100,0
|
100,0
|
100,0
|
|
1929
|
123,5
|
106,3
|
107,9
|
101,8
|
109,4
|
99,8
|
|
1930
(I. Quartal)
|
171,4
|
95,5
|
107,4
|
93,4
|
113,1
|
84,6
|
Was
besagt diese Tabelle?
Sie
besagt vor allem, dass die USA, Deutschland und Polen eine scharf ausgeprägte
Krise der industriellen Großproduktion durchmachen, wobei im ersten
Quartal 1930 das Produktionsniveau in den USA nach dem Aufschwung in der
ersten Hälfte 1929 gegenüber 1929 um 10,8 Prozent sank und auf das
Niveau von 1927 zurückging; dass in Deutschland das Produktionsniveau
nach einer dreijährigen Stockung, mit dem Vorjahr verglichen, um 8,4
Prozent zurückging und um 6,7 Prozent unter den Stand des Jahres 1927
sank, während in Polen das Produktionsniveau nach der vorjährigen Krise,
mit dem Vorjahr verglichen, um 15,2 Prozent sank und damit um 3,9 Prozent
unter den Stand des Jahres 1927 zurückging.
Sie
besagt zweitens, dass England schon drei Jahre nicht vom Fleck kommt, über
den Stand von 1927 nicht hinaus kann und eine schwere wirtschaftliche
Stockung durchmacht, ja, im ersten Quartal 1930 das Niveau der Produktion
gegenüber dem Vorjahr schon um 0,5 Prozent gesenkt hat und damit in die
Anfangsphase der Krise eingetreten ist.
Sie
besagt drittens, dass es von den großen kapitalistischen Ländern nur
Frankreich ist, wo ein gewisses Wachstum der Großindustrie stattfindet,
und zwar betrug der Zuwachs im Jahre 1928 13,4 Prozent und im Jahre 1929
9,4 Prozent, erreichte dagegen im ersten Quartal 1930 - mit 1929
verglichen - nur 3,7 Prozent und bietet somit das Bild einer von Jahr zu
Jahr sinkenden Entwicklungskurve.
Sie
besagt schließlich, dass es von allen Ländern der Welt nur die UdSSR
ist, wo ein stürmischer Aufstieg der Großindustrie vor sich geht, und
zwar ist das Produktionsniveau im ersten Quartal 1930 mehr als doppelt so
hoch wie das Niveau von 1927, die Zuwachsrate steigt von 17,6 Prozent im
Jahre 1928 auf 23,5 Prozent im Jahre 1929 und auf 32 Prozent im ersten
Quartal 1930, bietet also das Bild einer von Jahr zu Jahr ansteigenden
Entwicklungskurve.
Man
könnte einwenden: Mag das auch der Stand der Dinge bis Ende des ersten
Quartals dieses Jahres gewesen sein, so wäre es doch nicht
ausgeschlossen, dass im zweiten Quartal dieses Jahres eine Wendung zum
Besseren eingetreten sei. Aber die Angaben für das zweite Quartal
widerlegen entschieden eine solche Annahme. Sie besagen im Gegenteil, dass
die Lage sich im zweiten Quartal noch mehr verschlechtert hat. Diese
Angaben zeugen: von einem neuen Aktiensturz an der New-Yorker Börse und
einer neuen Welle der Bankrotte in den USA; von einem neuen Rückgang der
Produktion, einer Senkung der Löhne der Arbeiter und einem Anwachsen der
Arbeitslosigkeit in den USA, Deutschland, England, Italien, Japan, Südamerika,
Polen, der Tschechoslowakei usw.; vom Eintreten einer Reihe von
Industriezweigen Frankreichs in die Phase der Stockung, die bei der
heutigen internationalen Wirtschaftslage ein Anzeichen der einsetzenden
Krise ist. Arbeitslose gibt es heute in den USA mehr als 6 Millionen, in
Deutschland etwa 5 Millionen, in England über 2 Millionen, in Italien, Südamerika
und Japan je eine Million, in Polen, der Tschechoslowakei und Österreich
je 500000. Ich spreche gar nicht von der weiteren Verschärfung der
Landwirtschaftskrise, die Millionen Farmer und werktätige Bauern
ruiniert. Die Überproduktionskrise in der Landwirtschaft geht so weit,
dass zur Aufrechterhaltung der hohen Preise und Profite der Bourgeoisie in
Brasilien 2 Millionen Sack Kaffee ins Meer versenkt wurden; in Amerika hat
man begonnen, statt Kohle Mais zu verfeuern, in Deutschland werden
Hunderttausende Zentner Roggen als Schweinefutter verwandt; und was
Baumwolle und Weizen anbetrifft, so werden alle Maßnahmen getroffen, um
die Anbaufläche um 10 bis 15 Prozent einzuschränken.
