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Brief an den PDS-Kreisvorstand Duisburg:
"Ihr billigt und unterstützt den Massenmord an Zivilisten, an Kindern..." mehr

Zu Hanna Ackermanns Austritt aus der PDS mehr


Kein wehleidiger Nachruf. sondern
Trotzdem!

von Gerd Höhne

Vorweg:
H.W. Rook, rechter Sprecher des PDS-Kreisverbands Duisburg, sagte als Dimitri Tsalos 2001 aus der PDS austrat: "Reisende soll man nicht aufhalten."
Mir scheint, für ihn und seine Leute dürfte bald der Zug abgefahren sein.

Er war einst der erfolgreichste Kreisverband der PDS im Westen. In einer Großstadt des Ruhrgebiets bekam die PDS 4,2 % der Stimmen, in einem traditionellen Arbeiterstadtteil sogar 7,6 %, hier in einigen Wahllokalen sogar fast 14 %. Die PDS wurde hier nach SPD und CDU die drittstärkste Partei.

Geführt wurde der Kreisverband von einigen Genossen, die sich eng an den Traditionen der Arbeiterbewegung anlehnten, die konsequent linke und kommunistische Positionen vertraten – ohne faule Kompromisse, aber auch ohne Sektiererei. Sie waren glaubwürdig, die Wähler erkannten die Ehrlichkeit des Anliegens.

Was ist aus diesen Genossen geworden?

Lothar Erich Kurth. Kurz nach der Kommunalwahl zog er aus privaten Gründen nach Berlin. Hier gelang es ihm bei der Wahl zum Delegierten zum Parteitag den damals amtierenden Kulturstadtrat Thomas Flierl zu schlagen – der gleiche Flierl der heute Kultur- und Wissenschaftssenator Berlins ist und dem man die Mitgliedschaft in einer Nazisekte nachsagt.

Bei den Wahlen in Berlin wollte Lothar auf Platz 13 zur Bezirksverodnetenversammlung kandidieren. Er wurde auf Betreiben des Bezirksvorstandes und durch persönliches Eingreifen der Vorsitzenden nicht gewählt. Grund: Er sei Arbeiter!

Lothar Erich Kurth trat vor einigen Wochen aus der PDS aus, ist heute aktiv in der DKP und steht auf Platz 2 der Landesliste zur Bundestagswahl, weil er Arbeiter ist!

Dimitri Tsalos: Dimitri stand auf Platz 6 der Reserveliste zur Kommunalwahl, nach dem Rücktritt des damaligen Ratsherrn Karl Volkemer rückte Dimitri nach und gehört seit Februar 2000 dem Rat der Stadt Duisburg an.

Im November 1999 wurde Dimitri zum Kreissprecher, gemeinsam mit Hanna Ackermann, gewählt. Das blieb er bis Januar 2001.

Dimitri war es, der im Juli 2000, als der Stadtdirektor Duisburgs Brandt die Roma-Familie Zumberov abschieben ließ, mit einem Ticket in der Maschine saß, die Passagieren über die Abschiebung informierte und sie aufforderte, sich nicht anzuschnallen, damit die Maschine nicht abfliegen dürfe. Der Pilot der Mazedonien-Air verstieß gegen diese Vorschrift und flog trotzdem. Damals bekundeten weite Teil der demokratisch und humanistisch gesinnten Öffentlichkeit dem persönlichen Mut Dimitris ihren Respekt. Als die am Abend der Abschiebung zum Rathaus kamen, standen die, die die Wochen vorher gegen die drohende Abschiebung Mahnwache und Schweigemarsch durchführten, sie spendeten den anderen beiden Akteuren Beifall. Der galt vor allem auch Dimitri.

Dimitri Tsalos trat im September 2001 wegen der Politik der PDS in Fragen der Kriegseinsätze der BRD, die Gysi unter bestimmten Bedingungen befürwortete, aus der PDS aus.

Günter Ackermann. Er war ab Anfang 1995 bin Februar 1999 Kreisvorsitzender. Gemeinsam mit Lothar Erich Kurth leistete er die Hauptarbeit beim Aufbau des Kreisverbandes. Die beiden waren die Vordenker bei der Kommunalwahl, gaben die Positionen vor und entwickelten die Strategie und Taktik. Im Februar 1999 trat Günter Ackermann als Kreisvorsitzender aus gesundheitlichen Gründen zurück. Aus eben diesen Gründen kandidierte er auf keinen Platz auf der Reserveliste der PDS, wohl aber war er Kandidat zur Bezirksvertretung Mitte, der er noch angehört.

Bei der Zumberov-Abschiebung war er mit Dimitri und Hanna einer der drei Hauptakteure gegen die Abschiebung.

Er handelte sich damals mehrere Strafverfahren ein, die aber allesamt zur Niederlage der Duisburger Stadtspitze führten.

Günter Ackermann trat im Oktober 2001 aus der PDS aus. Seine Gründe waren: Die PDS hat in Dresden auch die restlichen noch vorhandenen sozialistischen Positionen verlassen und in Duisburg wurde von der von Hermann Dierkes geführten Fraktion nicht die Politik vertreten, die von einer sozialistischen Partei eigentlich zu erwarten ist.