Das
ist das allgemeine Bild der sich entfaltenden Weltwirtschaftskrise.
b)
Jetzt, da die Weltwirtschaftskrise ihre zerstörende Wirkung entfaltet,
indem sie ganzen Schichten mittlerer und kleiner Kapitalisten den
Untergang bereitet, ganze Gruppen der Arbeiteraristokratie und der Farmer
ruiniert und die Millionenmassen der Arbeiter zum Hungern verdammt, fragt
alles: Wo liegt die Ursache der Krise, worin ist sie begründet, wie soll
man sie bekämpfen, wie kann man sie aus der Welt schaffen? Es werden die
verschiedenartigsten „Theorien“ der Krise ausgeklügelt. Es werden
ganze Projekte vorgeschlagen zur „Linderung“, „Verhütung“,
„Liquidierung“ der Krise, Die bürgerlichen Oppositionen deuten hin
auf die bürgerlichen Regierungen, die jetzt auf einmal „nicht alle Maßnahmen
ergriffen haben“ sollen, um die Krise zu verhüten. Die „Demokraten“
beschuldigen die „Republikaner“, die „Republikaner“ die
„Demokraten“ und alle zusammen die Gruppe Hoover mit ihrem „Federal
Reserve System“ das die Krise nicht „zu zügeln“ vermochte. Es gibt
sogar Schlauköpfe, die die Ursache der Weltwirtschaftskrise in „Ränken
der Bolschewiki“ sehen. Ich denke dabei an den bekannten
„Unternehmer“ Rechberg, der eigentlich einem Unternehmer wenig ähnlich
sieht und viel eher an einen „Unternehmer“ unter den Literaten und an
einen „Literaten“ unter den Unternehmern erinnert. (Heiterkeit.)
Es
versteht sich, dass alle diese „Theorien“ und Projekte mit
Wissenschaft nichts gemein haben. Man muss feststellen, dass die bürgerlichen
Ökonomen sich angesichts der Krise als völlig bankrott erwiesen haben.
Mehr noch, ihnen fehlt, wie sich herausgestellt hat, sogar jenes Minimum
an Wirklichkeitssinn, das man ihren Vorgängern nicht immer absprechen
kann. Diese Herren vergessen, dass die Krisen nicht als eine zufällige
Erscheinung im System der kapitalistischen Wirtschaft angesehen werden dürfen.
Diese Herren vergessen, dass die Wirtschaftskrisen ein unvermeidliches
Resultat des Kapitalismus sind. Diese Herren vergessen, dass die Krisen
zusammen mit der Herrschaft des Kapitalismus auf die Welt kamen. Seit mehr
als hundert Jahren treten periodische Wirtschaftskrisen ein, die sich nach
Ablauf von je zwölf, zehn, acht und weniger Jahren wiederholen. Seit
dieser Zeit haben bürgerliche Regierungen aller Ränge und Farben, bürgerliche
Persönlichkeiten aller Stufen und Kaliber, alle ohne Ausnahme ihre Kräfte
an dem Problem der „Verhütung“ und „Beseitigung“ der Krisen
versucht. Sie alle aber erlitten Schiffbruch. Sie erlitten Schiffbruch,
weil die Wirtschaftskrisen weder verhütet noch beseitigt werden können,
wenn man im Rahmen des Kapitalismus bleibt. Was ist also Erstaunliches
daran, wenn die bürgerlichen Persönlichkeiten von heute ebenfalls
Schiffbruch erleiden? Was ist also Erstaunliches daran, wenn die Maßnahmen
der bürgerlichen Regierungen in Wirklichkeit nicht zu einer Linderung der
Krise, nicht zu einer Erleichterung der Lage der Millionenmassen der Werktätigen
führen, sondern zu einer Kette neuer Bankrotte, zu einer neuen Welle der
Arbeitslosigkeit, zum Verschlingen der weniger starken kapitalistischen
Vereinigungen durch die stärkeren kapitalistischen Vereinigungen?
Die
Basis der ökonomischen Überproduktionskrisen, ihre Ursache liegt im
ganzen System der kapitalistischen Wirtschaft selbst. Die Basis der Krise
liegt in dem Widerspruch zwischen dem gesellschaftlichen Charakter der
Produktion und der kapitalistischen Form der Aneignung der
Produktionsergebnisse. Ausdruck dieses Grundwiderspruchs des Kapitalismus
ist der Widerspruch zwischen dem kolossalen Anwachsen der
Produktionskapazitäten des Kapitalismus, die auf die Erzielung eines
Maximums kapitalistischen Profits berechnet sind, und dem relativen Rückgang
der zahlungsfähigen Nachfrage seitens der Millionenmassen der Werktätigen,
deren Lebenshaltung die Kapitalisten ständig in den Schranken des äußersten
Minimums zu halten suchen. Um im Konkurrenzkampf zu gewinnen und möglichst
viel Profit herauszupressen, müssen die Kapitalisten die Technik
entwickeln, eine Rationalisierung durchführen, die Ausbeutung der
Arbeiter verschärfen und die Produktionskapazitäten ihrer Betriebe bis
aufs äußerste steigern. Damit keiner hinter dem anderen zurückbleibe,
sind alle Kapitalisten gezwungen, in einer oder der anderen Weise diesen
Weg rasender Entwicklung der Produktionsmöglichkeiten zu beschreiten.
Aber der Binnenmarkt wie der Außenmarkt, die Kaufkraft der
Millionenmassen der Arbeiter und Bauern, die in letzter Instanz die Hauptkäufer
sind, bleiben auf einem niedrigen Niveau. Daher die Überproduktionskrisen.
Daher die bekannten Resultate, die sich mehr oder weniger periodisch
wiederholen, kraft deren die Waren unverkauft bleiben, die Produktion zurückgeht,
die Arbeitslosigkeit wächst, die Löhne gesenkt werden, wodurch sich der
Widerspruch zwischen dem Produktionsniveau und dem Niveau der zahlungsfähigen
Nachfrage noch mehr verschärft. Die Überproduktionskrise ist der
Ausdruck dieses Widerspruchs in stürmischen und verheerenden Formen.
Könnte
der Kapitalismus die Produktion nicht der Erzielung eines Maximums von
Profit, sondern einer systematischen Verbesserung der materiellen Lage der
Volksmassen anpassen, könnte er den Profit verwenden nicht zur
Befriedigung der Launen parasitärer Klassen, nicht zur Vervollkommnung
der Ausbeutungsmethoden, nicht zur Kapitalausfuhr, sondern zur
systematischen Hebung der materiellen Lage der Arbeiter und Bauern, dann gäbe
es keine Krisen. Aber dann wäre auch der Kapitalismus kein Kapitalismus.
Um die Krisen abzuschaffen, muss man den Kapitalismus abschaffen.
Das
ist die Basis der ökonomischen Überproduktionskrisen im Allgemeinen.
Aber
hiermit kann es bei der Charakterisierung der heutigen Krise nicht sein
Bewenden haben. Die heutige Krise ist nicht als eine einfache Wiederholung
der alten Krisen zu betrachten. Sie entspringt und entwickelt sich unter
einigen neuen Bedingungen, die man klarstellen muss, um ein volles Bild
der Krise zu erhalten. Sie kompliziert und vertieft sich durch eine ganze
Reihe besonderer Umstände, ohne deren Klärung es unmöglich ist, sich
eine klare Vorstellung von der heutigen Wirtschaftskrise zu
verschaffen.Was sind das für besondere Umstände?