Hanna Ackermann. Auch sie gehörte der Troika an, die gegen die Zumberov-Abschiebung diese spektakuläre Aktion planten und durchführten. Sie blieb bis November 2001 Kreissprecherin, kandidierte aber nicht neu. Es war bereits abzusehen, dass der neue Kreisvorstand, der keiner der profilierten Linken mehr angehören würde, eine Politik fahren würde, die sie, sei es als Sprecherin, sei es als Vorstandsmitglied, nur mit ihrem guten Namen verzieren würde, die sie aber nicht gutheißen kann.

Hanna trat gestern, am 7. Mai 2002, aus der PDS aus. 

Ihre Gründe: Mit einem anonymen Schreiben aus dem Kreisvorstand war sie, weil sie konsequent eine Politik für den Frieden vertritt und somit gegen die israelische Aggression gegen das palästinensische Volk eintritt, der Nähe zu Faschisten bezichtigt worden – sie formulierte die Presseerklärung, auf die sich das unverschämte Schreiben der angeblichen demokratischen Sozialisten bezieht.

Hanna ist Polin. Wie bekannt hat kein Volk im 2. Weltkrieg – gemessen an seiner Bevölkerung – mehr Opfer zu beklagen gehabt, wie das polnische. Ihre Mutter war als Polin mit Hannas Großvater von Haus und Hof verjagt und nach dem Osten deportiert worden. Hannas Großvater war eigentlich deutscher Abstammung, weigerte sich aber, mit den Faschisten zu kolaborieren.

Hannas Vater war als junger Mann Mitglied der Widerstandsarmee armia krajowa, das war die Organisation, die den Aufstand in Warszawa durchführte. Das polnische Volk hat einen hohen Blutzoll im Kampf gegen die deutschen Faschisten gezahlt. Hannas Vater war einer von denen, die gegen Hitlers Besatzer kämpften. Hanna ist eine Frau, die während ihrer Arbeit in und mit der PDS ihre antifaschistische Grundüberzeugung außer jedem Zweifel gelassen hat. Wenn diese Leute des Kreisverbandes Duisburg ihr nun schreiben:

"Wer so denkt, verkennt bestenfalls das Wesen des Antisemitismus oder führt bewußt oder unbewußt die eigenen Reflexe vor. Wir sind mehr als betrübt, daß die von Jörg Haider und anderen Rechtsextremisten im Kontext der Debatten um die Entschädigung von NS-Zwangsarbeitern praktizierte Rhetorik, daß die Juden selbst den Antisemitismus verschulden, nun ausgerechnet Eingang ins Duisburger Friedensforum gefunden hat."

so ist diese eine nicht mehr zu überbietende Infamie.

Diese Leute spielen sich auf Richter zu sein über die Moral aufrechter Antifaschisten und Kämpfer für Frieden, ausgerechnet sie!

Diese Schnösel sollten sich an die eigene Nase packen, Rook, seines Zeichens Kreissprecher, stimmte beim Landesparteitag für den Erhalt der Bundeswehr. Nicht eben eine Friedenstruppe diese Armee! Und was Kontakte zu Rechten betrifft, er selbst präsentierte sich öffentlich mit Anhängern der Schill-Partei. Na und dann die Verstrickungen des Berliner (Un)Kultursenators Flierl mit Nazisekten.

( siehe: http://www.kommunisten-online.de/blackchanel/unkultur.htm)

Wer im Glashaus sitzt, soll nicht mit Steinen werfen!

Mit Hannas Austritt aus der PDS ist die letzte Repräsentantin einer konsequenten linken Politik in der PDS-Duisburg aus der Partei ausgetreten. Sie hat das vollzogen, was andere in Duisburg und anderswo schon längst gemacht haben.

Noch eine Bemerkung zum Schluss:

Das wirre Geschreibsel enthält die Formulierung "nationalsozialistisch". Diese Verbindung "national" und "sozialistisch" wurde von den Nazis zur Verschleierung ihrer Absichten, die Arbeiterbewegung zu vernichten, erfunden. Die antikommunistischen Propagandisten verwendeten es in der Nachkriegszeit zum Zwecke der Gleichsetzung von deutschen Faschismus und Sozialismus/Kommunismus, also links ist gleich rechts. Wenn die PDS in Duisburg jetzt genau dieses Wort übernimmt, so mag ich nicht an Unwissenheit glauben. Sie haben sich nun ebenfalls auf dieses antikommunistische Niveau begeben. Wenn sie sagen, wer die israelischen Kriegsverbrechen anprangert sei ein Nazi oder befände sich in deren Nähe, dabei schlimmen Völkermord, ethnische Säuberung und einen Ausrottungskrieg gut heißt, wer das macht, möge den meterdicken Dreck vor der eigenen Tür wegfegen.

Und eins ist sicher: Die PDS ist im September nicht wählbar, sie ist keine bessere SPD, sie ist genauso wie die SPD.

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