Sie,
diese besonderen Umstände, laufen auf folgende charakteristische
Tatsachen hinaus:
1.
Die Krise hat am stärksten das Hauptland des Kapitalismus, seine
Zitadelle, die USA, erfasst, die nicht weniger als die Hälfte der
gesamten Produktion und des gesamten Konsums aller Länder der Welt in
ihren Händen konzentrieren. Man begreift, dass dieser Umstand
notwendigerweise die Einflusssphäre der Krise kolossal erweitern, zu
einer Verschärfung der Krise und zur Anhäufung unvorhergesehener
Schwierigkeiten für den Weltkapitalismus führen muss.
2.
Im Laufe der Entfaltung der Wirtschaftskrise ist die Industriekrise der
wichtigsten kapitalistischen Länder mit der landwirtschaftlichen Krise
der Agrarländer nicht einfach zusammengefallen, sondern hat sich mit ihr
verflochten, wodurch sich die Schwierigkeiten vertieften und ein
allgemeines Absinken der wirtschaftlichen Aktivität unvermeidlich wurde.
Es erübrigt sich zu sagen, dass die industrielle Krise die
landwirtschaftliche verstärken und die landwirtschaftliche die
industrielle in die Länge ziehen wird, was notwendigerweise zu einer
Vertiefung der Wirtschaftskrise in ihrer Gesamtheit führt.
3.
Der heutige Kapitalismus ist, zum Unterschied vom alten Kapitalismus,
monopolistischer Kapitalismus, und das macht von vornherein den Kampf
unvermeidlich, den die kapitalistischen Vereinigungen führen, um die
hohen Monopolpreise der Waren trotz Überproduktion aufrechtzuerhalten. Es
versteht sich, dass dieser Umstand, der die Krise für die Volksmassen,
diese Hauptverbraucher der Waren, besonders qualvoll und verheerend
gestaltet, unvermeidlich die Krise in die Länge ziehen, ihr Abflauen
aufhalten muss.
4.
Die heutige Wirtschaftskrise entfaltet sich auf Basis der allgemeinen
Krise des Kapitalismus, die bereits in der Periode des imperialistischen
Krieges begonnen hat, die die Grundpfeiler des Kapitalismus unterwühlt
und die den Eintritt der Wirtschaftskrise erleichtert hat.
Was
bedeutet das?
Das
bedeutet vor allem, dass der imperialistische Krieg und seine Folgen die Fäulnis
des Kapitalismus verstärkt und sein Gleichgewicht erschüttert haben,
dass wir heute in einer Epoche der Kriege und Revolutionen leben, dass der
Kapitalismus schon nicht mehr das einzige und allumfassende System der
Weltwirtschaft darstellt, dass neben dem kapitalistischen
Wirtschaftssystem das sozialistische System besteht, das wächst und
gedeiht, das dem kapitalistischen System gegenübersteht und das durch die
bloße Tatsache seines Bestehens die Fäulnis des Kapitalismus
demonstriert und dessen Grundlagen erschüttert.
Das
bedeutet weiter, dass der imperialistische Krieg und der Sieg der
Revolution in der UdSSR die Grundpfeiler des Imperialismus in den
kolonialen und abhängigen Ländern erschüttert haben, dass die Autorität
des Imperialismus in diesen Ländern schon untergraben ist, dass er nicht
mehr die Kraft hat, in diesen Ländern auf die alte Art zu wirtschaften.
Das
bedeutet weiter, dass während des Krieges und nach dem Kriege in den
kolonialen und abhängigen Ländern ein eigener junger Kapitalismus
entstanden und herangewachsen ist, der mit den alten kapitalistischen Ländern
auf den Märkten erfolgreich konkurriert und dadurch den Kampf um die
Absatzmärkte verschärft und kompliziert.
Das
bedeutet schließlich, dass der Krieg den meisten kapitalistischen Ländern
ein schweres Erbe in Gestalt der chronischen Unterbelastung der Betriebe
und des Vorhandenseins von Millionenarmeen Arbeitsloser hinterlassen hat,
die sich aus Reservearmeen in ständige Arbeitslosenarmeen verwandelt
haben, was für den Kapitalismus schon vor der jetzigen Wirtschaftskrise
eine Menge Schwierigkeiten schuf und die Dinge während der Krise noch
weiter komplizieren muss.
Das
sind die Umstände, die die Weltwirtschaftskrise verschlimmern und verschärfen.
Es
muss festgestellt werden, dass die heutige Wirtschaftskrise von allen
bisherigen Weltwirtschaftskrisen die ernsteste und tiefstgehende Krise
ist.
2.
Die Verschärfung der Gegensätze des Kapitalismus
Das
wichtigste Resultat der Weltwirtschaftskrise ist die Bloßregung und
Verschärfung der dem Weltkapitalismus innewohnenden Gegensätze.
a)
Es entblößen und verschärfen sich die Gegensätze zwischen den
wichtigsten imperialistischen Ländern, der Kampf um die Absatzmärkte,
der Kampf um die Rohstoffe, der Kampf um den Kapitalexport. Heute gibt
sich keiner der kapitalistischen Staaten mehr mit der alten Aufteilung der
Einflusssphären und Kolonien zufrieden. Sie sehen, dass sich das Kräfteverhältnis
geändert hat, und in Übereinstimmung damit müssen die Absatzmärkte,
die Rohstoffquellen, die Einflusssphären usw. neu verteilt werden. Der
wichtigste dieser Gegensätze ist der Gegensatz zwischen den USA und
England. Sowohl auf dem Gebiet der Fertigwarenausfuhr als auch auf dem
Gebiet der Kapitalausfuhr spielt sich der Kampf vornehmlich zwischen den
USA und England ab. Man braucht nur eine beliebige Wirtschaftszeitung, ein
beliebiges Dokument über die Waren- und Kapitalausfuhr zur Hand zu
nehmen, um sich davon zu überzeugen. Die Hauptarena dieses Kampfes sind Südamerika,
China, die Kolonien und Dominions der alten imperialistischen Staaten. Das
Übergewicht der Kräfte in diesem Kampf - und zwar ein eindeutiges Übergewicht
- liegt auf Seiten der USA.
Auf
diesen wichtigsten Gegensatz folgen die zwar weniger wichtigen, aber doch
recht wesentlichen Gegensätze: zwischen Amerika und Japan, zwischen
Deutschland und Frankreich, zwischen Frankreich und Italien, zwischen
England und Frankreich usw.
Es
kann keinem Zweifel unterliegen, dass im Zusammenhang mit der sich
entfaltenden Krise der Kampf um Absatzmärkte, Rohstoffe und
Kapitalausfuhr mit jedem Monat, mit jedem Tag stärker werden wird.
Die
Mittel des Kampfes sind Zollpolitik, billige Waren, billiger Kredit,
Umgruppierung der Kräfte und neue militärisch-politische Bündnisse,
zunehmende Rüstungen, Vorbereitung zu neuen imperialistischen Kriegen und
schließlich - der Krieg.
Ich
sprach von einer Krise, die alle Produktionszweige erfasst hat. Aber es
gibt einen Produktionszweig, der nicht von der Krise erfasst ist. Dieser
Produktionszweig ist die Kriegsindustrie. Sie wächst ständig, trotz der
Krise. Die bürgerlichen Staaten betreiben eine wahnwitzige Auf- und Umrüstung.
Wozu? Natürlich nicht zum Zeitvertreib, sondern zum Krieg. Den Krieg aber
brauchen die Imperialisten, da er das einzige Mittel ist zur Neuaufteilung
der Welt, zur Neuaufteilung der Absatzmärkte, der Rohstoffquellen, der
Sphären für Kapitalanlagen.
Es
ist durchaus begreiflich, dass unter diesen Umständen der so genannte
Pazifismus in den letzten Zügen liegt, der Völkerbund bei lebendigem
Leibe verfault, die „Abrüstungsprojekte“ in der Versenkung
verschwinden und die Konferenzen für die Einschränkung der Flottenrüstungen
sich in Konferenzen zur Modernisierung und Erweiterung der Marine
verwandeln.
Das
bedeutet, dass die Kriegsgefahr in beschleunigtem Tempo wachsen wird.
Mögen
die Sozialdemokraten von Pazifismus, von Frieden, von friedlicher
Entwicklung des Kapitalismus und dergleichen schwatzen. Die Erfahrungen
mit den Regierungen der Sozialdemokratie in Deutschland und England
zeigen, dass ihr Pazifismus lediglich eine Maske ist, notwendig zur
Verschleierung der Vorbereitung neuer Kriege.
b)
Es entblößen sich und werden sich weiter verschärfen die Gegensätze
zwischen den Siegerländern und den besiegten Ländern. Unter den
letzteren meine ich insbesondere Deutschland. Unzweifelhaft wird sich im
Zusammenhang mit der Krise und der Verschärfung des Problems der Märkte
der Druck auf Deutschland verstärken, das nicht nur Schuldner, sondern
auch einer der größten Exporteure ist. Man könnte das eigenartige Verhältnis,
das sich zwischen den Siegerländern und Deutschland herausgebildet hat,
als eine Pyramide darstellen, auf deren Spitze Amerika, Frankreich,
England usw. wie die Herren thronen, mit dem Youngplan[38]
in Händen, auf dem geschrieben steht: „Zahle!“, während unten
Deutschland hingestreckt liegt, das sich abplagt und alle Kräfte aus sich
herausholen muss, um die befohlenen Milliardenkontributionen zahlen zu können.
Wollen Sie wissen, was das ist? Das ist der „Geist von Locarno“[39].
Zu glauben, dass ein solcher Zustand für den Weltkapitalismus ohne Folgen
bleiben könne, hieße vom Leben überhaupt nichts verstehen. Zu glauben,
dass die deutsche Bourgeoisie imstande sein werde, in den nächsten zehn
Jahren 20 Milliarden Mark zu zahlen, und dass das unter dem doppelten Joch
der „eigenen“ und der „fremden“ Bourgeoisie lebende deutsche
Proletariat sich diese 20 Milliarden ohne ernstliche Kämpfe und Erschütterungen
von der deutschen Bourgeoisie abzapfen lassen werde, hieße den Verstand
verloren haben. Mögen deutsche oder französische Politiker sich den
Anschein geben, als glaubten sie an dieses Wunder. Wir Bolschewiki glauben
nicht an Wunder.
c)
Es entblößen und verschärfen sich die Gegensätze zwischen den
imperialistischen Staaten und den kolonialen und abhängigen Ländern. Die
wachsende Wirtschaftskrise verstärkt unvermeidlich den Druck der
Imperialisten auf die Kolonien und die abhängigen Länder, die die
wichtigsten Absatz- und Rohstoffmärkte darstellen. Und tatsächlich verstärkt
sich der Druck bis aufs äußerste. Ist es doch Tatsache, dass sich die
europäische Bourgeoisie jetzt im Zustand des Krieges mit „ihren“
Kolonien in Indien, in Indochina, in Indonesien, in Nordafrika befindet.
Ist es doch Tatsache, dass das „unabhängige“ China bereits faktisch
in Einflusssphären aufgeteilt ist und dass die Generalscliquen der
konterrevolutionären Kuomintang, die sich gegenseitig bekämpfen und das
chinesische Volk an den Bettelstab bringen, den Willen ihrer Gebieter aus
dem imperialistischen Lager erfüllen.
Die
verlogene Version, dass Mitarbeiter der russischen Botschaften in China an
der Störung von „Frieden und Ruhe“ in China die Schuld trügen, muss
als endgültig widerlegt betrachtet werden. Schon lange gibt es weder in Süd-
noch in Mittelchina russische Botschaften. Dafür aber gibt es dort
englische, japanische, deutsche, amerikanische und alle möglichen anderen
Botschaften. Russische Botschaften gibt es schon lange weder in Süd- noch
in Mittelchina. Dafür aber gibt es dort deutsche, englische und
japanische militärische Ratgeber bei den kriegführenden chinesischen
Generalen. Russische Botschaften gibt es dort schon lange nicht mehr. Dafür
aber gibt es englische, amerikanische, deutsche, tschechoslowakische und
alle möglichen anderen Geschütze, Gewehre, Flugzeuge, Tanks und
Giftgase. Und was sehen wir? Statt „Frieden und Ruhe“ sehen wir in Süd-
und Mittelchina jetzt den zügellosesten und verheerendsten Generalskrieg,
der von den „zivilisierten“ Staaten Europas und Amerikas finanziert
und nach ihren Instruktionen geführt wird. Somit bietet die
„zivilisatorische“ Tätigkeit der kapitalistischen Staaten ein recht
pikantes Bild. Unverständlich ist nur, was die russischen Bolschewiki
damit zu tun haben sollen.
Es
wäre lächerlich zu glauben, dass die erwähnten Gewalttaten der
Imperialisten ihnen ohne Folgen hingehen werden. Die chinesischen Arbeiter
und Bauern haben darauf bereits mit der Bildung von Sowjets und einer
Roten Armee geantwortet. Man sagt, dass dort schon eine Regierung der
Sowjets gebildet worden ist. Ich glaube, dass dies, wenn es wahr ist,
nicht weiter verwunderlich ist. Es kann keinem Zweifel unterliegen, dass
nur Sowjets imstande sind, China vor dem endgültigen Zerfall und vor der
Verelendung zu retten.
Was
Indien, Indochina, Indonesien, Afrika usw. anbelangt, so unterliegt es
keinem Zweifel, dass die revolutionäre Bewegung in diesen Ländern, die
zeitweise die Formen eines nationalen Befreiungskrieges annimmt, im
Wachsen begriffen ist. Die Herren Bourgeois gedenken in diesen Ländern
Ströme von Blut zu vergießen und sich auf Polizeibajonette zu stützen,
wobei sie Leute wie Gandhi zu Hilfe rufen. Es kann keinem Zweifel
unterliegen, dass Polizeibajonette eine schlechte Stütze sind. Auch der
Zarismus suchte sich seinerzeit auf Polizeibajonette zu stützen, aber was
für eine Stütze daraus geworden ist, weiß jedermann. Was die Helfer vom
Schlage Gandhis anbelangt, so hatte der Zarismus ihrer eine ganze Herde in
der Person liberaler Paktierer jeder Art, was jedoch nichts anderes als
Blamage zur Folge hatte.
d)
Entblößt und verschärft haben sich die Gegensätze zwischen der
Bourgeoisie und dem Proletariat in den kapitalistischen Ländern. Die
Krise hat bereits zu verstärktem Druck der Kapitalisten auf die
Arbeiterklasse geführt. Die Krise hat bereits eine neue Welle
kapitalistischer Rationalisierung, eine neue Verschlechterung der Lage der
Arbeiterklasse, Zunahme der Arbeitslosigkeit, Vermehrung des ständigen
Arbeitslosenheeres und Lohnabbau ausgelöst. Es ist nicht verwunderlich,
dass diese Umstände die Situation revolutionieren, den Kampf der Klassen
verschärfen und die Arbeiter zu neuen Klassenschlachten drängen.
Im
Zusammenhang damit werden die sozialdemokratischen Illusionen in den
Arbeitermassen zerstört und beseitigt. Nach den Erfahrungen mit den
Regierungen der Sozialdemokraten, die Streiks abwürgen, Aussperrungen
organisieren und Arbeiter niederschießen, klingen die lügnerischen
Versprechungen einer „Wirtschaftsdemokratie“, eines
„Industriefriedens“ und „friedlicher Methoden“ des Kampfes in den
Ohren der Arbeiter wie ein böser Hohn. Ob man jetzt noch viele Arbeiter
finden wird, die willens sind, den verlogenen Predigten der
Sozialfaschisten zu glauben? Die bekannten Arbeiterdemonstrationen am 1.
August 1929 (gegen die Kriegsgefahr) und am 6. März 1930 (gegen die
Arbeitslosigkeit)[40]
zeigen, dass die besten Elemente der Arbeiterklasse sich bereits von den
Sozialfaschisten abgewandt haben. Die Wirtschaftskrise wird den
sozialdemokratischen Illusionen unter den Arbeitern einen neuen Schlag
versetzen. Es werden sich jetzt wenig Arbeiter finden, die nach den durch
die Krise ausgelösten Wellen von Bankrott und Ruin gewillt sein werden,
an die Möglichkeit der Bereicherung „jedes Arbeiters“ durch
Beteiligung an „demokratisierten“ Aktiengesellschaften zu glauben. Es
erübrigt sich zu sagen, dass die Krise allen diesen und ähnlichen
Illusionen einen vernichtenden Schlag versetzen wird.
Aber
die Abkehr der Arbeitermassen von der Sozialdemokratie bedeutet, dass sie
sich dem Kommunismus zuwenden. So geschieht es auch tatsächlich. Das
Anwachsen der der kommunistischen Partei nahe stehenden
Gewerkschaftsbewegung; die Wahlerfolge der kommunistischen Parteien; die
Welle von Streiks unter führender Beteiligung der Kommunisten; das
Umschlagen wirtschaftlicher Streiks in politische, von den Kommunisten
organisierte Protestaktionen; die Massendemonstrationen der mit dem
Kommunismus sympathisierenden Arbeiter, die in der Arbeiterklasse den
lebhaftesten Widerhall finden - alles das zeugt davon, dass die
Arbeitermassen in der kommunistischen Partei die einzige Partei sehen, die
fähig ist, den Kapitalismus zu bekämpfen, die einzige Partei, die des
Vertrauens der Arbeiter würdig ist, die einzige Partei, der man im Kampf
für die Befreiung vom Kapitalismus folgen kann, die es wert ist, dass man
ihr folgt. Das ist eine Schwenkung der Massen zum Kommunismus. Es ist die
Gewähr dafür, dass unsere kommunistischen Bruderparteien zu großen
Massenparteien der Arbeiterklasse werden. Notwendig ist nur, dass die
Kommunisten es verstehen, die Lage richtig zu bewerten, und sie in
entsprechender Weise ausnutzen. Durch die Entfaltung ihres unversöhnlichen
Kampfes gegen die Sozialdemokratie, diese Agentur des Kapitals in der
Arbeiterklasse, durch die Zerschlagung aller und jeglicher Abweichungen
vom Leninismus, die Wasser auf die Mühle der Sozialdemokratie sind, haben
die kommunistischen Parteien gezeigt, dass sie auf dem richtigen Wege
sind. Es ist notwendig, dass sie auf diesem Wege endgültig festen Fuß
fassen. Können sie doch nur unter dieser Bedingung darauf rechnen, die
Mehrheit der Arbeiterklasse zu erobern und das Proletariat erfolgreich auf
die kommenden Klassenschlachten vorzubereiten. Kann doch nur unter dieser
Bedingung auf ein weiteres Steigen des Einflusses und Ansehens der
Kommunistischen Internationale gerechnet werden.
So
steht es mit den grundlegenden Gegensätzen des Weltkapitalismus, die sich
infolge der Weltwirtschaftskrise aufs äußerste verschärft haben. Wovon
zeugen alle diese Tatsachen?
Davon,
dass die Stabilisierung des Kapitalismus ihrem Ende entgegengeht.
Davon,
dass der Aufschwung der revolutionären Massenbewegung mit neuer Kraft
weitergehen wird.
Davon,
dass die Weltwirtschaftskrise in einer Reihe von Ländern in eine
politische Krise umschlagen wird.
Das
bedeutet erstens, dass die Bourgeoisie den Ausweg aus der Lage auf dem
Gebiet der Innenpolitik in weiterer Faschisierung suchen wird, wozu sie
alle reaktionären Kräfte, darunter auch die Sozialdemokratie, benutzen
wird.
Das
bedeutet zweitens, dass die Bourgeoisie den Ausweg auf dem Gebiet der Außenpolitik
in einem neuen imperialistischen Krieg suchen wird.
Das
bedeutet schließlich, dass das Proletariat im Kampf gegen die
kapitalistische Ausbeutung und die Kriegsgefahr den Ausweg in der
Revolution suchen wird.
Stalin,
Werke Bd. 12, Berlin 1954, S. 212-215 |